Daniela Wiesner

"Wir wollen den Mindestlohn ohne Wenn und Aber"

Stadt Trier. "Gute Arbeit ? soziales Europa" - unter dieser Devise stand in diesem Jahr die traditionelle Maikundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Bei frühlingshaftem Wetter ließen es sich die Interessenten am Tag der Arbeit nicht nehmen, sich näher über die Ziele zu informieren. Hierzu begrüßte DGB?Bezirksgeschäftsführer Christian Z. Schmitz neben politischen Vertretern des Bundes- und Landtages auch Repräsentanten aus der Kommunalpolitik. Als besondere Gäste hieß er den Landesbezirksvorsitzenden der Gewerkschaft Nahrung?Genuss?Gaststätten (NGG) in Südwest, Uwe Hildebrandt, sowie Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen willkommen.

In seiner Begrüßungsrede dankte Schmitz den vielen Vertretern der Politik und allen, die bislang an der Betriebsratswahl teilnahmen. Unumgänglich sei jedoch, darauf hinzuweisen, dass trotz der guten wirtschaftlichen Situation des Staates die Einkommensschere immer weiter auseinandergehe. Er wies eindringlich darauf hin, dass besonders in den Arbeitsfeldern, wo Fachkräftemängel herrsche, auch die Bedingungen und Bezahlungen verbessert werden müssten. Nicht vergessen solle man überdies, die Inklusion in das Arbeitsleben mit einzubeziehen, denn bei den meisten Menschen sei bereits eine erforderliche Ausbildung gegeben.

"Wir werden ihnen Dampf machen"

Bevor Klaus Jensen seine Rede eröffnete, gab eine 26?köpfige Personengruppe der Gewerkschaft Verdi mit Beschilderungen zu wissen: "Die gesetzliche Pflege liegt am Boden ? jetzt mehr Personalbemessung für gute Arbeit im Krankenhaus". Dabei galt es darauf hinzuweisen, dass man in der Pflegebranche mehr Personal brauche. Der Hinweis Jensens, die Pflege von Menschen werde lange nicht so gut vergütet wie die Pflege von Autos, erntete riesigen Applaus. Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs seien weiterhin noch rund 3.000 Trierer ohne sozialversicherungspflichtige Beschäftigung oder "nur" geringfügig beschäftigt. Jensen hob besonders die erstmalige Förderung der Bürgerservice gGmbH durch die Stadt Trier hervor, die bislang 17.000 Menschen auf dem Arbeitsmarkt betreute, und richtete seinen besonderen Dank gleichfalls an deren Mitarbeiter. Jensen nannte den 1. Mai einen internationalen Feiertag und erinnerte etwa an die unmenschlichen Arbeitssituationen in Bangladesch. Auch er hielt den bereits schon erwähnten Mindestlohn ? ohne jede Ausnahme ? für unverzichtbar.

 

 

"Gute Arbeit soll ins unserem Land auch gut bezahlt werden"

In seiner Rede verwies Hildebrandt auf Betriebe, die immer noch ohne Betriebsräte seien und wo sogar bestehende Betriebsratsmitglieder "auf abartige Weise" durch die Firmenleitung ihres Amtes enthoben und ihrer Arbeitsplätze beraubt würden. "Wer so etwas macht, gehört nicht in den Chefsessel, sondern ins Gefängnis", ist die Meinung des NGG?Landesbezirksvorsitzenden. Dieser Satz wurde mit tosendem Beifall durch die circa 250 Gäste bekundet. Dabei gab er den interessierten Zuhörern zu wissen, dass Demokratie nicht vor den Werkstoren ende, sondern auch über die Grenzen hinaus gehe. Hierbei nannte er besonders die Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland und Spanien. Der Mindestlohn ab 2015 sei längst überfällig, denn besonders die Branche der Fleischverarbeitung sei sehr in Verruf geraten. "Der Mindestlohn muss ohne Wenn oder Aber für alle gelten, denn sonst ist es kein Mindestlohn, sondern ein Schweizer Käse mit Löchern. Die Würde des Menschen kennt keine Ausnahmen." Auch sollte die gleiche Vergütung für Frauen (Equal Pay) vom ersten Arbeitstag an gelten. Er stellte auch die weitere Forderung, bis 67 zu arbeiten, infrage.

Darüber hinaus konnte man sich an den Informationsständen zahlreicher Gewerkschaften informieren. Das gesamte Programm wurde musikalisch unterstützt durch die Gruppe "Two 'n' Two".

rm/Fotos: Michels

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