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Kirche Sankt Paulus ist nach Gottesdienst eintweiht

Stadt Trier. Zum letzten Mal haben Gläubige am 5. November in der Trierer Kirche Sankt Paulus gemeinsam mit Weihbischof Franz Josef Gebert einen festlichen Gottesdienst gefeiert: Im Anschluss wurde die vor 110 Jahren geweihte Pfarrkirche profaniert, also "entweiht". Während an diesem Tag viele Menschen kamen, um Abschied zu nehmen, waren es in den vergangenen Jahren oft weit unter 20 Gläubigen, die die Sonntagsmesse besuchten. Im Herbst 2016 hatte die Pfarrgemeinde selbst den Entweihungsprozess eingeleitet. Mit Gebert zelebrierten den Gottesdienst Dr. Hans Günther Ullrich, Pfarrverwalter der Trierer Innenstadtpfarrei, der Trierer Dechant Ralf Schmitz, sowie die Diakone David Bruch und Werner Oberheim.

"Dieser Abschied ist ein trauriger, ein schmerzhafter Moment, aber wir sollten uns auf das besinnen, was bleibt: unsere persönliche Gottesbeziehung", begrüßte Pfarrer Dr. Hans Günther Ullrich die Gläubigen in Sankt Paulus. Auch Weihbischof Gebert griff diesen Gedanken in seinen Worten an die Gemeinde auf. Es gelte zunächst, "Danke" zu sagen für all die Gottesdienste, Taufen, Trauungen, Trauerfeiern, die in den vergangenen 110 Jahren seit der Weihe der Kirche hier stattgefunden hätten. "Der Raum ist voll von diesen Erfahrungen. Die Trauer, etwas lieb Gewonnenes aufgeben zu müssen, ist berechtigt. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass unsere Kirche auf Jesus Christus erbaut ist. Räume, Gebäude können Punkte und Stationen in unserem Leben sein, aber jeder einzelne Christ ist selbst das Haus Gottes."

"Der Glauben wird nicht austrocknen"

In seiner Predigt ging Gebert weiter auf die Fragen ein, die mit der Profanierung aufkämen. "Nach 110 Jahren gottesdienstlichem Leben fragen wir uns natürlich: Was sind die gesellschaftlichen und kirchlichen Entwicklungen, die uns hierher gebracht haben und wie soll es weiter gehen?" Fakt sei, so der Weihbischof, dass in den westlichen Industrienationen die Gestalt der Kirche oftmals nicht mehr mit dem gemeindlichen Leben vor Ort zusammenpasse. "Der Mantel ist uns einfach zu groß geworden." Statt nach einer Salamitaktik zu agieren, sei er dafür, klare, wenn auch schmerzhafte Schnitte für die Zukunft zu machen. Genau wie ein großer Fluss eine Kulturlandschaft präge, hätte das kirchliche Glaubensleben die Menschen im Bistum geprägt. "Nun ist da die Angst, dieser Fluss könnte vollständig austrocknen, die religiöse Landschaft zu einer Steppe werden. Aber der Glauben wird nicht aus-trocknen, es wird immer wieder an verschiedenen Orten Brunnen geben, also Menschen oder Gruppen, die sich weiter für den Glauben engagieren und ihn so lebendig halten. Wir sollten nicht nur auf die Zeichen der Zeit reagieren, sondern sie aktiv gestalten", ermutigte Gebert die Gemeinde.

"Pauluskirche würdigen Abschied geben"

Im Anschluss an den Gottesdienst wurde das Profanierungsdekret des Bischofs verlesen und die Monstranz mit dem Allerheiligsten in einer kleinen Prozession durch die Innenstadt in die rund 400 Meter entfernte Pfarrkirche Sankt Gangolf gebracht. Wie es mit Sankt Paulus weitergeht, ist noch Unklar. "Wichtig war uns, der Pauluskirche einen würdigen Abschied zu geben", sagte Pfarrverwalter Ullrich. Dazu gehörte auch die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes mit dem Kirchenchor Sankt Antonius und Sankt Paulus und Musikern des Kammerorchesters unter der Leitung von Organist Christian Braun. Am Abend zuvor hatten zudem viele Menschen die Möglichkeit zum privaten Abschiednehmen in einer frei gestalteten Gebetsstunde genutzt und den Gedenkflyer mit 15 Fotos mitgenommen.

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