Das Virus infiziert die Wirtschaft

Adenau. Das Coronavirus hat nicht nur Menschen infiziert und sorgt für Todesfälle. Das Virus hat auch unsere Wirtschaft "befallen". Es bedroht Unternehmen in unserer Region und damit auch viele Arbeitsplätze.

Das Corona-Virus hat uns fest im Griff: Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe (Donnerstag, 26. März, 11 Uhr) waren im Kreis Bad Neuenahr-Ahrweiler 56 Bürgerinnen und Bürger mit dem heimtückischen Virus infiziert und insgesamt 432 Personen in häuslicher Quarantäne (Angaben der Kreisverwaltung). Besonders deutlich wird in diesen Tagen auch, wie stark unser Ehrenamt in unserer Gesellschaft verankert ist und vor allem wie sehr wir es brauchen. Unzählige Helfer von DRK, Feuerwehr und anderen Organisationen sind für uns rund um die Uhr im Einsatz.

"Die große Wellekommt erst noch"

Tausende Unternehmer, egal ob Kleinstbetriebe oder Mittelständler, fürchten um ihre Existenz, wissen nicht, wie sie die nächsten Monate wirtschaftlich überstehen sollen. Gastronomie, Hotellerie und der so oder so schon durch Online geschwächte Einzelhandel - in unseren Innenstädten herrscht Endzeitstimmung. Vor allem, weil keiner weiß, wie lange diese Situation noch anhält: "Das größte Problem ist die Unsicherheit. Auch die Politiker und Virologen scheinen ratlos und das kommt natürlich auch bei uns an", sagt Günther Uhl, Stellvertretender Kreisvorsitzender des DEHOGA Kreisverbands Ahrweiler und Inhaber des Hotel Krupp in Ahrweiler.

Was er und seine Kollegen - der Kreisverband zählt rund 180 Betriebe - jetzt bräuchten, sei eine Perspektive, "ein Licht am Ende des Tunnels". Von vorsichtigem Optimismus bis hin zu Panik sei unter seinen Kollegen alles vertreten."Es gibt Vergleiche dieser Situation mit einem Tsunami und wir befinden uns gerade in der Phase, in der sich das Wasser zurückzieht. Die große Welle kommt also erst noch. Ich denke daher, dass die nächsten zwei bis drei Wochen entscheidend sein werden", so Uhl.

Vor allem eines sei für die Hotellerie jetzt wichtig: eine behördlich angeordnete Schließung der Hotels. "Nur so haben wir die Rechtssicherheit für Gebührenentlastungen!" Dass Mitarbeiter durch Kurzarbeit aufgefangen werden könnten sei gut, aber die Betriebe bräuchten jetzt "echte" Hilfen und Zuschüsse, Stundungen alleine seien nicht genug: "Sonst wird auf den Tourismus in unserer Region eine große Veränderung zukommen", malt Uhl ein düsteres Bild.

Großer Dank andie Mitarbeiter

Auch die Einzelhändler blicken mit sorgenvollem Blick ins leere Ladenlokal. Keine Kunden, keine Umsätze, doch die Kosten laufen weiter. "Es ist, als hätte jemand den Stecker gezogen. Wir haben seit dem 18. März unsere Türe geschlossen, nur die Post und der Zeitungsverkauf sind weiterhin geöffnet, alle Mitarbeiter sind in Kurzarbeit", schildert Hans-Hermann Radermacher, Inhaber des Kaufhaus Fabry in Adenau, die Situation, die der der meisten Einzelhändler gleicht. Zum Glück hätten die Mitarbeiter sich sehr verständnisvoll und kooperativ gezeigt, spricht Radermacher seinem Team ein Lob aus.

"Ich hoffe, dass wir wieder in ruhigere Fahrwasser kommen. Entscheidend wird für den Einzelhandel in und um Adenau nach der Krise aber sein, dass die Menschen wieder Lust bekommen, vor Ort einkaufen zu gehen", hofft der Geschäftsmann auf bessere Zeiten.

Flexibilität ist in Zeiten der Krise gefragt

Um Mitarbeiter, quasi das Kapital der Unternehmen, vor der Arbeitslosigkeit zu schützen, haben sich viele Unternehmen in der Region bereits dazu entschieden, Kurzarbeit zu beantragen: "Ich habe die Mitglieder der Aktivgemeinschaft noch einmal auf die auslaufende Frist zur Anmeldung der Kurzarbeit hingewiesen", sagt Reiner Friedsam, Vorsitzender der Aktivgemeinschaft "Wir sind Sinzig" und Inhaber einer Werbeagentur. Für viele Unternehmer in Sinzig sei die Lage kritisch: "Wir versuchen dennoch alle uns in dieser schwierigen Zeit neu zu positionieren und flexibel zu sein. Das reicht von ausgebauten Online-Aktivitäten über Hotlines. Das gesamte Angebot haben wir gebündelt und kann auf unserer Homepage (www.ag-sinzig.de) mit einem Blick erfasst werden", so Friedsam.

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