Svenja Pees

Bestseller-Autor Arno Strobel: das Glück, zu schreiben

Stadt Trier. Er gehört zu den erfolgreichsten deutschen Thriller-Autoren. Seine Romane sind regelmäßig in der Spiegel-Bestseller-Liste vertreten. Er hält Lesungen in der ganzen Bundesrepublik und mag es zuhause in Tawern doch am Liebsten. Die Rede ist von Arno Strobel. Mit dem WochenSpiegel sprach der 52-Jährige über befremdlichen Ruhm, die Genialität Steven Kings und was ihn wirklich wütend macht.

Schreiben ist für Arno Strobel etwas, womit er nicht gerechnet hat. Schriftsteller wollte er eigentlich nicht werden. Entsprechend spät hat er angefangen seine Ideen zu Papier zu bringen. "Ich bin zum Schreiben gekommen, wie die Jungfrau zum Kinde", erzählt mit einem Lächeln. Eigentlich hat Strobel Versorgungstechnik studiert. Danach einen Aufbaustudiengang in Informatik absolviert und nach einigen Jahren der Selbstständigkeit bis zuletzt bei einer Bank in Luxemburg gearbeitet. Vor 13 Jahren wird er im Internet auf ein Forum aufmerksam, auf dem jeder Kurzgeschichten veröffentlichen kann. Strobel probiert es und hat Erfolg. Er versucht sich an einem Vatikan Thriller, reist nach Rom, recherchiert viel. Drei Jahre dauert das, kein Verlag möchte das Buch, das den Titel "Magus ? Die Bruderschaft" trägt. Strobel verlegt das Buch mit zwei Freunden kurzerhand selbst.

"Wie ein Sechser im Lotto"

Der Vertreter eines großen deutschen Buchverlags sieht den Thriller zufällig in einer Trierer Buchhandlung liegen, kauft ihn, liest ihn, findet ihn gut. Kurze Zeit später kauft dieser Verlag die Rechte für "Magus". "Ich hatte großes Glück. Das war wie ein Sechser im Lotto. Mit Superzahl", sagt Strobel. "Es gibt viele talentierte Autoren in Deutschland, die genauso gut schreiben, aber einfach kein Glück haben." Der Verlag verpflichtet ihn direkt für einen weiteren Vatikan-Thriller. Der erscheint im Jahr 2009. Danach möchte Strobel was Neues ausprobieren und schreibt Psycho-Thriller. Sein neustes Werk "Das Dorf" (Fischer Verlag) ist vor kurzem erschienen.

"Übervater" Stephen King

Seit 2006 hat er neun Bücher veröffentlicht ? darunter auch einen Jugendthriller. Macht pro Jahr ein Buch. Sein Zeitplan ist straff organisiert. Deshalb gab er Anfang vergangenen Jahres auch seinen Job in Luxemburg auf. "Es war einfach nicht mehr händelbar. Ich habe jeden Tag 13, 14 Stunden gearbeitet. Ich musste eine Entscheidung fällen", sagt Strobel. "Natürlich ist das Schreiben eine unsichere Sache. Man weiß ja nie, was in zwei oder drei Jahren ist." Bereut hat er seine Entscheidung bis jetzt nicht. Etwas anderes zu schreiben als Psycho-Thriller würde für Strobel, der mit seiner Familie in Tawern lebt, nicht in Frage kommen. "Jeder kann nur das wirklich gut schreiben, was er auch selber gerne liest", erklärt er. Und der 52-Jährige ist selbst großer Thriller-Fan. Besonders angetan hat es ihm der US-amerikanische Autor Stephen King.  "Er ist für mich der absolute Übervater. Er besitzt wie kein anderer die Fähigkeit komplett neue Welten zu erschaffen und das in einer wahnsinnig guten Qualität. Es gibt in seinen Werken viele Thriller-Elemente, die mich faszinieren. King ist einfach genial."

"Fühlt sich an, als hätte sich jemand geirrt"

Hinter seinem Vorbild verstecken brauch Arno Strobel sich allerdings nicht. Der gebürtige Saarländer hat sich mittlerweile selber einen Popularitätsstatus erarbeitet: Er gehört zu den erfolgreichsten deutschen Thriller-Autoren, seine Bücher werden auch im Ausland verlegt. Für ihn immer noch etwas befremdlich. "Es fühlt sich manchmal so an als hätte sich jemand geirrt", sagt er und fügt mit einem Lachen hinzu. "Wenn ich mir die Spiegel- Bestseller-Liste anschaue und meinen Namen dort umrahmt von Autoren sehe, die ich selber sehr schätze, dann denke ich mir, dass denen doch ein Fehler unterlaufen sein muss. Es ist nach wie vor etwas Besonderes für mich."

Zusammenarbeit mit Ursula Poznanski

Aktuell arbeitet er an einem Thriller mit der österreichischen Bestseller-Autorin Ursula Poznanski, der im Oktober erscheinen soll. Für Strobel eine neue Erfahrung.  "Die Idee ist bei einem Glas Wein entstanden. Wir haben uns beide vorher nicht vorstellen können, mit einem anderen Autor zusammenzuarbeiten. Es ist etwas komplett anderes. Aber es macht Spaß." Die beiden tauschen sich per E-Mail aus, alle zwei Monate treffen sie sich. Zusätzlich arbeitet Strobel an seinem zweiten Jugendthriller. Ein strammes Pensum, besonders, wenn der Abgabetermin näher rückt. Da arbeitet er dann auch schon mal Tage und Nächte durch, wie er erzählt. Ein Buch zu schreiben ist ein großer Kraftaufwand. Besonders ärgern ihn deshalb auch die Raubkopien. "Das ist ein wirkliches Problem. Die Bücher sind teilweise keine Woche auf dem Markt und schon kann man sie sich im Internet runterladen. Das ist Diebstahl, durch den ein großer wirtschaftlicher Schaden entsteht. Man gibt sich Mühe für ein Buch und investiert viel Zeit darin. Das macht einen einfach wütend."

 

Ideen kommen aus dem Umfeld

Die Ideen für seine Werke liefert ihm das Leben selbt. "Es sind Dinge, die ich irgendwann mal irgendwo beobachtet und dann weitergesponnen habe", erklärt er. Als Beispiel nennt er das Erlebnis, das ihn zu seinem Thriller "Der Trakt" (Fischer Verlag) inspirierte. In dem Buch wacht eine Frau nach deinem Überfall aus dem Koma auf. Sie hat ihr Gedächtnis zwar behalten, die Welt aber hat offenbar die Erinnerung an sie verloren: Ihr Mann kennt sie nicht und niemand hat je von ihrem Sohn gehört. "Meine Frau hatte Besuch von einer Freundin und ihrem 5-jährigen Sohn. Der Kleine war den ganzen Tag sehr anstrengend und seine Mutter sagte dann, sie stelle sich vor wie es wohl wäre nur für ein paar Minuten keinen Sohn zu haben. So ist die Idee entstanden", erzählt Strobe, dessen Thriller allesamt in Deutschland spielen - immer in unterschiedlichen Städten. "Ich bin ein deutscher Autor, also schreibe ich Bücher, die in Deutschland spielen." Ein Thriller, der komplett in Trier spielt, steht allerdings noch aus. Vorstellen könnte Strobel sich das zwar, umsetzen wird er es in naher Zukunft wohl eher nicht. Der Ort ist für mich nebensächlich. Und ehrlich gesagt sehe ich derzeit keine Veranlassung dazu. Es gibt genug gute Autoren, deren Bücher in Trier spielen."

Lesung und Gewinnspiel

Der WochenSpiegel verlost drei Exemplare des Thrillers "Das Dorf". Zum Gewinnspiel geht es hier. Am Dienstag, 27. Januar, liest Arno Strobel um 20.15 Uhr in der Mayerschen Interbook (Kornmarkt 3) in Trier aus seinem neuen Werk "Das Dorf" vor. Karten gibt es für 11 Euro bei der Mayerschen.

 

 

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.