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Liebesbetrug im Internet: Zuerst die Herzen, dann das Geld

Wenn Tinder, Facebook und Co. zur Falle werden

Stadt Trier. Es fängt ganz harmlos an: mit einem kurzen Chat oder einer netten E-Mail von einem charmanten Unbekannten. Doch hinter den attraktiven Profilbildern können sich sogenannte »Scammer« verbergen – die ihre Opfer schamlos ausnutzen. Es ist eine regelrechte Industrie: Mit falschen Profilen erobern Betrüger aus Westafrika im Internet einsame Männer und Frauen. Die Opfer sind doppelt ruiniert: finanziell und emotional.

Region. »Hallo, mein Name ist Joselyn. Sie sind eine wunderschöne Frau. Ich würde gerne mehr über Sie erfahren.« Das war die erste Nachricht, die Martina S. (Name von der Redaktion geändert) eines Abends in ihrem Facebook-Messenger fand. Sogleich schaut sie sich sein Profilbild an: Gut sieht der Mann aus, der die 56-jährige Krankenschwester anschreibt. Franzose aus der Nähe von Paris, Leitender Angestellter in einem Industrieunternehmen, verwitwet, 52 Jahre alt, ein Kind. Auf den Fotos ist ein schicker Mann zu sehen, eigentlich genau ihr Typ. Er hat eine sportliche Figur, ein tolles Lächeln, und dann Schnappschüsse mit seinem Sohn, die beiden beim Sport, im Urlaub, zu Hause auf dem Sofa, schlafend – einfach bezaubernd. Martina ist begeistert.

Komplimente gibt es schon lange nicht mehr

Zwischen ihr und ihrem Mann, mit dem sie seit über 20 Jahren zusammenlebt, ist schon lange die Luft raus. Wann er sie zum letzten Mal liebevoll berührt hat, weiß sie schon gar nicht mehr. Die Zeit der Komplimente ist schon lange vorbei. Anders bei Joselyn.

Eine virtuelle Liebesbeziehung entsteht

Er erzählte ihr, er stamme aus einem Vorort in der Nähe von Paris, seine Frau sei an Krebs gestorben und er sei auf der Suche nach einer ernsthaften Partnerschaft. Die 56-Jährige war angetan und begann, mit dem Mann übers Internet zu flirten. Er schickte nette Fotos von sich, von seinem Garten, seinem Haus, seinem Sohn. Machte ihr Komplimente, sprach von der Zukunft. Er habe vor, nach Deutschland zu kommen und sie zu besuchen. »Meine Königin, mein Herz, mein Schönste«, nannte er sie. Er gab ihr alles, was sie jahrelang schmerzlich vermisst hatte: Er gab ihr wieder das Gefühl, eine begehrenswerte Frau zu sein. Martina schwebte auf Wolke sieben. Nach vier Monaten intensiven Schreibens lässt er sie wissen, er sei auf einer Geschäftsreise nach Afrika überfallen worden. Sie möge ihm über die Union Investment Bank Geld schicken, damit er wieder zurück nach Frankreich und anschließend zu ihr kommen könne. Martina wird stutzig und spricht mit einer guten Freundin darüber. Diese reißt ihr die rosarote Brille von der Nase und konfrontiert sie mit der grauen Realität: Martina ist auf einen Betrüger hereingefallen, der es nur auf eines abgesehen hat: ihr Geld.
Sich von der Illusion zu verabschieden, fällt Martina auch heute noch schwer. Von virtuellen Chats lässt sie seither die Finger. »Es tut weh, einfach nur verarscht worden zu sein«, bedauert sie. Im Nachhinein ärgert sie sich über sich selbst, dass sie den Schwindel nicht schon eher entdeckt hat.

Abenteuerliche Geschichten aus dem fernen Afrika

Sie geben sich als Ingenieure, Architekten, Soziologen, Konstrukteure, Ärzte und Computerspezialisten aus. Auf den Fotos des Scammer-Profils bekommen weibliche Opfer einen attraktiven, liebenswerten Menschen präsentiert. Die Fotos sind allerdings gestohlen. Und auch wenn der »Neue« vorgibt, in Amerika oder im europäischen Ausland zu leben, so sitzt er wahrscheinlich irgendwo in Afrika. Davon merken die Opfer allerdings nichts, denn diese Chat-Bekanntschaften sprechen oft recht gut Deutsch oder Englisch oder benutzen häufig Übersetzungstools für ihre Mails.
Die Online-Betrüger schaffen es, sich im Leben ihrer Opfer unverzichtbar zu machen – ohne ein einziges persönliches Treffen: eine kurze Nachricht beim Aufwachen, ein Herz zum Mittagessen, ein liebes Wort vor dem Zubettgehen.

Betrüger geben Afrika-Reise vor

Den Erfahrungen des Landeskriminalamts Rheinland-Pfalz nach geben sie häufig vor, aus beruflichen Gründen nach Afrika reisen zu müssen. Dort beginnen die Schwierigkeiten: Sie mailen ihrem »Partner« die abenteuerlichsten Geschichten; über gestohlene oder konfiszierte Pässe, Überfälle oder einen Krankenhausaufenthalt nach einem Autounfall. Wegen solcher angeblichen Notsituationen bitten sie ihre Opfer in Deutschland um Unterstützung, sie sollen per Bargeldtransfer Geld übersenden, um ihrem »Liebsten« zu helfen. Oft stecken ganze Banden hinter der betrügerischen Masche.

Beim Online-Dating einen kühlen Kopf bewahren

Zunächst ist es einmal wichtig, bei all den Emotionen beim Online-Dating einen kritischen Kopf zu bewahren. Das Problem ist in der Regel, dass man sich Hals über Kopf in sein virtuelles Gegenüber verliebt und dabei die Vernunft rasch über Bord wirft. Es ist für die Betroffenen unverständlich, dass ausgerechnet dieses einzigartige, einfühlsame Wesen am anderen Ende der Leitung ein Fake sein soll.

So schützen Sie sich

Tipps, wie Sie sich schützen können, gibt es hier. Wie sie Fake-Profile erkennt und Fake-Accounts auf Facebook entlarven, erfahren Sie hier.

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