Andrea Fischer

Hermeskeiler Krankenhaus schließt Geburtshilfe

Hermeskeil. Bis spätestens Mitte des Jahres wird das St. Josef-Krankenhaus seine Geburtshilfe schließen. Darüber informierten Geschäftsführer Dr. Günter Merschbächer und Dr. Tiberius Dersidan, einer der drei Belegärzte der Gynäkologie und Geburtshilfe, gestern Verbandsgemeindebürgermeister Michael Hülpes und Stadtbürgermeister Udo Moser.

Grund für diese Entscheidung sind die stark rückläufigen Geburtenzahlen. Waren es im Jahre 2007 noch 190 Geburten, so kamen 2012 nur noch 115 Kinder in Hermeskeil zur Welt. Und dass sich der Trend in absehbarer Zeit umkehrt, das ist nicht zu erwarten. Parallel dazu sind die qualitativen Anforderungen, die an eine Geburtshilfliche Abteilung gestellt werden, stetig gewachsen. Und je geringer die Geburtenzahlen sind, um so schwieriger wird es, diese Standards auch rund um die Uhr zu gewährleisten. "Schweren Herzens", so Merschbächer, hätten sich Haus und Träger zu diesem Schritt, der mit dem Gesundheitsministerium in Mainz mehrfach besprochen wurde, entschlossen. Er ist überzeugt, dass dies für das St. Josef-Krankenhaus "die beste Vorgehensweise" ist und ein notwendiger Schritt zur Konsolidierung des Hauses. Nicht betroffen von der Schließung der Geburtshilfe ist die Gynäkologie. Sie bleibt erhalten. Die drei Belegärzte Dr. Tiberius Dersidan, Jürgen Philippi und Ludwig Jahn werden sämtliche Untersuchungen und operative Eingriffe wie bisher vornehmen. Zur geplanten Schließung der Geburtshilfe im St. Josef Krankenhaus in Hermeskeil haben sich Landrat Günther Schartz und Gesundheitsminister Alexander Schweitzer in einer gemeinsamen Stellungnahme verständigt. Landrat Schartz erklärte: "Die beabsichtigte Schließung der Geburtshilfe in Hermeskeil ist sehr bedauerlich, aber angesichts der niedrigen und sehr rückläufigen Geburtenzahlen nachvollziehbar". Beide Politiker betonten, wie wichtig ihnen die Sicherstellung der medizinischen Versorgung im Hochwald sei und wollen gemeinsam mögliche Alternativen prüfen. "Als Landrat unterstütze ich es sehr, wenn alle Beteiligten vor Ort gemeinsam an einer Lösung dafür arbeiten", sagte Schartz. Minister Schweitzer erklärte, dass sich das Ministerium in einem intensiven Dialog mit dem Träger des St. Josef Krankenhauses in Hermeskeil, der Marienhaus Holding GmbH befände: "Wir wollen weiterhin mit unseren Partnern eine gute und bedarfsgerechte medizinische Versorgung in Rheinland-Pfalz gewährleisten. Als Flächenland werden wir uns dabei intensiv um die ländlichen Regionen kümmern." Das St. Josef-Krankenhaus in Hermeskeil und die künftige Entwicklung des Standorts werden daher ein wichtiger Teil des Projektes "Gesundheit und Pflege 2020" sein, führte der Minister weiter aus. Dabei werde es beispielsweise um eine sehr enge Verzahnung von Krankenhaus und ambulanten Bereich gehen. Das Projekt werde noch im 1. Halbjahr der Öffentlichkeit vorgestellt. Schartz betont in diesem Zusammenhang, dass man aktuell durch eine Umfrage im Rahmen des MORO-Projektes - Regionale Daseinsvorsorge - wichtige und umfangreiche Erkenntnisse über die Bedürfnisse und Wünsche der Bevölkerung auch hinsichtlich der ärztlichen Vorsorgung auf dem Land gewonnen habe. "Diese Daten werden wir dem Krankenhausbetreiber zur Verfügung stellen, um damit mitzuhelfen, eine dauerhafte ärztliche Versorgung in Hermeskeil zu erhalten", so Schartz.Christian Kruchen, Vorsitzender der Bürgerinitiative "Pro Krankenhaus" ist zuversichtlich beim Fortbestand der Klinik: "Das ist nicht der Anfang vom Ende". Er setzt große Hoffung in das anvisierte Modellprojekt von Träger und Gesundheitsministerium. Zu den immer mal wieder laut werdenden Gerüchten zur möglichen Schließung des Krankenhauses sagte Marienhaus-Sprecher Heribert Frieling: "Glauben Sie nicht jedes Gerücht." Das Hermeskeiler Krankenhaus stehe in diesem Zusammenhang überhaupt nicht zur Debatte. Allerdings müsse dem demografischen Wandel in der medizinischen Versorgung Rechnung getragen werden.

Foto: Archiv Fischer

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