Auch Adenau steckt im Prinzenschuh

Adenau. Wenn der Kölner Prinz Christian II. (Krath) und die Jungfrau Griet (Ralf Schumacher) in dieser Session durch die Karnevalssäle ziehen, sind Sie – wie schon viele Vorgänger – in Schuhen aus den Händen von Wilfried Müller unterwegs.

Viele individuell angefertigte Maßschuhe gehen jedes Jahr durch die Hände von Orthopädie-Schuhmachermeister Wilfried Müller. Es gibt jedoch zwei Modelle, die jedes Jahr wiederkehren – und jedes Jahr auch nur ein einziges Mal angefertigt werden. Es sind keine gewöhnlichen Schuhe. Denn Wilfried Müller fertigt die rot-weißen Schuhe des Kölner Karnevalsprinzen sowie der Kölner Jungfrau. Ohne die beiden Paare würden zwei Drittel des berühmten Kölner Dreigestirns nur in weißen Strumpfhose herumlaufen. Unvorstellbar!

Das bedeutet auch, dass diese Schuhe unter anderem in Adenau angefertigt werden. Denn neben seinem Hauptgeschäft am Maternusplatz in Köln-Rodenkirchen betreibt Wilfried Müller in der Stadt am Nürburgring ein Schuhgeschäft sowie ein Sanitätshaus mit Orthopädie-Schuhtechnik. Und so reisen die Prinzenschuhe einige Wochen lang zwischen Müllers Werkstätten in Köln und Adenau hin und her. »Angemessen werden sie in Köln, gefertigt habe ich sie in Adenau«, sagt der Orthopädie-Schuhmachermeister.

Seit er 1984 den elterlichen Betrieb übernommen und sich selbstständig gemacht hat, wandeln die Kölner Prinzen und Jungfrauen auf Müllers Sohlen. Zuvor hatte er ein Jahr in einem Kölner Betrieb gearbeitet, der die Schuhe bis dahin herstellte. Heute ist Wilfried Müller im Kölner Karneval zwar kaum noch unterwegs. Doch damals zog er mit seiner damaligen Lebensgefährtin, die als Sängerin in der Session bis zu zehn Auftritte am Tag hatte, von Veranstaltung zu Veranstaltung. So lernten die Karnevalisten Orthopädie-Schuhmachermeister Wilfried Müller zunehmend kennen.
»Neben den Schuhen für  Prinz und Jungfrau wurden in der Vergangenheit auch viele Stiefel für die Tanzpaare aller großen Karnevalsgesellschaften wie  Rote Funken, Blaue Funken, Prinzengarde, Ehrengarde und anderen gebaut«, erzählt Wilfried Müller.

 »Es ist klassische Maßschuharbeit«, berichtet Müller: »Die designierten Tollitäten kommen dann zu mir, wenn sie wissen, dass sie als neues Dreigestirn angenommenes werden.« Üblicherweise werden im August die Maße genommen, der Leisten erstellt sowie die Anproben und Schäfte gemacht. »Denn im Oktober werden die Schuhe zur Anprobe des gesamten Ornats gebraucht«, weiß Müller. 
»Die Ausführung und Farbkombinationen der Schuhe und Stiefel sind streng traditionsgebunden«, verrät Müller mit einem Lachen. Das gilt natürlich auch für das charakteristische Rot. Der Prinzenschuh entspricht dem Muster eines allgemein üblichen Herrenslippers mit Gummizug. Das Leder ist ein glattes »Boxcalf«, dünn gespalten.

Auch wenn die Prinzenschuhe nicht einmal ein Jahr lang getragen werden, müssen sie robust sein. »Der Prinz absolviert ja ein paar Hundert Auftritte darin. Da muss der Schuh die Form behalten«, sagt Müller. So sind formbeständige Kappen zum Beispiel Pflicht. Auch wenn die Füße von Prinz und Jungfrau beim Tanzen und Hüpfen ins Schwitzen kommen, darf das dem Schuh nichts anhaben.
Damit die roten Schuhe eines Prinzen sowie einer Jungfrau im Kölner Karneval würdig sind, müssen sie natürlich immer perfekt aussehen. »Einmal ist eine Spange abgerissen«, erinnert sich Müller. Aber das sei in der Werkstatt schnell behoben worden. Für dringende karnevalistische Fälle bietet der Orthopädie-Schuhmachermeister sogar einen Notdienst. »Der ist aber erst einmal in Anspruch genommen worden«, sagt Wilfried Müller.

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