Kampf für die Abschaltung des belgischen Pannenreaktors

Die Menschen in der Region sind stark beunruhigt, wenn Sie an die Auswirkungen eines Reaktorunfalls von Tihange 2 denken. Der belgische Reaktor liegt lediglich knapp 60 Kilometer von der Landesgrenze bei Aachen und Monschau entfernt. Deshalb verfolgt der Wochenspiegel die Diskussionen, Aktionen und die juristischen Schritte intensiv. An dieser Stelle finden Sie eine Dokumentation der Geschehnisse, Hintergrundinformationen und immer wieder aktuelle Entwicklungen.

Die Weiss-Gruppe, zu der der Wochenspiegel gehört, engagiert sich nicht nur publizistisch. Als erstes Unternehmen ist die Weiss-Druck GmbH & Co. KG der Klage der Städteregion Aachen gegen den Reaktor beigetreten. Und wer das Firmengebäude in Monschau-Imgenbroich betritt, sieht als erstes eine „Tihange-Aus“-Säule, mit der jeder das Atomkraftwerk symbolisch abschalten kann.

Dem Unternehmen geht es dabei nicht darum, Hysterie zu schüren oder pauschal gegen Atomkraft zu kämpfen. Der Sicherheitsstandards des belgischen Kraftwerks hingegen ist Anlass des Protestes.

Einnahme von Jod ist einzige Schutzmaßnahme

Monschau. Am vergangenen Wochenende kam es erneut zu einem Problem im Pannenreaktor »Tihange 2«, der daraufhin vom Netz genommen werden musste. Doch schon am Mittwoch soll das Atomkraftwerk wieder laufen. Die Sorge der Bürger in der Region bleibt daher groß - und somit auch die Anzahl der offenen Fragen, wie die nach der Verteilung von Jodtabletten. Region. »Mein Team und mich erreichen unzählige Fragen zur Einnahme von Jodtabletten«, so Dr. Asadollah Haghverdi, Inhaber der Victoria-Apotheke in Imgenbroich. Tritt bei einem schweren Unfall in einem Kernkraftwerk radioaktives Jod aus, dann kann dieses durch Einatmen vom Körper aufgenommen und in der Schilddrüse gespeichert werden. Damit steigt die Gefahr, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken. »Unser Körper nimmt jeden Tag über die Atemluft und die Nahrung Jod ein. Er kann aber kein schädliches von gesundem Jod unterscheiden«, erläutert der Apotheker und Chemiker. Durch die Einnahme der Kaliumiodid-Tabletten ist die Schilddrüse mit nicht-radioaktivem Jod gesättigt. Einnahme Von einer verfrühten Einnahme raten Dr. Haghverdi und der Katastrophenschutz-Experte der StädteRegion, Stefan Siehoff, aber dringendst ab. »Die Tabletten können der Schilddrüse mächtig Ärger bereiten, über 45-Jährige sollten sie gar nicht nehmen«, so Stefan Siehoff. Dann nämlich ist die Gefahr von Stoffwechselstörungen der Schilddrüse erhöht. Deshalb sei es wichtig, die Einnahme zu planen: »Eine Stunde vor der Inhalation der radioaktiven Stoffe oder maximal ein bis zwei Stunden danach«, weiß Haghverdi. Verteilung »Wir werden alle Medien nutzen, um die Bevölkerung im Ernstfall so schnell wie möglich zu warnen«, sagt Katastrophenschutz-Experte Siehoff. Eine Evakuierung ist in der StädteRegion Aachen nicht vorgesehen. Messfahrzeuge werden dann zügig durch die Region fahren, um die radioaktive Belastung festzustellen. Dann werden weitere Schritte wie die Ausgabe der Jodtabletten eingeleitet. Asadollah Haghverdi befürchtet allerdings, dass bis jeder Jodtabletten hat, die Einnahme »für die Katz‘« ist. Wenn es aber »hart auf hart« käme, habe er für mehrere tausend Menschen Kaliumiodid-Tabletten vorrätig. Beruhigend zu wissen: Es werden in Deutschland genügend Jodtabletten bereitgehalten, um die betroffene Bevölkerung - besonders Kinder und Jugendliche - gut zu versorgen. Die Tabletten werden kostenlos von den Behörden verteilt. @ Mehr dazu im Netz: www.jodblockade.deAm vergangenen Wochenende kam es erneut zu einem Problem im Pannenreaktor »Tihange 2«, der daraufhin vom Netz genommen werden musste. Doch schon am Mittwoch soll das Atomkraftwerk wieder laufen. Die Sorge der Bürger in der Region bleibt daher groß -…

weiterlesen

Landrat Streit ruft Politik zu Klage gegen Cattenom auf

Bitburg. Joachim Streit, Landrat des Kreises Bitburg-Prüm, hat sich in einem Brief an die Verhandlungspartner der Ampelkoalition in Mainz gewandt. Darin appelliert er an die Vertreter der Parteien, in ihrem Koalitionsvertrag klar Stellung zum Atomkraftwerk Cattenom zu beziehen. Er wirbt "gegen einen weiteren Betrieb des AKW Cattenom".  "Auch Sie sollten überlegen, ob Sie, wie das Land Nordrhein-Westfalen gegen Tihange klagt, in eine Klage gegen das Atomkraftwerk Cattenom als Bundesland eintreten", schreibt Streit. Des Weiteren bittet er mit der Bundesregierung zu prüfen, inwieweit Zahlungen, wie sie von luxemburgischer Seite dem französischen Staat angeboten wurden, auch eine Option für Deutschland seien. Der Eifelkreis Bitburg-Prüm unterstützt die Klage der Städteregion Aachen gegen das Atomkraftwerk Tihange in Belgien. Streit kündigt an, dass in der nächsten Kreistagssitzung auch eine Kostenbeteiligung beschlossen werde. Hintergrund sind Sicherheitsbedenken gegen den Betrieb der Druckwasserreaktoren und die Gefahr terroristischer Anschläge. Streit: "Durch die Terroranschläge in New York, Paris und Brüssel hat sich eine neue Dimension der Gefährdungslage für die Menschen in der Region Trier und der Eifel eröffnet." Das Atomkraftwerk Cattenom  liegt nur 80 Kilometer vom Eifelkreis entfernt. Die französische Regierung plant, die Laufzeit des Atomkraftwerks über 2025 hinaus zu verlängern. Foto: ArchivJoachim Streit, Landrat des Kreises Bitburg-Prüm, hat sich in einem Brief an die Verhandlungspartner der Ampelkoalition in Mainz gewandt. Darin appelliert er an die Vertreter der Parteien, in ihrem Koalitionsvertrag klar Stellung zum Atomkraftwerk…

weiterlesen