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Der Zwangsarbeiter und das "Barbelser Bäbschie"

Trier. Die Triererin Rosalia Jacquin (alias Rozalia Wnuk) hat mit ihrem Roman "Piotr, der Zwangsarbeiter" ein Zeitzeugnis Trierer Geschichte geschaffen. Dem WochenSpiegel erzählt sie, warum man den Roman lesen sollte und welche Werte sie darin vermitteln will.

Worum geht es in Ihrem Roman?

Rosalia Jacquin: "Der dokumentarische Roman beginnt mit der Geschichte der Hauptfigur 'Piotr' und dessen intakten Familienleben in einem polnischen Dorf. Die polnische Bauernfamilie erleidet durch die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges schmerzliche Verluste. Auch Piotrs Hoffnung auf ein erfülltes Leben wird vom Krieg und seinen Folgen zerstört, denn im Alter von 18 Jahren wird er als Zwangsarbeiter in die Pfalz verschleppt. Die Geschichte endet mit dem kurzen Glück Piotrs auf tragische Weise in seiner neuen Wahlheimat Trier, die er aus Gründen der Liebe zu einem echten Trierer Mädchen, einem Barbelser Bäbschie, wählte."

An wen richtet sich der Roman?
"Die Widmung geht an alle Leute, die durch Kriegseinwirkung Kinder verlieren oder betrauern mussten. Den Roman sollten aber eigentlich alle Leute lesen – deshalb habe ich auch keine Altersbegrenzung gemacht."

Warum sollte man den Roman lesen?
"Um vorzubeugen. Ich arbeite gegen das Vergessen. Wir haben nun mal mit unserer Vergangenheit ein schweres Los in unserer Geschichte zu tragen, denn ein Teil unserer Vergangenheit ist wirklich nicht ruhmvoll, aber das Vergessen darf nicht sein. Ich finde, dass man das Geschehene aufarbeiten muss und auch der nachfolgenden Generation darüber Bescheid sagen muss."

Wie haben Sie die Informationen recherchiert?
"Ich habe seit 2007 recherchiert. 2009 wurde dann der Film 'Mein Vater, der Zwangsarbeiter' mit dem SWR gedreht, der generell über die Zwangsarbeit in Deutschland berichtet. Dafür bin ich nach Polen gereist und habe die Bewohner des polnischen Dorfes befragt. Eine Dolmetscherin hat mir nachmittags gedolmetscht. Die Bewohner in dem Ort waren herzlich und haben mich aufgenommen. Um Recherchen zu diesem Buch zu machen, bin ich dann mehrmals auch privat nach Polen gereist. Dadurch habe ich einiges über die Familie Wnuk herausgefunden. Über die jüdische Geschichte, die es in Ostpolen sehr massiv gab, schweigen aber leider alle. Das musste ich selbst recherchieren."

Was bedeutet der Roman für Sie persönlich?
"Verstehen. Ich habe mehr verstehen gelernt. Ich habe meine Wurzeln gesucht, was auch für mich persönlich sehr wichtig war. Ich denke, es ist jedem Menschen wichtig, Wurzeln zu haben und diese zu kennen. In meinem Roman bitte ich auch andere Menschen, zu verstehen und versuche, sie zum Nachdenken anzuregen."

Welche drei Dinge liegen Ihnen persönlich besonders am Herzen?

"Mir ist besonders wichtig, zu bewahren, aufzuklären und zu helfen, dass es Kindern besser geht. Nach Möglichkeit engagiere ich mich für die Don-Bosco-Kinder in Trier und unterstütze dort den Kunstunterricht der Mädchengruppe. Ich denke, die Kinder sind das A und O in unserer Gesellschaft. Wenn man den Kindern den richtigen Grundstock legt, gehen sie wacher und aufmerksamer durch die Welt. Das hoffe ich zumindest."

Was sind Ihre Ziele?
"Ich will den Roman verlegen lassen, jedoch fehlt mir das nötige Handwerk dazu. Es ist schwer, einen Verleger für ein Buch mit diesen speziellen, aber dennoch wichtigen Themen zu finden und ich bin immer noch auf der Suche. Die Leute sollen einfach über unsere Vergangenheit bescheid wissen."

Wo ist der Roman erhältlich?
"Die Printausgabe ist bei der Arbeitsgemeinschaft Frieden (AGF), Friedens- und Umweltzentrum, erhältlich. Der Verkaufserlös von 20 gespendeten Exemplaren an die AGF kommt der Friedensarbeit zugute – das ist mir besonders wichtig. Erhältlich ist der Roman auch in der Buchhandlung Stephanus und im "De‘ Bücherladen" (Simeonstraße 22)."

Gewinnspiel

Wir verlosen Exemplare des Buches. Zum Gewinnspiel geht es hier.

HS

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