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Baubeginn von Porta Nigra und römischer Stadtmauer geklärt

Trier. Vier Wochen lang haben sich die Mitarbeiter des an der Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) beheimateten und in Kooperation mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) durchgeführten Forschungsprojektes „Schnittstelle römische Stadtmauer/Moselaltarm Trier“ sprichwörtlich durch die Trierer Stadtgeschichte gegraben. Ziel war es unter anderem, einen genauen und wissenschaftlich belastbaren Befund zum Entstehungszeitraum der römischen Stadtmauer und der darin eingegliederten Porta Nigra vorzulegen. Denn: Die Bauzeit der UNESCO-Welterbestätte konnte anhand von archäologischen und bauhistorischen Forschungen von Experten bisher nur geschätzt werden.

„Ein wissenschaftliches Rätsel kann heute gelöst werden. Die Porta Nigra und die römische Stadtmauer Triers wurden um 170 nach Christus erbaut. Darauf deuten die Grabungen und die dendrochronologischen Untersuchungen gefundener Hölzer hin. Damit konnte die Theorie von Dr. Heinz Cüppers, dem ehemaligen Leiter des Rheinischen Landesmuseums in Trier, bestätigt werden. Diese frühe Datierung ist eine wissenschaftlich höchst bedeutende Erkenntnis und freut uns sehr“, erklärt der rheinland-pfälzische Kulturminister Prof. Dr. Konrad Wolf anlässlich eines Pressegespräches im Landesmuseum Trier. Seinen besonderen Dank richtete Wolf dabei an alle Kooperationspartner, insbesondere an die Gerda-Henkel-Stiftung, die die Grabung mit rund 15.000 Euro maßgeblich finanziert hat.

Grabungen an der Stadtmauer

Im Spätsommer 2017 erschloss das Team rund um Grabungsleiter Christoph Lindner (LMU) nach vorangegangener Sondierung durch Geologen der Universität Köln zwischen Franz-Ludwig-Straße und Nordallee unweit des Brüderkrankenhauses ein circa 16 Quadratmeter großes Grabungsfeld. Die Probebohrungen hatten gezeigt, dass hier in der trockensten Periode des Jahres in knapp dreieinhalb Metern Tiefe Grundwasser vorhanden ist. „Die Wahrscheinlichkeit war daher hoch, in den darunterliegenden Schichten Holzreste aus der Römerzeit zu finden, die unter Abschluss von Sauerstoff konserviert wurden“, erklärt Lindner. Und tatsächlich: Die Archäologen fanden in knapp sieben Metern Tiefe nicht nur wie erwartet das römische Stadtmauerfundament inklusive antiker hölzerner Spundwände, sondern auch Reste eines römischen Turms. Lindner: „Die Bauten wurden den Funden zufolge zeitgleich auf einem sumpfigen Altarm der Mosel errichtet. Die römischen Bautrupps hatten große Schwierigkeiten beim Errichten dieser Anlage und mussten die Baugrube mithilfe von Hölzern trocken legen.“

Bisherige Datierung widerlegt

Das Tannen- und Eichengebälk wurde geboren und anschließend im Dendrochronologischen Forschungslabor des Rheinischen Landesmuseums (RLM) datiert. Demnach sind die Baumstämme im Winter 169/170 nach Christus gefällt worden. Die Forscher leiten daran ab, dass der Bau der Stadtmauer ebenfalls zu dieser Zeit oder kurz danach stattfand. Diese genaue zeitliche Bestimmung ist nur deshalb möglich gewesen, weil bei einer der geborgenen Spundwandbohlen aus Eichenholz Teile der Baumrinde erhalten geblieben sind. „Dieser Umstand lässt eine Datenerhebung mit höchster Gütestufe zu“, erklärt Mechthild Neyses-Eiden, Leiterin des Forschungslabors am RLM.

Mit diesem Datum könne auch die Entstehungszeit der nahe gelegenen Porta Nigra eingegrenzt werden, erklärt Dr. Marcus Reuter, Direktor des RLM. Neuere Forschungsmeinungen von Experten, die das Bauwerk in das späte 3. oder frühe 4. Jahrhundert nach Christus datierten, seien damit widerlegt.

Fotos: Kreller

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