FIS

Hermeskeiler Oberarzt ruft Tansania-Hilfe ins Leben

Gebraucht werden Geräte und Material für Operationen

VG Hermeskeil. Großes Wissen – aber sehr bescheidene Möglichkeiten – da ist das Bild, das Varto Seeid seit seiner Rückkehr aus Tansania stets vor Augen hat. Der Oberarzt der Allgemein- und Unfallchirurgie des St. Josef-Krankenhauses Hermeskeil, hospitierte im Januar als Gast-Mediziner im Songea Regional Hospital.

Die Menschen, die er dort kennen lernte, beeindruckten ihn sehr. Die Patienten, weil sie tapfer mit Provisorien oder auch mit Schmerzen lebten - die Mediziner, weil sie mit einfachsten Mitteln gute Arbeit leisteten. Als Beispiele nennt ihre "tolle klassische Medizin" und gut überlegt verordnete Medikamente: "Dort lernt man wieder, wie man seine Hände benutzt." Inmitten von 50 Ärzten habe er sich täglich wie bei einem Kongress gefühlt in der 490-Betten-Klinik, die 300 000 Menschen betreut. Und das mit nur wenig apparativer Medizin wie je einem Röntgen- und Ultraschall-Gerät. Schon für Magenspiegelungen müssten Patienten nach Daressalam, dem gut zwei Flugstunden entfernten Regierungssitz. Es gebe oft Magendurchbrüche und auch Komplikationen, weil Material für Operationen fehle.

"Blinde" Operationen

"Mitten in der OP hatten wir keinen Faden mehr", berichtet er von eigenen Erfahrungen. Dabei werde oft "blind" operiert, also ohne vorherige Röntgenaufnahmen. Wegen des Materialmangels werden Einmaltücher mehrmals verwendet und bei Knochenbrüchen muss schon mal improvisiert werden, wie Seeid sehen und hören konnte. Ein Patient humpelte wie auf einer Stelze, weil auf Höhe seines Knöchels ein daumendicker Metallstab hervorragte. Patienten müssen sich eine OP aber auch erst einmal leisten können. Verglichen mit europäischen Verhältnissen scheinen die Kosten zwar bezahlbar. Eine OP im weit und breit einzigen Krankenhaus auch für Menschen ohne Geld kostet umgerechnet 16 Euro - einschließlich Material, wobei schon mal statt Gips günstigere Pappe verwendet wird. Dennoch sind Patienten oft auf Unterstützung angewiesen, erklärt Seeid. Wer weder Kuh noch Ziege verkaufen könne, bitte um Geld bei Angehörigen, die darüber hinaus Blut spenden müssten, weil es keine Blutkonserven gebe. Gehaushaltet wird auch mit dem Material: bleibt trotz exakter Kalkulationen etwas übrig, geht es in einen Spendentopf. Mit seinem Spendenaufruf hofft Seeid, Patienten und Kollegen in Tansania helfen zu können.

Gebraucht werde im Grunde alles: medizinische Instrumente und Geräte wie etwa für Darm- oder Gelenkspiegelungen ebenso wie Fäden, Nägel, Schrauben, Kameras oder Prothesen. "Wir nehmen alles an", freut sich Seeid, dass inzwischen schon einiges zusammen gekommen ist. Darunter Geräte aus Kliniken und Praxen oder auch Sauerstoffgeräte eines Rettungsdienstes. Sobald es reicht, um einen Container zu füllen, soll alles nach Songea verschickt werden. Unabhängig davon hat sich für den Sommer Besuch angesagt: Dr. Arnold Wella, dessen Name an die deutsche Kolonialzeit in Ostafrika (1885 bis 1918) erinnert, kommt für zwei Wochen nach Deutschland.

Eine Reise zum 50. Geburtstag

Die Kollegen in Songea seien ihm gegenüber anfangs skeptisch gewesen, erzählt Seeid. Es komme wohl oft vor, dass ausländische Ärzte an Patienten "üben" wollten. Daher freuten sie sich, als sie sahen, dass ein erfahrener Chirurg bei ihnen hospitierte. Mit der von ihm privat finanzierten Reise beschenkte sich Seeid selbst zu seinem 50. Geburtstag. Ihm stand so ganz und gar nicht der Sinn nach Party. Stattdessen wollte er etwas "Unvergessliches" und innerlich bereicherndes machen. Den Weg nach Tansania zeigte ihm ein Kollege auf, der das Land kennt. Der Hospitation vom 14. bis 24. Januar sollen jährliche Besuche folgen, verrät der aus dem irakischen Norden stammende kurdische Arzt, der seit 1995 in Deutschland und seit acht Jahren in Hermeskeil lebt.

Spenden:

Kontakt für Sachspenden: Telefon 06503/81-5543. Für Kosten wie den Containertransport sind auch Geldspenden willkommen: mit Angabe "Tansania" auf das Konto des Fördervereins "St. Josef-Krankenhaus und Hochwald-Altenzentrum St. Klara", IBAN DE68585501300004413332 bei Sparkasse Trier. Erste 400 Euro sind bereits eingegangen.

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.

Am Konzener Feuerbach wird Zukunft gebaut

Konzen. »Hier wird Zukunft gebaut!« Margareta Ritter strahlte mit der Herbstsonne um die Wette - dabei war es doch recht kühl am Konzener Feuerbach, als der Grundstein für die neue Kindertagesstätte gelegt wurde.Konzen (Fö). »Oft höre ich, dass die Städteregion viel Geld kostet. Aber wenn es um den Bau einer Kindertagesstätte geht, sind sich glücklicherweise alle einig.« Helmut Etschenberg lobte die schnellen Entscheidungen in den politischen Gremien von Stadt Monschau und im Haus der Städteregion, sodass schon im kommenden Sommer den Kleinsten aus Konzen und Umgebung eine neue Bildungseinrichtung zur Verfügung steht. »Eine Erweiterung hätte keinen Sinn gemacht - der Neubau ist richtig«, stellte der Städteregionsrat fest. Auch wenn es rund 3,5 Millionen Euro kosten wird.»Dörfer wie Konzen und Imgenbroich wachsen, da haben wir einen wichtigen Bildungsauftrag«, so Etschenberg weiter.»Eltern und Kinder - alle Konzener Familien sind sehr dankbar«, unterstrich Ortsvorsteher Matthias Steffens. »Wir bauen ein modernes Haus, in dem zeitgemäße Bildungsarbeit möglich ist«, versichert Bauamtsleiter Sander Lutterbach. So werde jede Gruppe mit eigener Be- und Entlüftung ausgestattet. Das Heizen mittels Blockheizkraftwerk und der Einsatz von LED-Beleuchtung seien selbstverständlich. »Ambitioniert« nennt Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter die Bauzeit bis zum kommenden Sommer - sieht die Arbeiten aber bei ortsansässigen Firmen in besten Händen.BetreuungszeitErzieherinnen, Pflegerinnen, therapeutisches Fachpersonal: »Das Team um Silke Bongard wird allen modernen Anforderungen gerecht«, stellt der neue Leiter des »Jugendamtes«, Sebastian Heinen fest. Die künftigen Betreuungszeiten von 7 bis 16.30 Uhr sollen einen Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf leisten. »Das Familienzentrum ist Anlaufstelle für alle Monschauer Eltern«, so Heinen.Die StädteRegion Aachen ist Träger der Kindertageseinrichtung Konzen. Darin werden 100 Kinder im Alter von vier Monaten bis zum Schuleintritt betreut. Als zertifiziertes Familienzentrum NRW soll die Einrichtung zu einer Qualitätssteigerung in der frühkindlichen Bildung und Förderung beitragen, Eltern bei der Wahrnehmung ihrer Bildungs- und Erziehungsaufgabe stärken sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sichern. Das Raumprogramm wird den neuesten Empfehlungen des Landschaftsverbands Rheinland entsprechen und damit neben den Gruppen- Neben- und Abstellräumen unter anderem auch für die inklusive Betreuung einen Raum zur Differenzierung und therapeutischen Betreuung vorsehen. Alle Räume werden barrierefrei zugänglich sein.Die Freude über die neue Kindertagesstätte brachten die Kleinen in einem Lied zum Ausdruck: www.youtube.com/wochenspiegelliveAktuell ist das fünfgruppige Familienzentrum der StädteRegion in Konzen teilweise in Räumen der dortigen Grundschule untergebracht. Als Folge der Schulentwicklungsplanung der Stadt Monschau (Zusammenlegung der Grundschulen Imgenbroich und Konzen am Konzener Standort) stehen die zurzeit vom Familienzentrum im Gebäude der Grundschule genutzten Räume ab dem Schuljahr 2018/2019 nicht mehr zur Verfügung.»Hier wird Zukunft gebaut!« Margareta Ritter strahlte mit der Herbstsonne um die Wette - dabei war es doch recht kühl am Konzener Feuerbach, als der Grundstein für die neue Kindertagesstätte gelegt wurde.Konzen (Fö). »Oft höre ich, dass die…

weiterlesen

Erasmus-Plus-Projekt führt nach Norwegen

VG Traben-Trarbach. Am Gymnasium Traben-Trarbach ist mit Beginn des Schuljahrs auch das EU-geförderte Erasmus-Plus-Projekt gestartet, in dem diesmal die weiterführende Schule in Rørvik, Hauptort der Inselkommune Vikna an der Westküste Norwegens, die Partnerschule des zweijährigen, länderübegreifenden Projekts sein wird. Unter dem Titel „Regionale Spuren suchen – europäische Wege finden“ machen sich die Schüler des Gymnasiums und die der „Ytre Namdal videregående skole“ zwei Jahre lang auf die Suche nach ihren jeweils eigenen Wurzeln, nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden sowie nach Ideen und Visionen für ein Leben, in dem alle etwas voneinander lernen und sich so näher kommen können.    Die Themen für den Austausch fangen bei der Frage an, warum Norwegen kein Mitglied der EU ist und gehen zurück in die Zeit der deutschen Okkupation in Norwegen bzw. die des Nationalsozialismus in Traben-Trarbach. Weitere historisch relevante Themen sind die Auswanderungswellen nach Südamerika oder in die USA im 19. Jahrhundert. Ebenso sollen moderne Herausforderungen wie beispielsweise die aktuellen Migrationsbewegungen und die jeweiligen wirtschaftlichen Standbeine beider Orte beleuchtet werden. Denn was für Traben-Trarbach der Wein ist, ist für Rørvik der Fisch. Beides zusammen passt und verspricht darüber hinaus einen echten kulinarischen Zugewinn.   Doch von einem Austausch kann nur die Rede sein, wenn man in das Leben der anderen selber hautnah kennen gelernt hat. Daher ist das Projekt mit einigen Reisen verbunden. Mitte September waren bereits vier norwegische Lehrerinnen als Gäste eines Vorbereitungstreffens am Gymnasium in Traben-Trarbach. Im März wird es den entsprechenden Gegenbesuch nach Rørvik nördlich von Trondheim geben. Für die Schüler sind insgesamt vier Reisen vorgesehen – zwei für jede Schule. Wer mitfahren darf, das hängt, neben dem passenden Alter, vor allem vom jeweiligen Einsatz für das Projekt ab.    Die Jugendlichen müssen in ihren Schulen Workshops vorbereiten und mit den Gästen weitestgehend selbstständig durchführen und auswerten. Außerdem sollen mithilfe einer neu eingerichteten Homepage Zwischenergebnisse veröffentlicht und ausgetauscht werden können. Abschließend ist geplant, dass alle Ergebnisse des Erasmus-Projekts 2019 in einer großen Ausstellung zusammengeführt und einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden.   Mit dem Projekt wollen die Schulen den Verstehenshorizont für die jeweils andere Kultur erweitern und sowie die Entwicklung von Eigenverantwortlichkeit und Sprachkompetenz fördern. Darüber hinaus ist eine nachhaltige Freundschaft zwischen beiden Schulen und den Gemeinden ein weiteres wünschenswertes Ergebnis dieses Projekts. Foto: FF Am Gymnasium Traben-Trarbach ist mit Beginn des Schuljahrs auch das EU-geförderte Erasmus-Plus-Projekt gestartet, in dem diesmal die weiterführende Schule in Rørvik, Hauptort der Inselkommune Vikna an der Westküste Norwegens, die Partnerschule des…

weiterlesen