Frederik Scholl

"Die höchste Eisenbahn": Moritz Krämer & Francesco Wilking wieder auf Tour

Konz. Moritz Krämer & Francesco Wilking sind "Die höchste Eisenbahn". Sie sind wieder auf Tour!

Gruselig. Jetzt haben sich die beiden Berliner Songwriter Francesco Wilking und Moritz Krämer auch noch für ein gemeinsames Projekt zusammengetan und jammern, wie bei ihren aktuellen Soloplatten, wieder ausschließlich über alltägliche Nichtigkeiten, ducken sich weg und tun mit fast schon panischer Akribie wieder so, als ob sie uns allen bitte nur keine Umstände bereiten wollen. Man möchte sie drehen und schütteln dafür, anschreien, sich doch in Gottes Namen nicht immer so nervtötend klein zu machen. Endlich mal Eier zeigen, Pathos, guten Pathos. Der kann auch glücklich machen. Das würde euch nicht umbringen Jungs! Warum Judith Holofernes und Gisbert zu Knyphausen da schon bei drei Auftritten mitgejammert haben, darüber kann man nur mutmaßen. Dann sind da noch Max Schröder (Der Hund Marie, Tomte) und Felix Weigt (Kid Kopphausen, Spaceman Spiff), die am Schlagzeug, an Bass, Piano und Cello den lebensverneinenden Phrasen von Wilking und Krämer das trügerische Gewand eines lupenreinen Popsongs umwerfen und das ganze auch noch tanzbar machen. Nicht ohne Grund hat sich das bis jetzt niemand der neuen Liedermacher Welle von Poisel bis Prosa angemaßt. Wer will schon zu Zeilen wie "Jan ist unzufrieden" oder "die Nacht übertreibt" abhotten. Dagegen ist dann ein vorgetragener Text, der Heulen 1-10 heißt, fast schon eine Erleichterung. Danach geht es weiter, mit Liedern über Unzufriedene und Betrogene, über Tschernobyl und Aliens. So verlassen wie die Figuren in ihren Texten werden sie vermutlich selbst bald auf der Bühne rumstehen. Dann können sie sich ihr trostloses "Der Himmel is blau" gegenseitig zurufen. Ihre Zeilen hängen einem tagelang in den Ohren, wie depressive Bandwürmer im verstopften Darm. Beunruhigend nur, wie glücklich sie alle dabei aussehen. Fast so, als würde es ihnen Spaß machen, uns ihre Melancholiepropaganda um die Ohren zu hauen, als stecke in diesem Bild einer wolkenkratzenden Eisenbahn, unter der wir ganze Städte bauen könnten, der ganze Pathos, den sie uns in den Texten vorenthalten. Ich stehe darunter auf den Gleisen, den Kopf im Nacken und starre auf die Unterseite eines Zuges. Ich habe noch nie die Unterseite eines Zuges gesehen. Was zur Hölle soll dieser Bandname? Mehr Infos unter www.station-k.de. Also nicht verpassen: Sonntag, 30.September in der alten Synagoge Wawern.  Beginn ist ab 19.30 Uhr. Karten gibts beim Wochenspiegel. 

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