Andrea Fischer

Im Herzen der Wildnis übernachen

Neuhütten. Eine Kirche in einem ausgewiesenen Nationalpark ist eine Besonderheit. Auf dieses Alleinstellungsmerkmal will die Ortsgemeinde Neuhütten in ihrem Ortsteil Muhl setzen und hinter der St. Josef-Kapelle und dem Bürgerhaus ein Nationalpark-Camp einrichten. Dem Zeitgeist entsprechend sollen hier authentische Übernachtungsmöglichkeiten für Naturbegeisterte entstehen. Die Kirche soll ebenfalls im Projekt mit aufgenommen werden.

Ein offizielles Eingangstor zum Nationalpark Hunsrück-Hochwald wird es in Neuhütten nicht geben. Dieses wird sich auf saarländischen Boden im Nachbarort Otzenhausen mit dem Keltenpark befinden. Die beiden anderen Tore werden das Hunsrückhaus am Erbeskopf und die Wildenburg bei Kempfeld sein.

Die einzige Kirche im Nationalpark Hunsrück-Hochwald

Aber dennoch hat die kleine Gemeinde, die wie eine kleine Insel mitten im Nationalpark liegt und deren Ortsschild zukünftig mit dem Zusatz "Nationalparkgemeinde" geschmückt sein wird, etwas ganz besonderes, das sie von allen anderen Gemeinden des neuen Nationalparks unterscheidet: Die Rede ist von der St. Josef-Kapelle, der einzigen Kirche im Nationalpark Hunsrück-Hochwald. Auf dieses Alleinstellungsmerkmal will die Gemeinde setzen und gab eine Machbarkeitsstudie mit Kostenschätzung - zum Projekt Köhlerhüttendorf beziehungsweise jetzt Nationalpark-Camp in Auftrag.

Zuschüsse aus dem Leader-Programm möglich

Bei einem positiven Ergebnis könnte das Vorhaben mit Zuschüssen aus dem Leader-Programm der Europäischen Union mitfinanziert werden. Eine wichtige Rolle dabei spielt auch das kleine Gotteshaus und die Gemeinde hofft auf eine Wiederbelebung der Kirche, denn Messen finden dort nur noch selten statt. Neuhüttens Ortsbürgermeister Peter Kretz steht bereits im Gespräch mit dem Bistum Trier, um in Kooperation mit anderen Beteiligten einen Trägerverein zu gründen.

Übernachtungsmöglichkeit für Naturfans, Aussteiger und Selbstfinder

In seiner jüngsten Sitzung beschäftigte sich der Gemeinderat nun mit der ersten Konzeptstudie zum Projekt "Nationalpark-Camp", das dem Gelände hinter der St. Josefs-Kapelle und dem Bürgerhaus Muhl entstehen soll. Dort sollen authentische Übernachtungsmöglichkeiten für Naturbegeisterte, Gestresste, Aussteiger und Selbstfinder geschaffen werden. Gleich hinter dem Bürgerhaus beginnt die "Waldtour" durch den Nationalpark. So könnten Besucher beispielsweise gleich nach dem Sonnenaufgang geführte Wanderungen mit Rangern erleben.

Keine 0-8-15-Hütten, sondern hochwertig mit Komfort

Übernachtungsmöglichkeiten sind in der Gegend ohnehin Mangelware. So kämen die vom Illinger Planungsbüro "Kernplan" angedachten komfortabel eingerichteten Holzhäuser gerade recht. Auf der Großleinwand im Bürgerhaus zeigte Planer Hugo Kern präsentierte dem Rat verschiedene individuelle Hauskonstruktionen von vergleichbaren Projekten in anderen Naturschutzgebieten. Laut Planungsbüro sollen die Hütten "klein, kompakt, hochwertig und mit Komfort" ausgestattet sein. "Das sollen keine 0-8-15-Hütten sein", erklärte er anhand von Beispielen anderer Nationalparks mit "Hütten" in Form von Bienenwaben, Blüten oder in Sternenform mit Himmelblick.

Bürgerhaus soll im Nationalpark-Camp integriert werden

Abstand genommen hat die Gemeinde vom ursprünglich angedachten Köhlerhüttendorf. Besucher sollten keinesfalls mit falschen Erwartungen gelockt werden, sondern authentisch übernachten können. Ebenfalls mit einbezogen in das Konzept des Nationalpark-Camps ist das in die Jahre gekommene Bürgerhaus, hinter dem das Camp geplant ist. Dieses könnte um Duschmöglihkeiten, eine Küche und einen Informationsbereich erweitert werden. Die optische Verbindung zwischen Camp und Bürgerhaus könnte eine rückwärtige Glasfassade sein, die ganz zu öffnen ist.

Ohne Kooperationspartner ist das Projekt nicht zu stemmen

Zunächst sollen auf der Wiese hinter dem Bürgerhaus drei oder vier Hütten für bis zu 16 Personen entstehen. Diese könnten laut Projektbüro Kernplan bereits bei zwanzig-prozentiger Auslastung kostendeckend betrieben werden. Die Kosten für das Nationalparkcamp schätzt Hugo Kern auf 500.000 bis 700.000 Euro. Allein mit der aus dem europäischen Leader-Programm möglichen Förderung von 70 bis 75 Prozent könnte Neuhütten das Projekt nicht finanzieren. Nun liegt es an der finanziellen Beteiligung des Landes. Ortsbürgermeister Peter Kretz sieht hier das Land in der Pflicht, "hier unter die Arme zu greifen". Schließlich käme dieses Projekt ja dem gesamten Nationalpark zugute und die Betriebs- und Folgekosten für das Projekt seien ja auch zu tragen.

Als Träger für das Projekt kommen sowohl kommunale oder private Partner oder die Einbindung eines Vereins in Frage.

Extra

Die Europäische Union (EU) eröffnet mit ihren Eler/Leader-Programmen Chancen für die Entwicklung ländlicher Räume (Eler). Für die Region Hunsrück-Hochwald ist die LAG Erbeskopf (LAG) zuständig. Diese ist eine von landesweit insgesamt 20 Lokalen Aktionsgruppen, über sowohl Kommunen als auch private Investoren bei der EU Zuschüsse beantragen können. Für die Förderperiode bis 2020 liegen bereits fünf Millionen Euro für die LAG Erbeskopf bereit. Förderschwerpunkte sind: Dorf- und Stadtentwicklung, regionale Wirtschaft und Energie, Tourismus, Natur-, Land- und Forstwirtschaft sowie Soziales Miteinander. 

FIS/Fotos: FISCHER

 

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