Kein Karneval, wie wir es kennen

Ministerpräsidentin äußert sich zur anstehenden Session

Ahr. Klare Regelungen zu Karnevalsveranstaltungen sind den Worten von Malu Dreyer aber nicht zu entnehmen.

"Fastnacht und Karneval sind genauso wie Ostern, Weihnachten fest im Jahreskalender verankert. Trotzdem ist klar, dass es die fünfte Jahreszeit, so wie wir sie kennen, in der nächsten Kampagne nicht geben wird." Das hat Ministerpräsidentin Malu Dreyer nun nach Gesprächen mit Vertretern der Rheinischen Karnevals-Korporationen (RKK) und des Bundes Deutscher Karneval (BDK) erklärt. Sie war sich mit den Verbänden einig, dass Fastnacht in anderer Form stattfinden könne. "Fastnacht hat sich schon oft neu erfunden und auf schwierige Zeiten eingestellt. Auch die zahlreichen Umfragen der vergangenen Tage hätten gezeigt, dass die ganz überwiegende Mehrheit der Fastnachter sich nicht vorstellen könne, Saal-Fastnacht oder närrische Großveranstaltungen zu besuchen. Mit Blick auf die Sitzungskampagne sei nicht vorstellbar, dass Menschen vier bis sechs Stunden auf engstem Raum gemeinsam singen und schunkeln. "Die Fastnacht ist kreativ und wird neue Formate finden", so die Ministerpräsidentin weiter. Es gebe inzwischen zahlreiche Online-Angebote, Live-Streams von Veranstaltungen mit reduzierten Teilnehmerzahlen, aber auch wunderbare kleine Formate, zum Beispiel einzelne Auftritte in oder vor sozialen Einrichtungen, in Kindertagesstätten etc. Gleichzeitig zeigte sie Verständnis dafür, wenn Vereine zu dem Ergebnis kommen, in diesen ungewissen Zeiten keine Veranstaltungen durchführen zu wollen.

"Unsere Mitgliedsvereine wünschen sich Planungssicherheit, auch um finanzielle Risiken auszuschließen. Sie lieben und leben den Karneval. Wir müssen alles tun, um das vielfältige und tolle Ehrenamt in diesem Bereich zu stärken. Karneval ist toll, Gesundheit ist besser", bekräftigte der Präsident der RKK Hans Mayer. Der BDK dankte der Ministerpräsidentin für ihr Verständnis und wies darauf hin, dass sich Fastnacht und Karneval eben nicht im weinseligen Schunkeln in vollbesetzten Sälen und in Straßenumzügen erschöpft, sondern auch musikalische und politisch-literarische und Kokolores-Beiträge zu bieten hat, die nicht allein auf die herkömmlichen Feierformen angewiesen sind. "Fastnachter und Karnevalisten sind kreativ, sie finden neue Darbietungsformen und können so trotz Krise präsent sein", betonte der Präsident des BDK Klaus-Ludwig Fess.

Eine klare Aussage, ob oder welche Veranstaltungen verboten oder erlaubt werden, tätigte Dreyer somit nicht. Viele Karnevalsvereine und -veranstalter wünschen sich aber klare Richtlinien. Im Kreis Ahrweiler gehen die Karnevalsvereine - wie berichtet - aktuell unterschiedlich mit der Situation um. Die Vereine der Rheinschiene zwischen Oberwinter und Brohl haben sich darauf verständigt, Saalveranstaltungen und Umzüge in der anstehenden Session abzusagen. So verfährt auch die KG Blau-Weiss Neuenahrer Schinnebröder. Die KG "Bunte Kuh" Walporzheim will Veranstaltungen vorbehaltlich der Genehmigungen in kleinerem Rahmen durchführen. In Altenahr und Adenau steht die Vorgehensweise noch nicht gnaz fest.

Am heutigen Freitag berät die Ministerpräsidentin zunächst mit den Kommunalen Spitzenverbänden über Änderungen der Corona-Regeln. Anschließend wird der Ministerrat neue Regelungen beschließen, da die aktuelle Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes am 15. September ausläuft. Ab 17.30 Uhr will die Ministerpräsidentin in einer Pressekonferenz über die Ergebnisse informieren.

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