A. Fischer

Legal Highs: Der Drogenkick per Mausklick

Landesweit einzigartiges Projekt in Sachen Jugendschutz

Trier. In der Region Trier gab es bereits mehrere Todesfälle nach dem Konsum von »Legal Highs«. Die Risiken werden oftmals unterschätzt. Die Arbeitsgemeinschaft »Jugendschutz in der Region Trier« hat deshalb in Kooperation mit Studierenden der Hochschule Trier und Dietmar Wagner, Chef der DAK-Gesundheit in Trier, Info-Materialien entwickelt, die junge Menschen in der Region über die Gefahren des Konsums von »Legal Highs« aufklären sollen.

»Legal Highs« werden als »Räuchermischungen«, »Badesalze« oder »Reiniger« verkauft, um den eigentlichen Zweck der Produkte – den Drogenkonsum – zu verschleiern und rechtliche Bestimmungen zu umgehen. Die Anbieter dieser Drogen versprechen einen legalen und sorgenfreien Kick und täuschen somit besonders junge Menschen, so die Arbeitsgruppe. In ihrer Wirkung sind sie ähnlich wie die bereits bekannten Substanzen Cannabis, Ecstasy oder Amphetamin. »Eine genaue Beschreibung der Wirkung von ‚Legal Highs‘ ist aufgrund der Vielzahl an unterschiedlichen Substanzen allerdings nicht möglich. Die Gefahr von Überdosierungen oder unvermuteten Nebenwirkungen ist riesig und sie kommen leider viel zu häufig vor«, sagt Dietmar Wagner, Chef der DAK-Gesundheit in Trier. Deshalb sei die Aufklärung über diese neuen Drogen besonders wichtig. So hat der aktuelle Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung die »Legal Highs« in den Fokus gerückt und warnt vor dem hohen Gefahrenpotenzial dieser Stoffe.

Folgen werden unterschätzt

Dem Trierer Klinikum Mutterhaus sind Fälle aus der gesamten Großregion bekannt, in denen Konsumenten von »Legal Highs« mit Kreislaufversagen, Ohnmacht, Psychosen, Wahnvorstellungen, Muskelzerfall bis hin zu drohendem Nierenversagen eingeliefert wurden und notfallmedizinisch behandelt werden mussten.

Priv.-Doz. Dr. med. Wolfgang Thomas leitet die Kinder- und Jugendmedizin im Mutterhaus und arbeitet bei der Bekämpfung synthetischer Drogen eng mit dem Jugendamt der Stadt Trier zusammen. Er erklärt: »Die Wirkungen und Nebenwirkungen der sogenannten »Legal Highs« können von den Konsumenten aufgrund der fehlenden Deklarierung überhaupt nicht eingeschätzt werden.« Die Problematik kennt Mark Powierski nur zu gut: »Die Zusammensetzungen werden laufend geändert, sodass man nie wissen kann, welchen Wirkstoff man sich gerade in welcher Dosierung zuführt.«

Gefährliche Stoffe

Eine weitere Gefahr sei außerdem die Verharmlosung der bunt verpackten Drogen. Auf den Webseiten würden die »Legal Highs« als legale und professionell hergestellte Produkte dargestellt, die keine gesundheitsgefährdenden Inhaltsstoffe enthalten. Das wirke besonders auf Jugendliche anziehend, so der Experte von der Trierer Polizei.

Das Trierer Präventionsprojekt ist landesweit einzigartig

Die Stadt Trier ist landesweit bisher die einzige Kommune, die im Rahmen des sogenannten »HaLT«-Präventionsmodells in Kooperation mit dem Mutterhaus für Kinder, Jugendliche und Eltern ein Beratungsangebot im Krankenhaus nach einer Vergiftung und Einlieferung bei Konsum von »Legal Highs« anbietet. Die Suchtberatungsstelle »Die Tür«, hier als Kooperationspartner für die Stadt, leistet diesen Dienst auch am Wochenende. »Unserer Erfahrung nach wird der Konsum und die damit verbundenen Risiken völlig unterschätzt«, so die Trierer Jugendschutzbeauftragte Christine Schmitz.

Die Arbeitsgruppe Jugendschutz in der Region Trier besteht aus Hubert Lenz von der Polizeidirektion Wittlich, Robert Müller von der Kreisverwaltung des Eifelkreises Bitburg-Prüm, Marc Powierski und Christoph Schuh von der Polizeidirektion Trier, Stephan Rother von der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich und Christine Schmitz, Geschäftsführerin des Kriminalpräventiven Rats der Stadt Trier.

FIS

EXTRA

Neue psychoaktive Stoffe Gesetz (NpSG)

Mit der Verkündigung im Bundesgesetzblatt ist in Deutschland ab dem 26. November 2016 das „Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz“ (NpSG) offiziell in Kraft getreten. Das Gesetz ermöglicht das Verbot kompletter Stoffgruppen, wodurch hunderte Legal High-Wirkstoffe auf einmal untersagt werden.  Das betrifft vor allem synthetische Cannabinoide, Phenethylamine und Cathinone. Seit dem Jahr 2005 lassen sich zwei Drittel aller bekannten neuen Substanzen diesen Stoffgruppen zuordnen. Künftig können auch weitere Stoffgruppen bei Bedarf aufgenommen werden. Demnach soll zukünftig der Handel, das Inverkehrbringen, die Herstellung, die Einfuhr, der Erwerb und Besitz sowie das Verabreichen von Neuen psychoaktiven Substanzen verboten werden. Doch sobald die chemisch Struktur minimal verändert wird, fällt sie nicht mehr unter das gesetzliche Verbot.

 

 

 

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