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Gute Lektüre bleibt in! Unsere Lese-Tipps für Bücherwürmer

Frankfurter Buchmesse gestartet - wer schmöckert was?

Stadt Trier. Draußen wird es kalt und dunkel, drinnen knistert im Kamin das Holz, Kerzen flackern und die Couch lockt: Es schlägt die Stunde der Leseratte. In Frankfurt ist gerade Buchmesse. Wir befragten Experten des geschliffenen Wortes aus der Region, welche Autorinnen und Autoren sie empfehlen können.

Auf zwei Werke, die frisch als Taschenbücher erschienen sind, weist Elisabeth Thiel-Becker (Wittlicher Bücherstube) hin. Auf 1280 Seiten  kommt "wie ein Naturereignis" die Familiensaga "Das achte Leben" von Nino Haratischwili daher. Die  vielfach preisgekrönte junge Hamburgerin spannt den Bogen über sechs Generationen von Georgien am Vorabend des Ersten Weltkriegs bis ins Deutschland zu Anfang des Milleniums. Wer's dünner mag, sollte "Die Schönheitskönigin von Jerusalem" lesen. Darin verwebt Sarit Yishaj-Levi das Schicksal von vier Generationen einer sephardischen Familie mit den unruhigen Jahrzehnten israelischer Geschichte. "Spannend, bezaubernd und tiefgründig."

Hommage an das Chaos und Zugang zur DDR

Sigrid Engel (Buchhandlung Engel Bernkastel-Kues) hatte zu DDR-Zeiten keine Ost-Verwandtschaft. Dank Ingo Schulzes Buch "Peter Holtz" gelingt ihr nun "ein erster später Zugang zu DDR-Befindlichkeiten". Ein ernstes Thema, aufgearbeitet als fulminanter Schelmenroman, meint Engel, die außerdem auf "Die verflixten sieben Geißlein" des in Bernkastel aufgewachsenen Sebastian Meschenmoser verweist. Irgendwie findet der Wolf im Durcheinander des Geiß´schen Wohnhauses seine Opfer nicht. "Eine Hommage an das Chaos."

Ein Geheimtipp....

"Ich habe hier was ganz Tolles, einen richtigen Geheimtipp", sagt Stefan Lorenzen von der gleichnamigen Buchhaldung in Hermeskeil und empfiehlt  "Die Einsamkeit der Schuldigen" von Nienke Jos. Lorenzen: "Auch wenn es auf den ersten Blick ein Krimi zu sein scheint - im Radio-Interview beim Nationalparkradio habe ich es als 'Psychogramm' bezeichnet, was definitiv besser passt."

Entdeckungen. . .

473 Seiten umfasst die "Hans Fallada - Biografie" des Trierer Bistumssprechers André Uzulis. Carl Münzel (Stadtbücherei Wittlich) beschreibt sie als große "Entdeckung für Biografiefreunde". Mit 16 überlebte Fallada  knapp einen Verkehrsunfall, mit 18 erschoß er seinen Jugendfreund, zeitlebens begab er sich immer wieder in psychiatrische Behandlung, war abhängig von Alkohol und Morphium.
Eine bürgerliche Existenz war ihm nur kurz vergönnt. "Uzulis fasst sehr lesenswert das Auf und Ab eines Mannes zusammen, der seine Begabungen zu nutzen wusste und doch... bis zum Ende seines Lebens stets ein Opfer seiner dunklen Leidenschaften blieb."

Das empfiehlt die WochenSpiegel-Redaktion

Und was empfehlen die Schreiberlinge des WochenSpiegels? Stefan Schröder (Redaktion Bitburg) liest aktuell "Morenga" von Uwe Timm, auch dies ein historischer Roman, in dem der Autor den Kolonialkrieg des Deutschen Kaiserreichs gegen aufständische Hereros und Hottentotten in Deutsch-Südwestafrika beschreibt. "Das lese ich gerade zum dritten Mal."
Uneingeschränkt offeriert Svenja Pees (Trier) die Romanreihe "SPQR" von John Maddox Roberts. Antiheld Decius Caecilius Metellus muss im antiken Rom Mauscheleien und Morde aufklären und verliebt sich immer in eine der Drahtzieherinnen. Grandios daran: "Roberts Verknüpfung fiktiver Personen mit realen Ereignissen und Personen - und der bitterböse Humor des hellwachen Decius." Und manchmal, verspricht Pees, könne man sogar laut lachen, was beim Lesen ja eher selten passiert.
Andrea Fischer (Hochwald/Mosel/Ruwertal) begeistert sich für "Liebe wird überschätzt" von Valeria Parrella, das Lebenslügen in den Mittelpunkt stellt. Die Tochter eines Paares, das sich ein Leben lang ´harmonisch betrügt`, stellt für sich fest, dass Liebe wohl überbewertet wird. Ein schweres Thema witzig erzählt. Renate Feyl heißt die Entdeckung von Petra Geisbüsch (Wittlich).Vorbildlich recherchiert, erzählt die Philosophin in einer bemerkenswert reichen Sprache die Lebensgeschichten bedeutender Frauen des 18. und 19. Jahrhunderts: Elisabeth Vigée, Luise Adelgunde Victorie Gottsched, Sophie von La Roche oder Caroline von Wolzogen. "Dafür koch´ ich spätabends noch einen Kaffee, um wach zu bleiben. Und ansonsten immer noch und immer wieder "Pippi Langstrumpf".

PUG

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