Traumjob zwischen "Ruhm und Ruin"

Nürburg. Ohrenbetäubender Lärm empfängt Manfred Strack an diesem Morgen an der Rennstrecke auf dem Nürburgring. Mit über 200 Sachen rasen die Teilnehmer der VLN-Langstrecken-Meisterschaft an der Haupttribüne vorbei. Es ist der Sound, den der 44-Jährige liebt und den er dutzendfach erleben durfte. Doch an diesem Tag übertönt die Nachricht von der Insolvenz der Nürburgring GmbH die Freude darüber.

Für Manfred Strack war die Arbeit am Nürburgring stets ein Traumjob. Nun hat ihn die Realität eingeholt. Der langjährige Mitarbeiter fürchtet um die Existenz der legendären Rennstrecke und damit um die der zahlreichen Mitarbeiter. Wenige Stunden vor dem Start des VLN-Rennens hat die Landesregierung die Einleitung des Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Bad Neuenahr-Ahrweiler bestätigt. Strack hat dies, genau wie vieles andere in den vergangenen Tagen, nur über die Medien erfahren können. "Mit uns hat niemand gesprochen", sagt er. Stattdessen muss der Mitarbeiter lesen, sehen und hören, dass der Nürburgring aufgrund millionenschwerer Steuerverschwendung der Landesregierung für deutschlandweite Negativ-Schlagzeilen sorgt. Hautnah miterleben muss er indes, wie die Berichterstattung bei den Ring-Fans ankommt. "Im Info-Center standen zahlreiche Besucher und wollten ihre DTM-Tickets zurückgeben." Zu groß ist offenbar die Angst, die Eintrittskarten könnten bis Mitte August ihre Gültigkeit verlieren.

 

An ein Aus der Rennveranstaltungen will Strack gar nicht denken. Für ihn ist sie sehr viel mehr als ein Arbeitsplatz. "Ich wäre bereit, für den Nürburgring mein letztes Hemd zu geben", sagt er. Die Arbeit für die legendäre Einrichtung habe ihn stets mit Stolz erfüllt. Bereits sein Großvater und Vater standen am Ring in Lohn und Brot. Sein Vater war Streckenwärter, bekam an der Einfahrt in Breitscheid eine Dienstwohnung gestellt. "Ich bin quasi neben der Strecke groß geworden", berichtet Strack. Als Ordner verdient er sich in seiner Jugend etwas Taschengeld, später absolviert er eine Ausbildung zum Bürokaufmann bei der Nürburgring GmbH. Er durchläuft verschiedene Bereiche, erst im Start- und Zielhaus, dann im Rechnungswesen, bis er schließlich 1991 eine Stelle im Veranstaltungsmanagement annimmt. Bis 2010 ist er Angestellter der Nürburgring GmbH, danach wechselt er zur Nürburgring Automotive GmbH, die zum 30. April den Betrieb von Rennstrecke, Hotellerie und Gastronomie übernimmt. Strack ist inzwischen Teamleiter des Veranstaltungsmanagements. Der 44-Jährige hat während dieser Zeit viele Höhen und Tiefen miterlebt. Zu seinen absoluten Highlights zählt das Jahr 1995, in dem erstmals wieder ein Formel 1-Rennen am Ring starten durfte. "Waschkörbe voll mit Ticket-Anfragen erreichten uns", erinnert sich der Adenauer. Innerhalb kürzester Zeit war die Veranstaltung ausverkauft. Überhaupt hätten die Events in ihrer Anfangszeit  einen wahren Boom erlebt. Ob Formel 1 oder Truck Grand-Prix - die Rennen seien gut besucht gewesen. Für Strack waren die motorsportlastigen Wettkämpfe stets das Herz des Rings. Daher konnte er auch nicht nachvollziehen, warum die Rennstrecke um eine überdimensionierte Erlebniswelt erweitert werden sollte. "Schon das alte Rennsport-Museum hatte nicht ausreichend Besucher", weiß er. Er musste miterleben, wie sein damaliger Chef, Hauptgeschäftsführer der Nürburgring GmbH Dr. Walter Kafitz, in seiner Vision von einem dem Motorsport angelehnten Freizeitpark nicht zu bremsen war. "Man hat uns damals versucht, die Finanzierung des Projekts zu erklären. Durchgeblickt hat von den Mitarbeitern niemand mehr." Und Nachfragen seien nicht erwünscht gewesen. Kristische Berichterstattungen mehrten sich in der Folge. Die gescheiterte Privatfinanzierung, die Millionen Steuergelder, die in das Projekt flossen, das Nicht-Funktionieren der Achterbahn - all das kratzte am Mythos Nürburgring.  Strack war stets stolz auf seinen Arbeitsplatz. Erst in der jüngsten Vergangenheit bekam er die negativen Auswirkungen auch im privaten Bereich zu spüren: "Überall wurde ich dumm von der Seite angequatscht. Am Ende bin ich nur noch ungern ausgegangen." Trotz des Abwärts-Trends kamen die Ereignisse für ihn überraschend: "Ich hätte nie gedacht, dass eine Landes-Tochter Insolvenz anmelden würde." Dennoch will er nicht an ein Ende des Rennsports am Ring denken. "Entscheidungen müssen nun schnell getroffen werden", appelliert der 44-Jährige. Seiner Meinung nach ist eine Trennung von Hotel- und Gastronomiebereich von dem Betrieb der Rennstrecke unerlässlich. "Der Ring braucht die Region und die Region braucht den Ring" - das habe er immer gesagt und dabei bleibe er auch. Doch nun sind erst einmal andere gefragt, ihr "letztes Hemd" zu geben. "Beeinflussen kann man die Dinge jetzt nicht mehr."

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