Martina Greve

Lernort Bauernhof: Wissen erleben

Ralingen. "Mindestens einmal im Schülerleben muss ein Kind oder ein Jugendlicher einen landwirtschaftlichen Betrieb besuchen!", forderte der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Leo Blum, während der Pressekonferenz "Lernort Bauernhof" in Ralingen-Olk.

Auf dem Betrieb der Familie Clemens und Marita Bisenius begleiteten Vertreter der Medien eine zweite Klasse der Grundschule in Trier-Feyen. Der Betrieb der Familie Bisenius ist Mitglied der Aktion "Lernort Bauernhof". Diese Aktion wurde 2008 ins Leben gerufen und ist eine Gemeinschaftsinitiative des rheinland-pfälzischen Landwirtschaftsministeriums, des Kultusministerium, des Pädagogischen Landesinstitutes Rheinland-Pfalz, der Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz, und der Bauern- und Winzerverbände in Rheinland-Pfalz, der Landwirtschaftskammer, der Landfrauenverbände sowie der Evangelischen Landjugendakademie in Altenkirchen. Ziel des "Lernort Bauernhof" ist es, der Entfremdung der Verbraucher zur Lebensmittelerzeugung entgegen zu wirken. Das Wissen um die Landwirtschaft und die Lebensmittelerzeugung, so Präsident Blum, sei oft sehr mangelhaft.

"Lernort Bauernhof"

Die Landwirte seien bereit, diese Lücken zu schließen: "Wir Landwirte fangen dort an, wo Wissen vermittelt wird: In der Schule!" Rund 50 Betriebe in Rheinland-Pfalz nehmen an der Aktion "Lernort Bauernhof" teil. Mit ihr wurde eine Institution ins Leben gerufen, die sich um die landwirtschaftlichen Betriebe bemüht. Mindestens einmal pro Jahr müssen sie an einer Fortbildung teilnehmen und werden auf die Anforderungen vorbereitet, die die Pädagogik an sie stellt. Laut Blum könnten die Betriebe über 900 Schulen in Rheinland-Pfalz betreuen.

Auch Kindergärten sind mit dabei

Hinzu kämen noch unzählige Kindergärten. Weitere 150 landwirtschaftliche Unternehmen seien in der Initiative "Bauernhof als Klassenzimmer" aktiv. Der praxisorientierte Unterricht gewinne immer mehr an Bedeutung. Er wirke der Verunsicherung der Verbraucher bezüglich der Lebensmittelherstellung entgegen. Eine Bevölkerung, die über die Erzeugung ihrer Nahrungsmittel Bescheid wisse, könne Informationen bis hin zu Skandalen besser einordnen und verarbeiten.

 

Gerade in Deutschland müssten die Landwirte die höchsten Umwelt-, Tierschutz- und Hygienestandards einhalten. Jeder neuer Stall sei gelebter Tierschutz. Darüber hinaus sei auch der Standort Deutschland der tierschutz- und umweltfreundlichste weltweit. Das Wissen um diese Vorteile am Standort Deutschland wirke sich auch auf die Selbstsicherheit der landwirtschaftlichen Unternehmen aus. Kinder und Jugendliche, die heute bereits Kontakt zu landwirtschaftlichen Unternehmen haben, würden auch im Erwachsenenalter ihren Ansprechpartnern treu bleiben und bei Bedarf Kontakt mit "ihren" Bauern aufnehmen.

Bedeutung für die Gesundheit

Präsident Leo Blum forderte das Kultusministerium auf, in den Lehrplänen Platz für das Thema Landwirtschaft und Nahrungsmittelerzeugung zu schaffen. Hier müsste auch der Besuch eines Bauernhofes integriert werden. Dies wäre ein wirklicher Beitrag zum lebenslangen Lernen. Ein solcher Besuch sei die geistige Eintrittspforte für die jeweils persönliche Auseinandersetzung mit der Nahrungsmittelproduktion und der gesunden Ernährung. Diese hätten in unserer Gesellschaft immer noch nicht den Platz, der ihnen eigentlich von der Bedeutung für die Gesundheit der Menschen zukommen müsse.

 

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