Psychologen helfen Betroffenen und Helfern am Telefon

Hotline eingerichtet

Ahr. Die Psychologen und Psychotherapeuten der Dr. Ehrenwall'schen Klinik in Ahrweiler leisten an der kostenlosen "Flut-Hotline" unter Tel. 0800 729 5729 psychologische und professionelle Hilfe.

Viele Betroffene, aber auch Helferinnen und Helfer haben in den vergangenen Tagen Eindrücke gesammelt und Erlebnisse gehabt, die die menschliche Vorstellungskraft nahezu übersteigen. Diese Belastung sollte nicht unterschätzt werden. Um bei der Verarbeitung dieser traumatischen Erlebnisse eine erste Hilfe zu erhalten, hat die IKK Südwest gemeinsam mit dem Eichenberg-Institut und Therapeuten der Dr. Ehrenwall'schen Klinik in Ahrweiler ein kostenfreies Hilfetelefon eingerichtet. Zu erreichen ist die "Flut-Hotline" montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 729 5729. Ziel der kostenfreien telefonischen Beratung ist es, möglichst schnell psychologische und professionelle Hilfe zu leisten. Therapeuten können Betroffene kurzfristig stabilisieren, bei der Trauma-Bewältigung helfen, aber auch mit Tipps und Fachwissen unterstützen. Ziel der Soforthilfe ist es auch, Anzeichen für langfristige psychische Erkrankungen zu erkennen. Den Anrufern stehen rund 20 Psychologen und Psychotherapeuten bei der Bewältigung ihrer Traumata und akuten Belastungsstörungen telefonisch zur Seite. Die Therapeuten können sich sehr gut in die Lage der Anrufer versetzen, da sie größtenteils selbst im Ahrtal leben, betroffen sind und somit selbst Ähnliches erlebt haben.

Psychologe Markus Schmitt, Leitender Psychologe der Ehrenwall'schen Klinik, weiß: "Tausende, die überlebt haben, wurden Zeugen von Menschen, denen sie nicht helfen konnten. Viele Betroffene sind jetzt an dem Punkt, an dem die gefühlte Ohmacht weicht und sie immer mehr realisieren, was passiert ist." Verlust von Angehörigen und Existenz spiele dabei eine zentrale Rolle, so Schmitt. "Bei den zahlreichen und oft ungeübten Helfern sind es die schrecklichen Erlebnisse und Bilder der Rettungsaktionen, die sie begleiten und jetzt zu ersten Symptomen führen. Hier ist die Selbstaufopferung oft so groß, dass Menschen darunter zusammenbrechen. Mit der Hotline können wir jetzt sinnvoll intervenieren und dazu beitragen, posttraumatische Belastungsstörungen zu vermeiden."

Neben der Prävention von Traumafolge-Störungen können die Hotline-Experten bei der Stabilisierung der Betroffenen unterstützen, psychische Symptome frühzeitig erkennen und bei Bedarf auch bei der Suche nach ambulanten und stationären Psychotherapien unterstützen. Anrufen können unmittelbar Betroffene der Flutkatastrophe, belastete Helfer*innen, aber auch Freunde und Angehörige von Betroffenen, die das Gefühl haben, psychologische Unterstützung zu benötigen.

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