Svenja Pees

UPDATE: AKW Cattenom - dritter Störfall in zehn Tagen

VG Saarburg. Pressemeldungen zur Folge soll es kürzlich wieder zu einem Störfall im französischen Atomkraftwerk (AKW) Cattenom gekommen sein. Bei planmäßigen Wartungsarbeiten am Reaktorblock 4 das AKWs, das sich nur rund 50 Kilometer von Trier entfernt befindet, wurde laut den Meldungen ein schwerwiegender Konfigurationsfehler festgestellt. Demnächst steht der dritte Teil der grenzüberschreitenden Katastrophenschutzübung für den Fall eines Störfalls im AKW Cattenom an.

Die Steuerung von vier Ventilen an einem Reservoir für borsäurehaltiges Wasser war so ausgelegt, dass sie nur über eine einzige von zwei dafür vorgesehenen Steuerkonsolen zu bedienen war. Der Störfall wurde mit dem Stufe 1 auf der internationalen INES-Skala bewertet. "Dies ist mittlerweile der dritte Störfall in zehn Tagen, der im Zusammenhang mit dem Atomkraftwerk in Cattenom bekannt wurde. 2012 gab es 47 Pannen in Cattenom, also vier pro Monat. Cattenom ist eine tickende Zeitbombe und ein nicht akzeptables Risiko in der Großregion. Es ist angesichts der wiederholten Zwischenfälle daher höchste Zeit, dass die Pannenreaktoren in Cattenom vom Netz genommen werden", erklärte Stephanie Nabinger, atompolitische Sprecherin der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im rheinland-pfälzischen Landtag, in einer Pressemitteilung.

Ähnlich sieht es auch Markus Pflüger vom Trierer Anti-Atom-Netz, der nochmals auf den Brand vom 7. Juni im AKW verweist: "Es ist unglaublich. Während der Brand aufgearbeitet wird, ist ein weiterer Störfall passiert, der tagelang nicht an die Öffentlichkeit kommuniziert wurde. Für uns muss der Schrottreaktor endlich vom Netz."

Hintergrund: Borwasser und INES-Skala

Mit Borsäure vermischtes Wasser dient im primären Kühlkreislauf eines Druckwasser-Reaktors wie jenem in Cattenom dazu, Wärme abzuführen und an den sekundären Kühlkreislauf abzugeben, in welchem dann zur Stromerzeugung Wasserdampf durch Turbinen geschickt wird. Es handelt sich beim Borwasser-Kreislauf also um einen wichtigen Teil des Reaktorkerns. Das Element Bor, dient im Reaktor dazu Neutronen zu absorbieren und hilft, den Verlauf der nuklearen Kettenreaktion zu regulieren.

Durch die International Nuclear Event Scale (INES, zu Deutsch: internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse) wird die Schwere von sicherheitsrelevanten Ereignissen, wie beispielsweise Störfällen, festgehalten. Durch die Skala soll die Öffentlichkeit anhand von Einstufungen die sicherheitstechnische Bedeutung der jeweiligen Ereignisse nachvollziehen können. Die Skala ist wie folgt gegliedert: 0 Abweichung, 1 bis 3 Störfälle, 4 bis 7 Unfälle. Die Nuklearkatastrophen von Tschernobyl (1986, Ukraine) und Fukushima (2011, Japan) werden beide mit einer 7 auf der INES-Skala ausgewiesen.

Katastrophenschutzübung

Vom 25. bis 28. Juni 2013 werden Lothringen, das Großherzogtum Luxemburg, das Saarland, Rheinland-Pfalz und Belgien an der dritten und letzten Phase der Übungsreihe "Exercices nucléaires 3 en 1" der Großregion teilnehmen. Es handelt sich hierbei um eine Katastrophenschutzübung, die als Ausgangslage einen Störfall AKW Cattenom hat. Das Szenario zielt auf einen Störfall ab, bei dem es zum Verlust des primären Kühlungsmittels kommt und somit zur progressiven Zerstörung des Reaktorkerns führen kann, ausgehend vom Bruch des Außenmantels der Kernbrennstäbe bis hin zur völligen Fusion des Reaktorkerns.

Nach einer ersten Phase die die Aktivierung und das Zusammenwirken der Krisenstäbe als Ziel hatte, hat sich der zweite Teil der Übung auf die Ausweitung der Notfallschutzmaßnahmen und die Evakuierungsma?nahmen der Bevölkerung konzentriert. Der dritte Teil der Übung soll dazu dienen, die Langzeitphase nach einem kerntechnischen Unfall näher zu beleuchten. Hierbei werden die Schwerpunkte auf dem Übergang von den bereits getroffenen Notfallschutzmaßnahmen zur langfristigen Strahlenschutzvor- und nachsorge liegen.

Zum Beginn des dritten Übungsteils ist die Kernkraftanlage durch die Wiederherstellung der Zusatzwasserversorgung wieder "abgesichert" und der Störfall gilt als beherrscht. Dieser Störfall mittleren Ausmaßes hat Emissionen von kurzer Dauer und eine Kontaminierung der Umwelt verursacht. Dieser dritte und abschließende Teil der gemeinsamen Übung wird unter der Federführung Frankreichs stattfinden.

Das Ziel der Übung ist es, die nationale und grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Krisenstäbe in der Großregion und somit die Koordination von Notfallschutzmaßnahmen zu optimieren, sowie das gemeinsame Krisenmanagement der Partner in der Großregion, auch im Hinblick auf andere mögliche Krisen und Atomkatastrophen in der Grenzregion, zu verbessern.

Von Seiten des Trierer Anti-Atom-Netzes wird die Übung mit gemischten Gefühlen betrachtet. "Wir sehen die Katastrophenschutzübung zwiespältig. Es ist wichtig, dass es geübt wird. Aber das gaukelt bei den Atomanlagen einen Schutz vor, den es nicht geben kann", so Markus Pflüger.

Foto: Archiv/Scholl

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