Martina Greve

Viele Hartz IV-Bezieher brauchen lange Unterstützung

VG Saarburg. Die Verfestigung der prekären Lebensverhältnisse ist bedrückend, wenn mehr als ein Drittel der Hartz IV-Bezieher in der Region Trier mindestens vier Jahre auf staatliche Fürsorge angewiesen sind.

 

"Dem Hartz IV-System ist es bisher nicht gelungen, eine Verfestigung prekärer Lebenslagen zu verhindern", sagt DGB-Regionsgeschäftsführer Christian Z. Schmitz. Nach den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit waren 3,6 Prozent der erwerbsfähigen Menschen in der Region Trier Ende 2012 auf Hartz IV-Leistungen angewiesen, das waren 12.294 Einwohner im Alter von 15-64 Jahren. Besorgniserregend sei, so der DGB, dass Hartz IV-Empfänger in der Region Trier lange im staatlichen Fürsorgebetrieb verbleiben. Über die Hälfte der erwerbsfähigen Hartz IV-Bezieher der Region sind bereits im Langzeitbezug und haben in den letzten zwei Jahren mindestens 21 Monate HartzIV bezogen. 36,6 Prozent aller Empfänger im Alter von 15-64 Jahren sind sogar seit mindestens vier Jahren auf Hartz IV angewiesen. "Selbst wenn die Region Trier besser als der deutsche Durchschnitt dasteht, sind die Zahlen erschreckend. Wir dürfen nicht die Augen vor der Situation verschließen", so Schmitz.

Mehr Hilfebedürftige als Arbeitslose

"Die Anzahl dieser hilfebedürftigen Menschen in der Region Trier geht weit über die der Arbeitslosen hinaus. Viele Hartz IV-Bezieher befinden sich in Fördermaßnahmen oder gehen einer Beschäftigung nach, die durch niedrige Löhne, eine geringe Stundenzahl oder durch eine kurzfristige Dauer nicht existenzsichernd und damit prekär ist. Andere haben Betreuungspflichten oder befinden sich noch in der Ausbildung", erläutert Schmitz. Trotz der Verhärtung im Hilfebezug gibt es auch im Hartz IV-System relativ viel Bewegung. Ständig kommen andere hinzu, während andere doch immer wieder dem Hilfebezug auf Zeit, wenige dauerhaft, entgehen können. Erstmals hat der DGB in Trier differenzierte Daten zum Eintritts- und Verbleibsrisiko im Hartz IV-System vorgelegt.Ihnen zufolge liegt das Eintrittsrisiko in Hartz IV für Erwerbsfähigeim vergangenen Jahr in der Region Trier bei 2,2 Prozent. Über 2 Prozent der Bevölkerung von 15-64 Jahren muss innerhalb eines Jahres Hartz IVbeantragen. Bei dem Risiko hilfebedürftig zu bleiben, lässt sich für die Region festhalten, dass nur knapp der Hälfte der Hartz IV-Beziehenden im ersten Jahr die Überwindung der Hilfebedürftigkeit gelingt. Angesichts der Situation in der Region Trier fordert der DGB Jobcenter und die Kommunen in der Region Trier zu mehr Anstrengungen zur Vermeidung und zum Abbau von Langzeitbezug auf.

Stärkere Professionalisierung der Betreuung

"Dazu braucht es eine stärkere Professionalisierung der Betreuung. Stabilisierungs-, Unterstützungs- und Eingliederungsmaßnahmen müssen stärker am Ziel der Nachhaltigkeit ausgerichtet werden. Zudem müssten die sozialintegrativen Maßnahmen der Kommunen und der Träger - wie Schuldnerberatung, etc. - sowie Qualifizierungen für diese Zielgruppe ausgebaut werden. Ebenso sollten Menschen bei einer Jobvermittlung noch längere Zeit nachbetreut werden, um ein neues Arbeitsverhältnis möglichst stabilisieren zu können. Dabei ist vor allem die Bundesregierung gefordert: Durch die Kürzung der Arbeitsförderung in den vergangenen Jahren haben sich die Förderchancen für Hartz IV-Empfänger massiv verschlechtert. Dies hat dazu beigetragen, dass viele Menschen längerfristig auf staatliche Fürsorge angewiesen sind. Aber auch die Unternehmen sollten mehr tun und Hartz IV-Empfängern und Empfängerinnen eine Chance auf dem Arbeitsmarkt geben", fordert Schmitz.

 

 

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