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6.000 Jahre Musik: "Sing like an Egyptian"!

Stadt Trier. Die Trierer Ägyptologin Heidi Köpp-Junk hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. In ihrem Habilitationsprojekt untersucht sie die Anfänge der Musik im alten Ägypten. Das mag zunächst etwas trocken erscheinen, doch die praktische Forschung ist besonders spannend – vor allem für ihre Zuhörer.

Bereits als Zwölfjährige sammelte Heidi Köpp-Junk Poster von altägyptischen Pharaonen. Dann besuchte sie als Jugendliche eine Ausstellung in Hildesheim. Sie erinnert sich an diese Zeit zurück: "Damals wusste ich sofort: Das ist meins!". Von diesem Zeitpunkt an war für sie klar, dass sie Ägyptologin werden möchte. Gesagt, getan: Nach dem Abitur studierte Köpp-Junk in Göttingen, darauf folgte die Promotion zum Thema "Reisen im alten Ägypten".

Nicht nur Ägyptologin, sondern auch Musikerin

Doch das war nicht ihr einziger Weg. Die Ägyptologin verbindet auch seit ihrer Kindheit die Liebe zur Musik: "Ich habe schon immer gesungen. Seit ich laufen konnte." Seit ihrem zwölften Lebensjahr spielt sie außerdem Gitarre. So hat sich während ihrer Promotion schon eine Verbindung beider Bereiche ergeben: Nach einer klassischen Gesangsausbildung (Oper, Kunstlied und Operette) am Konservatorium in Göttingen finanzierte sich Köpp-Junk ihre Promotion mit der Musik. Nach Trier hat sie die Stelle an der Universität im Fach Ägyptologie gebracht. Doch auch ihre große Liebe hat sie an der Mosel gefunden: Ihr Mann Peter ist ebenfalls leidenschaftlicher Hobbymusiker und unterstützt seine Frau, wo er kann.

Reichhaltiges Fachwissen und Leidenschaft

Spricht man mit der singenden Ägyptologin über ihr aktuelles Forschungsprojekt, dann spürt man neben einem reichhaltigen Fachwissen vor allem die Leidenschaft. Für ihre Habilitation erforscht Köpp-Junk die Anfänge der Musik im alten Ägypten. Sie sucht nach den ältesten Instrumenten, die in Ägypten durch etwa Grabfunde, schriftliche Aufzeichnungen oder aber künstlerische Darstellungen in Form von Flachbildern belegt sind.

Anfänge der Musik

Bereits sehr früh musizierten die alten Ägypter, allerdings ohne Instrumente. Man klatschte in die Hände, stampfte mit den Füßen und sang. Die Anfänge der Instrumente lassen sich auf das 5. Jahrtausend v. Chr. mit Schlaginstrumenten wie Rasseln oder sogenannten "Klappern" (Schlagstöcke, die aneinandergeschlagen wurden) datieren. Danach kamen Instrumente hinzu, auf denen Melodien gespielt werden konnten, wie etwa die Flöte, die Harfe oder aber eine Laute (circa 1400 v. Chr.). Dies bedeutete jedoch nicht, dass die älteren Instrumente nicht mehr genutzt wurden. Über die Zeit entstanden im alten Ägypten ganze Ensembles mit bis zu 21 Menschen, die verschiedene Instrumente spielten und tanzten – eine altägyptische Band sozusagen.

Zweck der Instrumente bestimmen

Eine Herausforderung für die Forscherin besteht darin, den Zweck dieser Instrumente zu bestimmen. Die Rasseln waren beispielsweise bis zu elf Zentimeter groß und wurden in Gräbern von Erwachsenen gefunden, sodass eine Nutzung als Kinderspielzeug ausgeschlossen ist. Außerdem kamen neben einfachen Exemplaren aus Ton auch äußerst detaillierte und komplexe Rasseln, die beispielsweise Seerosenblüten darstellen sollten, vor. Heute vermutet man, dass die Rasseln vor Bösem beschützen sollten. Fasziniert ist Köpp-Junk bei ihrer Forschung vor allem davon, dass dies alles der Entwicklung der europäischen Musik sehr ähnlich ist: "Der Grundbestand der Instrumente ist im alten Ägypten wie in Europa, nur ein paar Jahrtausende versetzt." Die Anfänge der Musik sind überall gleich.

Forschung zum Anfassen

Ausgrabungen, Übersetzungen und Bildinterpretationen waren ihr jedoch nicht genug. Sie wollte wissen, wie altägyptische Musik klingt. Mit Hilfe einer professionellen Instrumentenbauerin wurde eine altägyptische Laute nachgebaut. Ursprünglich bestand der Klangkörper aus einem Schildkrötenpanzer, Heidi Köpp-Junk entschied sich aber für eine Holzvariante. Die Laute hat sechs Klanglöcher und ist einer heutigen Gitarre sehr ähnlich. "Das ist perfektes Instrumentenbauen im 2. Jahrtausend vor Christus – und keineswegs primitiv!", urteilt die Ägyptologin über die Fertigkeiten der alten Ägypter.
Spielt Köpp-Junk auf der Laute, dann ist man als Nicht-Ägyptologe sehr verwundert: Mit der Laute erzeugt man ganz und gar keine typisch arabische Musik, wie man sie erwarten würde.

Heidi Köpp-Junk live bei Illuminale

Wer Heidi Köpp-Junk live erleben will, der hat im Rahmen des City Campus Illuminale am 29. September die Gelegenheit dazu. Von 21 bis 22 Uhr präsentiert sie dort auf der Hauptbühne am Viehmarkt ihr Programm "6.000 Jahre Musik: Lieder von den Pharaonen über das Alte Rom bis heute" (Eintritt frei). Nach dem Motto "Sing like an Egyptian" wird sie zunächst die altägyptische Laute vorstellen. In der Stadt Trier darf ein Sprung in das alte Rom natürlich nicht fehlen. Köpp-Junk hat eigens dafür einen Programmteil entwickelt, der durch bekannte lateinische Texte über Wein und das gute Leben zum Mitsingen einlädt. Doch auch die moderne Musik wird nicht zu kurz kommen. Diese musikalische Darbietung von Kleopatra und Cäsar bis heute sollte man sich nicht entgehen lassen.

DT

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