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Es war einmal... Das "Saufbähnchen"

Stadt Trier. Vor 55 Jahren wurde eine ganz besondere Lebensader des Moseltals stillgelegt: die Moseltalbahn, liebevoll auch "Saufbähnchen" genannt. Von 1905 bis 1962 verband sie auf der rechten Moselseite Trier und Bullay – mit Haltepunkten an allen Städtchen und Dörfern entlang der Strecke.

Während die 1878/79 eröffnete Hauptstrecke der Eisenbahn zwischen Trier und Bullay den kürzeren Weg durch die Vordereifel nahm, folgte die Moseltalbahn rund 102 Kilometer lang auf der rechten Seite des Moselufers allen Windungen des Flusses. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 40 Stundenkilometern dauerte eine Zugfahrt von Trier über 38 Haltepunkte bis Bullay gemütliche 3,75 Stunden. Die Kleinbahn besaß eigene Gleise, in Leiwen und Zell sogar Viadukte sowie einige größere Brücken.

Bahnhof vor dem Bahnhof

Die Trierer Endstation befand sich auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs. Hier stand ein kleiner Fachwerkbau. Auf der gesamten Strecke gab es etliche Bahnhofsgebäude unterschiedlicher Größe und Ausstattung. Mit Gesamtkosten von rund 20 Millionen Mark war die Moseltalbahn die teuerste normalspurige Kleinbahn Deutschlands. Bauherr und Eigentümer war die Moselbahn AG, gegründet von der Westdeutschen Eisenbahngesellschaft. Als erster Abschnitt wurde am 2. April 1903 die Strecke Trier-Leiwen in Betrieb genommen. Der letzte und längste Abschnitt Bernkastel-Bullay konnte am 19. August 1905 in Betrieb genommen werden.

Schwerer Unfall

Zu einem schweren Eisenbahnunfall kam es am 10. Juni 1951 am unbeschrankten Bahnübergang bei Kenn. Ein Zug und ein Bahnbus kollidierten. Der Zusammenprall war so heftig, dass die Dampflokomotive aus dem Gleis gehoben wurde und sich quer auf die Straße stellte. Der hintere Teil des Busses wurde aufgerissen. 15 Menschen starben, 17 wurden schwer verletzt. Sie alle waren Mitglieder des Männergesangvereins Cäcilia aus Zewen.

Das Ende der Moseltalbahn

Steigende Kosten bei sehr niedrigen Fahrpreisen sowie große Schäden durch Hochwasser führten zum Niedergang der Moseltalbahn. Die Strecke wurde zwischen 1961 und 1968 schrittweise stillgelegt – gegen den Widerstand der Bevölkerung. Heute ist bis auf wenige Bahnhofsgebäude fast nichts mehr von ihr vorhanden. Die Trasse wurde zum großen Teil in einen Radweg umgewandelt.

Leser-Gewinnspiel

Karl-Josef Gilles erinnert in seinem Buch "Die Moseltalbahn – Das Saufbähnchen" an die wechselvolle Geschichte der Moseltalbahn. Mit über 220 einmaligen, bislang größtenteils unveröffentlichten Fotos lässt er Bau, Betrieb und Ende der Bahn Revue passieren, zeigt die Bahnhöfe und Viadukte, dokumentiert die Technik und die Veränderungen im Bahnalltag während sechs Jahrzehnten. Dieser Bildband lädt ein zu einer nostalgischen Fahrt mit der Moseltalbahn und lässt nicht nur Bahnfreunde erahnen, welch reizvolles Transportmittel dem Moseltal mit dem Verschwinden des "Saufbähnchens" für immer verlorengegangen ist. Das Buch ist in der Reihe "Auf Schienen unterwegs" im Sutton-Verlag erschienen und für 20 Euro im Buchhandel erhältlich (ISBN: 978-3-86680-467-8). Wir verlosen drei
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RED/CN

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