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Der wilde Westen fängt gleich hinter Pluwig an...

Pluwig. Rund 80 Akteure, 28 Pferde und Hunderte sehnende Karl-May-Fans: Zwischen dem 23. Juni und dem 16. Juli findet das Westernspektakel im Pluwiger Steinbruch statt. Der WochenSpiegel hat den Laienschauspielern und Regisseuren während einer Probe über die Schultern geschaut.

Es ist ein erschütternder Moment für den jungen Leo Bender: An seinem 16. Geburtstag lüften seine Eltern ein Familiengeheimnis. Sie offenbaren ihm, dass er nicht ihr leiblicher Sohn ist und erzählen dem Heranwachsenden die ganze tragische Wahrheit. Leos Familie war wegen falschen Anschuldigungen im Gefängnis gelandet. Dort starb sein Vater, seine Mutter und weitere Verwandte konnten fliehen. Leben sie noch? Wo sind die Gangster?

Auf der Suche nach den Wurzeln
Leo begibt sich auf die Suche nach seinen Wurzeln – und nach den Menschen, die das Leid über seine Familie gebracht haben. Durch seine Kühnheit und Treffsicherheit wird er rasch ein berühmter Westmann, genannt Old Surehand – sichere Hand.
Marvin Scherf aus Hockweiler spielt Old Surehand, Ludwig Laros aus Trier und Rosi Thielen aus Bitburg seine Zieheltern. Während aus Ludwig Laros in der Rolle des Bankiers und Leos Vater das Familiengeheimnis heraussprudelt, unterbricht ihn Co-Regisseur Frank Lempges. Die »Eltern« sollen sich anders positionieren, sie beginnen wieder von vorne. Szenen immer wieder zu wiederholen, gehört zur Ablaufprobe.

Anspruchsvolle Kulisse
Es kommt noch nicht auf schauspielerische Leistungen an, das Einüben des Ablaufs des anspruchsvollen Karl-May-Klassikers steht im Vordergrund. Auch viele Kostüme hängen noch in Reih und Glied hinter der imposanten Stadtkulisse des Wilden Westens im Pluwiger Steinbruch. Daniela Ferring aus Trier-Zewen ist nicht nur Garderobenfrau und spielt die Texanerin Lucy, sie hat mit weiteren Frauen in ihrem Wohnzimmer Stadtkleider, Indianerkostüme oder Lendenschurze, alles was die rund 70 Akteure zu den bekannten Figuren des erfolgreichsten Schriftstellers deutscher Sprache macht, genäht.

Kampfszenen wiederholen
Auch ein Kostüm für Wilhelm Herrig aus Trier-Ruwer ist dabei. Bereits im siebten Jahr spielt der Karl-May-Fan einen kämpfenden Indianer. »Weil es mir großen Spaß macht«, sagt er, während eine Dame ihm den dritten Pinselstrich mit weißer Schminke auf die Wange malt. Eine Perücke mit langem, schwarzem Kunsthaar hievt ihn zusehends in seine Rolle.
Zeit, einen Angriff des Indianerstamms auf die Stadt zu proben. »Der Überraschungseffekt fehlt, weil es zu lange dauert«, mosert Regisseur Conny Faißt nach dem ersten Durchlauf. Der Angriff mit seinen Kampfszenen wird wiederholt – zweimal, dreimal. Die Laienschauspieler steigern sich von Mal zu Mal, der Überraschungseffekt ist da, der Regisseur zufrieden. Es geht weiter, Szene um Szene.  

Pferde »einschießen«

Als Winnetou, edler Häuptling der Apachen, reitet Reinhold Schomer in das Geschehen, Rainer Otten als Old Shatterhand. Insgesamt 28 Pferde sorgen für noch mehr Wildwest-Atmosphäre. »Heute werden wir die Pferde einschießen«, verkündet Faißt. Heißt: Die Tiere werden an das Knallen von Platzpatronen gewöhnt.

Zwischen der Ablaufprobe und der kommenden Probe, bei der das Augenmerk auf die schauspielerische Leistung gelegt wird, wartet auf das Team um Regisseur Faißt noch mal intensive Arbeit. »Wir haben alles aufgenommen und werden die Probe genau analysieren und schauen, wo es noch fehlt«, sagt Regieassistentin Hannelore Reuter-George aus Traben-Trarbach. Laut Eddi Christen, Erster Vorsitzender des Vereins Karl-May-Freunde Pluwig, haben seit der ersten Aufführung vor 16 Jahren rund 14.000 Menschen die Wildwestspektakel miterlebt.

Nach zwei Stunden als Zaungast bei den Proben liegt noch viel Arbeit vor den Akteuren und es ist gewiss: Dabei zu sein, wenn Old Surehand sich auf die Suche nach seiner Familie begibt, viele brenzlige Situationen durchsteht und sich verliebt, wird die Zuschauer begeistern – nicht nur diejenigen, die Karl May und Wildwest-Atmosphäre lieben.

kat

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