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Ein lebenslanges Duell mit dem Licht und der Kunst

Trier. Bernhard Ruff entstammt einer alten Künstlerfamilie. Er wurde 1949 in der Nähe von Koblenz geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er an der Mosel. Heute lebt und arbeitet er in dem kleinen Örtchen Pölert im Hochwald. Seit 1985 stellt er seine Werke im gesamten Bundesgebiet sowie in Slowenien und Kroatien aus.

 „Sie müssen ein Mensch der Atmosphären sein“, sagt der Künstler, dessen offene Ausstrahlung sein Gegenüber gleich in den Bann zieht.   Das sei auch gegenüber Menschen so. Und auch die Natur scheint diese Ausstrahlung zu spüren.  „Wenn die Stimmung der Natur vorhanden ist, dann ist das intuitiv“, so Bernhard Ruff. Der Landschaftsfotograf spielt bevorzugt mit Licht und Perspektive. Dadurch erzeugt er die besondere Stimmung, die seine Werke ausmacht. Mit dem Gespür für den richtigen Moment setzt er Lichtspiele, Spiegeleffekte und die ungeahnte Schönheit der Natur gekonnt in Szene. "Den richtigen Augenblick für das perfekte Foto zu erwischen, ist oft sehr schwer.

Der perfekte Augenblick: Sekunden entscheiden über Kunst oder nur ein Foto...

Oftmals entscheiden nur  wenige Sekunden darüber, ob es ein Kunstwerk oder einfach nur ein Foto wird.“ So treibt es Ruff manchmal tagelang durch die heimischen Wälder, bis er plötzlich, einer Eingebung folgend, an einen ganz bestimmten Ort, zu einem ganz bestimmten Baum gezogen wird. „Rationell lässt es sich nicht erklären, warum ich gerade dorthin gegangen bin“, sagt der 69-Jährige. Es sei eine rein metaphysische Frage.

Unsichtbares sichbar machen, dafür lebt der große Künstler aus dem Hochwald

Die Fotografie sei die Emanation des Referenten zum Objekt. Ruff ist überzeugt, dass ein Mensch, der rein gar nichts mit der Natur zu tun hat, auch keine Chance habe, an diese heranzukommen. Der Künstler arbeitet mit einer 70 Jahre alten Kamera und Kleinbildnegativen, die dann auf bis zu zwei Meter vergrößert werden, „denn Wasser, Wolken und Bäume könne man gar nicht anders fotografieren.“ Unsichtbares Sichtbar zu machen, darin sieht er seine Aufgabe. „Mein ganzes Leben steckt in diesen Bildern.“  Ruff besitzt rund 200 000 Negative. Wichtig sei, dass man da hin kommt, wo das Licht ist.

Natur als Oase der Stille und Sehnsucht nach einer unberührten Welt

In seinen Bildern fängt er den Morgentau ein oder die Blätter im Wind, die anfangen zu sprießen, ebenso wie den Herbst, in dem sich die Blätter verfärben, das Laub auf den Waldboden fällt oder im See versinkt. Er macht die Natur für den Betrachter fühlbar und unmittelbar. „Ein See ist der schönste und ausdrucksvollste Zug der Natur einer Landschaft. Er ist das Auge der Erde. Wer hineinblickt, ermisst an ihm die Tiefe seiner eigenen Natur“, so Ruff.  Deshalb zeigen seine Aufnahmen nicht nur, wie sich Bäume im Wasser widerspiegeln, sondern auch die unterschiedlichen Farben und das unterschiedliche Licht des fließenden Wassers selbst. Er sieht die Natur in der farbigen Auflösung, die Sonne, Licht und Luft hervorrufen. Dadurch erinnern seine Fotografien unweigerlich an den Impressionismus. Bei ihm erscheint die Natur als Oase der Stille und der Sehnsucht nach einer unberührten Welt.  

Die Existenz einer großen Kraft gebannt auf Fotopapier

„Die Natur zu fotografieren, in der man die Existenz einer großen Kraft erkennt, ist meine Absicht“, sagt Ruff. Die Natur sei die Offenbarung, sie entlarve den Menschen. Somit sei seine Kunst auch eine philosophische Angelegenheit. Es sei ein Duell mit dem Licht, ein Duell mit der Kunst, dem er sich seit über 40 Jahren täglich stellt. „Es kommt ganz auf den Anspruch an.“ Und aufrichtig bescheiden ergänzt er: „ Und ich stehe erst ganz am Anfang…“

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