Svenja Pees

Paul Grote: Wein und Verbrechen machen gemeinsame Sache

VG Saarburg. Paul Grote ist ein Weltenbummler, ein Geschichtenerzähler, ein aufmerksamer Beobachter. Lange Jahre lebte der 67-jährige Berliner in Südamerika. Als freier Journalist begleitete er im Pantanal die Umweltpolizei bei der Jagd nach Krokodiljägern oder schrieb über den Drogenkrieg in Rio de Janeiro. Viele der Erlebnisse in Lateinamerika prägten ihn und seinen Blick auf die Welt. Ein Ereignis in Argentinien machte ihn zu dem, was er heute ist: Deutschlands bekanntester und meistgelesener Weinkrimi-Autor.

Fasziniert hat Paul Grote der Wein schon immer. Bis zu dem Erlebnis in Argentinien war er für Grote aber eher ein Essensbegleiter, über den er nicht viel wusste. Dann kam der Tag, als ihn ein argentinischer Weinimporteuer fragte, ob er nicht mal eine schöne Geschichte über Wein schreiben möchte. Mit fünf Weinexperten reiste Grote 14 Tage durch Argentinien. "Ich habe Tag und Nacht mit Wein zu tun gehabt und ungeheuer viel gelernt", erinnert sich der 67-Jährige. "Ich habe währen der Reise entdeckt, dass im Wein im Grunde genommen eine ganze Welt liegt." Dennoch dauerte es nach der Argentinienreise einige Jahre, bis sein erster Weinkrimi erschien. 

Seine Krimis sind Realfiktion

Nachdem er 1997 in seiner damaligen Heimat Brasilien in Ungnade fiel ? Grote hatte einen Artikel über die Machenschaften des Präsidenten veröffentlicht  - verschlug es ihn wieder zurück in seine alte Heimat Berlin. Er schrieb er eine Zeit lang für ein Unternehmen Werbetexte für Weine. Das war ihm aber zu kommerziell. "Ich war unglücklich und unzufrieden. Ich habe mir gedacht ?komm du hast fast 20 Jahre Geschichten geschrieben, das ist deine Sache. Mach das, was du kannst", erzählt Grote. So kam die Idee mit den Krimis, die er selbst als Realfiktion bezeichnet. "Ich erfinde Geschichten, um die Wirklichkeit zu erzählen. Mir geht es darum, dass die Weine und die Menschen und die Landschaften dahinter verstanden werden."

Aktueller Krimi spielt an der Mosel

Zehn Weinkrimis hat Paul Grote bislang veröffentlicht. Seine Bücher wurden rund 315.000 Mal verkauft. Der erste Roman "Tod in Bordeaux" erschien 2004 und spielt Frankreich: Gaston, ein Winzer im Bordelais, wird von Paletten erschlagen in einem Lager aufgefunden. Angeblich ein Unglück. Sein bester Freund Martin traut der Sache nicht und begibt sich auf Spurensuche.

Es folgten Krimis in Spanien, Portugal, Österreich, Rumänien und Deutschland. Für seinen aktuellen Krimi "Tödlicher Steilhang", der vergangenen September erschien, hat Grote die Mosel als Handlungsspielort gewählt: Auf der Suche nach Ruhe kommt Sicherheitsexperte Georg Hellberger an die Mosel. Doch dann bricht Hellbergers Gastgeber überraschend nach Italien auf. Steht die Reise des Winzers in Verbindung mit dem Tod des ertrunkenen Kollegen, den der Fluss ans Ufer gespült hat? Hellberger fühlt sich gefordert, seinen Gastgeber von jedem Verdacht reinzuwaschen.

Krimis sollen europäische Weinbauregionen beschreiben

Grotes Ziel ist es, mit seinen Romanen die großen europäischen Weinbauregionen nachzubilden. Er beschreibt die Weinbauregionen deshalb nicht nur, sondern erläutert auch technische Zusammenhänge, nimmt Bezug auf die Geschichte und beobachtet die Winzer bei ihrer Arbeit. Um die Verbindungen innerhalb der Weinwelt darzustellen, lässt Grote seine einzelnen Romanfiguren in anderen Rollen in späteren Krimis wieder auftauchen. Wichtig ist es dem ehemaligen Journalisten, dass seine Romane detailliert und faktisch richtig sind. "Inzwischen lesen Deutschlands beste Winzer meine Romane. Ich kann mir keine Fehler erlauben, dadurch würde ich unglaubwürdig", sagt er. 

Recherchearbeit vor Ort

Entsprechend gründliche recherchiert er für seine Bücher. "Wenn ich mich für ein Thema entschieden habe, dann fange ich an alles zu lesen, was ich darüber finden kann. Ich überlege mir, was das besondere an dem Weinbaugebiet ist und was dieses Gebiet von anderen unterscheidet. Bei der Mosel ist es zum Beispiel die Steillage. Das heißt, ich muss versuchen diese Besonderheit zu meinem Hauptthema zu machen." Im nächsten Schritt fährt der Berliner selbst in die jeweilige Weinbauregion. "Ich schaue mir an, was für ein Gefühl die Landschaft bei mir auslöst, welche Einstellung ich zur Region habe, wie ich mit den Menschen klar komme. Dann fange ich an die Weine der Region zu probieren, um rauszufinden, was das Besondere an ihrem Geschmack ist. Ich suche mir die wichtigsten Winzer raus und schaue mir die Personen hinter dem Wein an", erzählt Grote. Sind ihm die Winzer sympathisch, besucht er sie und beobachtet ihre Arbeit. Passen die Winzer in seine Geschichte, dann kommen sie auch im Roman vor. Für seinen aktuellen Krimi hat er mit 17 Mosel-Winzern gesprochen. 

 

 

Soziale und politische Komponente

In seinen Krimis gibt es auch immer eine soziale und politische Komponente. Manchmal ist der studierte Soziologe und Politikwissenschaftler seiner Zeit damit sogar ein Stück voraus, wie im Moselkrimi. Hier schildert Grote nämlich auch einen Abhörskandal. "Auf die Sicherheitsgeschichte bin ich gekommen, weil ich recherchiert habe - und das bevor Edward Snowden so bekannt geworden ist. Ich habe mich mit der Frage beschäftigt, auf welche Art und Weise kommen US-Sicherheitsfirmen im Zuge der Privatisierung in den deutschen Sicherheitsapparat? Ganz einfach, die kaufen sich Sicherheitsfirmen. Und die Sicherheitsfirmen haben alle Beziehungen in die Polizei. Da sitzen ehemalige Polizisten, Bundesgrenzschützer oder Nachrichtendienstler", erklärt er und verrät damit auch direkt, was seine Werke so speziell macht: Es sind eben nicht einfach nur Krimis über Wein, sondern auch Bücher über die Region, die Menschen, die Gesellschaft und die Politik.

Infos zu Paul Grote und seinen Krimis unter www.paul-grote.de

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