Warme Alternativen in (k)alten Gemäuern

So gemütlich ein Altbau auch ist: Wenn darin ebenso alte Heizungen arbeiten, geht dies langfristig aufs Portemonnaie. Doch wenn das Verlegen von Rohren ausgeschlossen ist, wird es bei den Alternativen eng.

In Altbauten werkeln leider oft ebenso alte Heizungen. Oft ist der Austausch vorgeschrieben, immer jedoch zweckmäßig. Bloß: Welche Optionen gibt es, wenn nicht gleich sämtliche Wände aufgerissen werden sollen?

Omas altes Häuschen – meist handelt es sich um das typische „Vererbungsobjekt“, welches Menschen von ihren Eltern übernehmen – nur um es, weil selbst schon ein Haus gebaut wurde, an ihre eigenen Kids weiterzugeben. Ein Haus für die Enkelgeneration, die so ohne Finanztrubel in die eigenen Wände kommt. Allerdings ist es um die Energetik solcher Häuser, die in den ersten Nachkriegsjahrzehnten gebaut wurden, weniger gut bestellt. Das Problem ist: Der vollständige Austausch der alten Heizungen wird dann zum Problem, wenn dafür Rohre verlegt werden müssen – während einer solchen, buchstäblichen Drecksarbeit ist es schlicht unmöglich, das Haus zu bewohnen. Hier will der folgende Artikel zeigen, welche Alternativen es für welche bestehenden Heizungsformen gibt - mit Fokus auf minimale Kosten.

1. Einzelfeuerungsöfen

Einzelraumöfen können natürlich durch modernere Holzöfen ersetzt werden – das löst aber nicht das Problem des mangelhaften Komforts durch das notwendige händische Beschicken.

Den „Schwarzen Peter“ haben jene gezogen, deren Altbau in jedem Raum über einen Ofen als einzige Wärmequelle verfügt. Grundsätzlich wird es hier schwierig, eine Alternative zu finden, die nicht in jeder Wand Rohre oder zumindest Kabel benötigt.

Die schlechte Nachricht vorweg: Geht es um einzelne Öfen, die mit Festbrennstoff nur ihren Aufstellungsort erwärmen, ist die Gesetzeslage reichlich schwammig. Beispielsweise darf der Ofen keine Einrichtungen aufweisen, die die Wärme in andere Räume verteilen, etwa Luftschächte – andernfalls gibt es Einstufungsprobleme.

Allerdings gibt es auch eine gute Nachricht. Denn sobald der Ofen vor dem 22.3.2010 installiert wurde, entfällt die Nachweispflicht des Hauseigentümers, da es sich um eine Einzelraumfeuerung handelt. Im Klartext: Solche Öfen dürfen erst einmal ohne weitere Anforderungen weiterbetrieben werden.

Die Alternativen

Allerdings ist klar, dass ein Haus voller Einzelfeuerungsöfen, die den Stand der 50er Jahre wiederspiegeln, in keiner Weise mehr wirtschaftlich und in Sachen Komfort modernen Anforderungen entspricht. Die vom Aufwand her einfachsten Alternativen sind daher:

  • Austausch der alten Festbrennstofföfen gegen neuere Modelle. Solange diese über eine Typgenehmigung verfügen, ist das rein rechtlich problemlos möglich. Genehmigungen haben die Geräte der meisten Hersteller. Vorsicht ist allerdings bei Internet-Billigangeboten geboten, denn hier werden oft Öfen verkauft, die rechtlich gar nicht betrieben werden dürfen.
  • Ebenfalls schnell aber wesentlich komfortabler ist der Einsatz von Einzelöfen mit automatischer Pellet-Nachführung. Diese Geräte werden, wie der Name sagt, mit Pellets beheizt. Der Vorteil besteht darin, dass ein Vorratsbehälter am Ofen sitzt, über den automatisch eine Brennstoffnachführung erfolgt. Pro Ofen ist ein Stromanschluss vonnöten, der den Nachführungsmotor versorgt.
  • Ebenfalls rechtlich erlaubt wäre es, die Einzelfeuerungen stillzulegen und stattdessen Nachtspeicheröfen einzusetzen. Der Einfachheit halber könnten dafür die Kamine zum Kabelschacht umgewidmet werden – allerdings wäre das der Tausch eines Problems gegen ein weiteres, wie noch zu lesen sein wird.

Alle weiteren möglichen Alternativen würden wesentlich mehr Umbau-Aufwand erfordern, weshalb sie an dieser Stelle keine Erwähnung finden sollen.

2. Nachtspeicheröfen

Als in den späten 50ern viele Hausbesitzer wegwollten von Einzelfeuerungen waren Nachtspeicheröfen eine beliebte Alternative, weil „nur“ Kabel verlegt werden mussten, anstatt aufwendige Rohrsysteme einer Zentralheizung. Auch eingedenk, dass Heizstrom damals preislich auf dem gleichen Level rangierte wie Öl oder Gas: Umgerechnet acht Cent kostete die Kilowattstunde im Jahr 1958 – heute sind es 26 und mehr Cent.

Das führte nicht nur zu einer exorbitanten Verteuerung des Nachtspeicher-Betriebes, sondern wegen der Unwirtschaftlichkeit zu einem gesetzlichen Wirrwarr im Umfeld der Energieeinsparverordnung:

  • Ursprünglich plante der Bundestag, dass Geräte, die vor dem 1.1.1990 eingebaut und seitdem nicht mehr modernisiert wurden, ab 1.1.2020 nicht mehr betrieben werden dürfen.
  • Für Nachtspeicher, die nach dem Stichtag 31.12.1989 angeschlossen wurden, sollte eine Betriebsdauer von 30 Jahren bestehen
Durch den Einsatz einer Photovoltaik-Anlage können Nachtspeicherheizungen zumindest etwas betriebsgünstiger gemacht werden. Die beste Alternative ist jedoch der Komplettaustausch.

Dann allerdings kam die Energiewende und mit ihr die Erkenntnis, dass Deutschland noch so viele Windräder und Solarparks errichten kann, diese ohne einen Speicher wenig nützenNachtspeicheröfen wären ein solcher Speicher – weshalb der Bundestag das Verbot 2013 auch wieder kippte. Deshalb gelten nun folgende Optionen für Besitzer solcher Anlagen:

Die Alternativen

  • Weiterbetrieb der alten Nachtspeicheröfen. Dies ist nur für den jetzigen Moment die günstigste Alternative, denn alte Geräte sind extrem ineffizient.
  • Austausch gegen neue Modelle. Moderne Nachtspeicheröfen sind zwar ebenfalls weit weniger effizient als andere Heizungsformen. Dafür steht aber unter anderem eine KfW-Förderung zur Verfügung.
  • Eine weitere Option wäre es, das Haus mit einer eigenen Photovoltaik-Anlage auszurüsten. Diese könnte dann zumindest einen Teil des Verbrauchs abfedern. Allerdings kann das bei Altbauten weitere Umbauten erfordern, etwa einen Austausch des Dachstuhls - weshalb auch diese Option weniger realistisch wäre.

Die einzige weitere Möglichkeit ist es, immer wieder zu vergleichen, um den günstigsten Anbieter von Nachtstrom zu finden. Jedoch steht fest, dass sich eine Nachtspeicherheizung schlicht und ergreifend nicht mehr so günstig betreiben lässt, wie andere Heizungsbauformen. Der Weiterbetrieb ist daher tatsächlich nur empfehlenswert, wenn es keine andere (finanzielle) Möglichkeit gibt, „Nägel mit Köpfen“ zu machen und eine wirklich moderne Zentralheizungsanlage installieren zu lassen – auch wenn das bedeutet, dass Rohre verlegt werden müssen.

3. Gas-Zentralheizung

Wessen Opa beim Hausbau in den 50ern visionär dachte, der hat heute in Sachen Umbauaufwand ein kaum zu unterschätzendes Glück: Denn ganz gleich, wie alt und nicht mehr dem Stand der Technik entsprechend die Gasheizung im Keller sein mag, sie ist wenigstens eine Zentralheizung. Das wiederum hat einen unschätzbaren Vorteil: In den Wänden des Hauses liegen bereits die Rohre, deren Einbau bei den bislang genannten Varianten wegen des Aufwandes verworfen wurde.

Die Alternativen

Wo bereits eine Gas-Zentralheizung samt Rohrleitungen verbaut war, ist es die preisbewussteste Alternative, einfach eine neue Anlage zu verbauen.

Das Haus verfügt bereits über einen Gas-Anschluss, das gesamte Versorgungsprinzip ist dafür ausgelegt. Also wäre es auch ein guter Gedanke, weiterhin auf diesen fossilen Energieträger zu setzen:Das Haus verfügt bereits über einen Gas-Anschluss, das gesamte Versorgungsprinzip ist dafür ausgelegt. Also wäre es auch ein guter Gedanke, weiterhin auf diesen fossilen Energieträger zu setzen:

  • Austausch gegen eine moderne Gas-Brennwert-Therme. Die alten Kessel ausbauen und eine neue Anlage installieren kostet zwar einige tausend Euro, ist aber aus gleich mehreren Gründen extrem vorteilhaft: Denn zunächst wird es bei Gasheizungen künftig keine rechtlichen Fallstricke wie bei Nachtspeicheröfen geben. Außerdem wird bei extrem gesenktem Gasverbrauch der Komfort erhöht, weil die Temperaturregelung nicht mehr an den Heizkörpern erfolgt, sondern zentral und sensorgesteuert. Es wird einfach eine Wunschtemperatur eingestellt und die Heizungsanlage hält diese.
  • Einbau eines Blockheizkraftwerks. Diese Variante schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, denn die Geräte erzeugen durch Verbrennung nicht nur Wärme für die Heizung und die Warmwasseraufbereitung, sondern auch Strom, der ins öffentliche Netz eingespeist werden kann. Die Anschaffung ist zwar recht teuer, wird aber vergütet und kann durch Einspeisung weiter amortisiert werden.
  • Einsatz einer Wärmepumpe. Das vielleicht Beste an einer bestehenden Heizungs-Verrohrung ist die Tatsache, dass es praktisch egal ist, womit das Wasser beheizt wird. Insofern kann sich eine Wärmepumpe allein schon wegen ihrer Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen lohnen. Es wird nur Erd- oder Luftwärme und Strom benötigt. Und Im Sommer können die Apparaturen sogar als Klimaanlage fungieren.

Diese Varianten sind die, die mit dem absoluten Minimum an Umbau-Aufwand auskommen. Geht es tatsächlich um maximale Kostenersparnis, ist jedoch der Einsatz einer Brennwert-Therme die beste Wahl, weil hier wirklich nur die eigentliche Heizung im Keller getauscht werden muss und sonst praktisch keine weiteren Umbauten erforderlich sind.

4. Öl-Zentralheizung

In waldreichen Regionen sind Hackschnitzel zwar günstiger als Pellets, allerdings schwankt der Heizwert auch je nach Holz sehr viel stärker als der der verpressten Pellets.

Die Ölheizung hat die gleichen Primär-Vorteile der Gasheizung, denn auch hier liegen bereits die Rohre in den Wänden. Allerdings sind die Optionen etwas anders gelagert: Grundsätzlich ist natürlich auch hier der Einsatz von Wärmepumpen und Blockheizkraftwerken denkbar und sinnvoll. Aber die Tatsache, dass eine alte Ölheizung immer auch einen dedizierten Tankraum im Keller bedeutet, macht andere Alternativen ebenfalls denkbar

Die Alternativen

  • Austauschstausch gegen eine moderne Öl-Brennwert-Therme. Analog zum Gas ist auch dies die günstigste Alternative, denn es können bestehende Tanks weiterverwendet werden. In Sachen Komfort sind die Vorteile ebenfalls gleich. Zudem: Zwar schwanken die Ölpreise regional und saisonal teilweise erheblich. Aber ein voller Tank ist ein voller Tank, weshalb auf diese Weise auch Heizsicherheit in Zeiten von politischen Wirren gegeben ist.
  • Der Einbau einer Pellet-Zentralheizung ist eine weitere Möglichkeit, die sich aus dem Vorhandensein des Tankraumes ergibt. Denn dieser kann nach Ausbau des alten Lagerbehälters vorzüglich dazu dienen, Pellets zu deponieren. Der Komfort ist dabei mit dem einer Ölheizung vergleichbar: Die Pellets werden aus einem Tanklaster per Rohrleitung in den Lagerraum geblasen und von dort über ein Fördersystem verbrauchsabhängig der Heizung zugeführt. Der Vorteil dieses Umbaus liegt vor allem in zwei Punkten: 1) Pellets sind ein nachwachsender Rohstoff und weisen somit eine erheblich bessere Umweltbilanz als Öl auf. 2) Der Preis dieses Brennmaterials liegt seit Jahren unter dem des Heizöls und schwankt zudem wesentlich weniger.
  • Ebenfalls den Tankraum zunutze machen sich Hackschnitzelkessel. Wie der Name schon sagt, werden hier statt der gepressten Pellets die gehäckselten Überreste der Holzindustrie verbrannt. Doch der Vorteil ist hier vor allem regional: Wo viel Holz verarbeitet wird, sind Hackschnitzel günstiger als Pellets, weshalb beide Heizungsformen genau verglichen werden sollten.

Fazit

Das Verlegen von Heizungsrohren bedeutet nur einmal den Biss in den sauren Apfel. Der Aufwand amortisiert sich allein schon durch die wesentlich umfangreicheren Heizmöglichkeiten.

Eine alte Heizung im Haus bedeutet immer die Wahl zwischen mehr langfristigen oder kurzfristigen Kosten. Vor allem, wenn noch keine Zentralheizung installiert wurde, sollten sich Hausbesitzer ernsthaft fragen, ob es wirklich sinnvoller ist, auf das Verlegen von Rohren zu verzichten und sich dafür selbst stark einschränken zu müssen. Denn: Auch die größten Verlegungsarbeiten dauern nur wenige Tage – können sich aber beim Einbau einer entsprechenden Zentralheizung für Jahrzehnte in Kosten und Komfort zurückzahlen.

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