Anvisiert und versenkt

Altenahr. Jeden Tag steht Michael Pauli aus Alten­ahr an seinem Billardtisch im Dachgeschoss. In Holland ist er Profispieler. Hierzulande ist er Mittelrheinmeister.

Wer schon einmal in der Kneipe Billard gespielt hat, ist bestrebt, möglichst viele Kugeln in die sogenannten Taschen zu bugsieren. Das allerdings ist für Profis gar nicht die große Kunst, wie Michael Pauli aus Alten­ahr verrät: »Gesenkt bekommt man die Kugel fast immer. Wichtig ist, dass man die weiße Kugel so spielt, dass sie für den nächsten Stoß gut liegt.« Michael Pauli ist aktueller Mittelrheinmeister in der Billard-Disziplin »9-Ball«. Im »Black Ball« ist er in den Niederlanden sogar als Profispieler unterwegs – und das als einziger Deutscher. »Mit Kneipensport hat das nichts mehr zu tun«, umschreibt er das Niveau der Turniere – und schwärmt von holländischen Turnieren: »Da ist für die Zuschauer Feiern und Brüllen erlaubt. Die Stimmung kann man nicht beschrieben.«

Unfall beim Fußball

Schon als Jugendlicher hat Pauli ein halbes Jahr im Verein gespielt. »Aber die Entfernung war zu groß, sodass ich aufgehört habe«, sagt er. Als Hobby blieb es ihm aber erhalten. Wesentlich ambitionierter war er im Fußball unterwegs. Bis in die Bezirksliga schaffte er es. Doch 1999 hatte er einen Unfall beim Fußball und der Arzt riet ihm, mit dem Fußballspielen aufzuhören. Michael Pauli musste nicht lange überlegen, dass er sich nun verstärkt dem Billard widmen wollte. Er begann, beim PBC Bad Marienberg im Westerwald, wo er damals lebte, zu trainieren. Und er zeigte Talent. »Der Verein hatte Mannschaften in verschiedenen Spielklassen. Nach drei Wochen war in der Landesliga-Mannschaft Not am Mann und ich bin direkt da eingestiegen«, berichtet Pauli. Nur ein Jahr später spielte er bereits in der Oberliga.

Ballgefühl

Michael Pauli baut auf sein Ballgefühl. Das hat ihn schon in anderen Sportarten überrascht. »In den späten Neunzigern habe ich mich nur aus Spaß bei einem Kickerturnier zur Qualifikation der Deutschen Meisterschaften angemeldet. Da bin ich Dritter geworden und war qualifiziert«, erinnert er sich schmunzelnd. Früher hat er drei bis vier Mal wöchentlich sechs bis acht Stunden trainiert. »Vor ein paar Jahren habe ich mich mit einem Profimusiker unterhalten. Der hat mir erzählt, dass die Musiker nur eine Stunde üben, dafür aber täglich«, so Pauli. Das hat er ebenfalls probiert und gemerkt, dass er so effizienter trainiert. Wichtig ist auch das Material, mit dem er spielt. Er stellt selbst Queues sowie Spitzen dafür her und bezieht Tische im Nebenerwerb als Subunternehmer für das Unternehmen »Billard Royal«, das ihn auch sponsert. Manche Spitzen aus mehrlagigem Leder kosten sogar 20 Euro. Er selbst nutzt aber Spitzen, die nur einen Euro kosten. »Damit kann ich einfach am besten spielen«, erklärt Michael Pauli.
Mit einigen seiner Kunden steht auch per WhatsApp in Kontakt. »Die fragen mich dann in schwierigen Spielsituationen, was sie machen sollen«, erzählt er.

Regeln

- Beim »9 Ball« liegen neun nummerierte Kugeln und die weiße auf dem Tisch. Beide Spieler nutzen die gleichen Kugeln. Direkt angespielt wird die Kugel mit der niedrigsten Zahl auf dem Tisch.
- Beim »Black Ball« gibt es sieben rote sowie sieben gelbe Kugeln und die schwarze Acht. Gewonnen hat, wer zuerst die Kugeln der eigenen Farbe sowie zuletzt die schwarze Acht versenkt hat.


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