RED/SP

Benefizkonzert für abgeschobene Familie Memedov

Aktionsbündnis will Familie finanziell über Wasser halten

Stadt Trier. Das Aktionsbündnis "Faces of Deportation- No One More" engagiert sich in der Solidaritätsarbeit für Geflüchtete. Aktuell beschäftigt sich die Organisation mit der nach Mazedonienen abgeschobenen Roma-Familie Memedov. Die fünfköpfige Familie unterstützte selbst jahrelang die Arbeit des Aktionsbündnisses und half anderen Geflüchteten. Für die Familie findet nun am 23. September um 19.30 Uhr im Mergener Hof ein Benefizkonzert statt.

"Die Familie war hier seit langem zuhause und führte ein aktives soziales Leben. Die Arbeitsstelle des Vaters sowie der Schulbesuch der Kinder waren gesichert. Wie alle Geflüchteten flohen auch sie nicht grundlos", schreibt das Aktionsbündnis "Faces of Deportation- No One More" in einer Pressemitteilung. Vater Fatmir (36), Mutter Senada (29) und ihre drei Kindern Perijan (13), Ismail (11) und Medin (6) wurden am 19. Mai 2017 um 3.30 Uhr aus ihrer Wohnung in Saarburg nach Mazedonien abgeschoben. "Die Abschiebung fand ohne Rücksicht auf Flucht- oder Duldungsgründe statt, Mazedonien gilt zynischerweise als 'sicheres Herkunftsland'. Nicht für Fatmir Memedov und seine Familie, ihnen drohen dort nun erneut Verfolgung, Haft und Gewalt. Die Memedovs sind kein trauriger Einzelfall. Wie ihnen ergeht es Tausenden", heißt es von Seiten der Organisation.

"Behörden nicht bereit, Diskriminierung als Asylgrund anzuerkennen"

"Auf dem Papier haben sich die EU und die deutsche Regierung dazu verpflichtet, die Verfolgung und den Ausschluss der Roma zu bekämpfen. In der Praxis jedoch sind die deutschen Behörden nicht einmal bereit, die direkte und strukturelle Diskriminierung, der viele Roma in den Balkanländern ausgesetzt sind, als Asylgrund anzuerkennen", so "Faces of Deportation". Diese Herkunftsländer würden vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, von Menschenrechtsorganisationen und selbst vom Europarat immer wieder wegen systematischer Diskriminierung der Roma kritisiert. Im Asylverfahren jedoch werde dies systematisch ignoriert, schreibt das Aktionsbündnis weiter.

Benefizkonzert im Mergener Hof

Laut dem Aktionsbündnis musste die Familie untertauchen und ist schwer traumatisiert ist. Sie kann deshalb nicht für ihren Lebensunterhalt sorgen. Es fehlen monatlich mindestens 500 Euro. "Faces of Deportation" will die Familie deshalb finanziell unterstützen. Deshalb veranstaltet das Aktionsbündnis im Jugendzentrum Mergener Hof erneut ein Benefizkonzert. Unter dem Motto "Music for Memedovs" treten hier am Samstag, 23. September, ab 19.30 Uhr, "Hennich ohne Hanschel", "Freidenkeralarm" und "2 Finger Breit" auf. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird allerdings gebeten.

"Schreckliches Gefühl"

Ob und wann die Familie zurückkehren darf, ist derzeit unklar. In ihrer Pressemitteilung hat die Organisation auch ein Statement von Vater Fatmir veröffentlicht. In diesem heißt es: "Ich bin die ganze Zeit drinnen oder im Hof und kann mich nicht frei bewegen, weil ich nicht die Familie wieder in Gefahr bringen will. Das macht mich sehr nervös und hilflos. Wir fühlen uns wie im Hausarrest und das ist ein schreckliches Gefühl. Wegen der Angst, gefunden zu werden, haben wir uns nirgendwo gemeldet und damit auch keine Sozial- oder Krankenversicherung. Es ist einfach schwer, auch für mich, ich versuche stark zu bleiben und allen die Hoffnung zu geben, dass wir bald wieder zurück kommen können, obwohl ich sehe, dass es sehr schwer ist, besser gesagt unmöglich, aber ich glaube immer noch, dass es vielleicht doch klappen wird. "

Spendenkonto

Zur Unterstützung der Familie Memedov hat "Faces of Deportation" ein Spendenkonto eingerichtet:

Volksbank Trier eG

Stichwort "Memedov"

DE19 5856 0103 0000 295021

NR/RED

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.