Weinblätter sind begehrtes Diebesgut

Ahr. Die Weinlese wird in diesem Jahr so früh beginnen wie seit 150 Jahren nicht. Viele Winzer haben allerdings derzeit mit einem Phänomen zu kämpfen. Unbekannte berauben die Reben ihrer Blätter. Und das in großem Stil.

 Auch wenn die Vermutung nahe liegt: Es ist nicht die Hitze, die vielen Winzern im Ahrtal derzeit zu schaffen macht, sondern ein anderes Phänomen. An immer mehr Rebstöcken werden illegal Weinblätter entfernt. Nach Ansicht des  Weinbauverbands Ahr werden die Blätter zu »gefüllten Weinblättern«, wie sie aus der arabischen Küche bekannt sind, verarbeitet. »Die Blätter werden allerdings in solchen Mengen gestohlen, dass wir davon ausgehen müssen, dass es kein Eigebedarf ist, sondern die Gastronomie mit den Blättern beliefert wird«, erklärt Hubert Pauly, Präsident des Weinbauverbandes Ahr. In diesem Zusammenhang hat der Weinbauverband in einer Pressemitteilung darauf hingewiese, dass ein Entfernen der Weinblätter von einer Rebe ohne vorherige Rücksprache mit dem betreffenden Winzer verboten ist.

Rebentriebe brauchen Laub zum Überleben

Die Ahrwinzer rechnen in diesem Jahr mit einer deutlich früheren Weinlese als in den Vorjahren. Ihre eigenen Laubarbeiten haben sie bereits vor einigen Wochen abgeschlossen. »Durch die professionelle Entfernung der Blätter in der Traubenzone sorgen die Winzer für eine gute Durchlüftung und Abtrocknung der Trauben, ohne dass ein besonderer Einsatz von Pflanzenschutz benötigt wird«, erklärt Hubert Pauly. Umso wichtiger sei die Schonung der aktuell verbliebenen Weinblätter, um die Ertrags- und Qualitätsbildung in den Trauben zu fördern. »Die rund 14 noch vorhandenen Blätter für die normalerweise pro Trieb existierenden zwei Trauben müssen unbedingt erhalten bleiben«, so der Weinbaupräsident. Sind es zu wenige Blätter an einem Trieb, führe das zu einer Qualitätsminderung der Ernte und damit zu wirtschaftlichen Schäden für den Winzer, so der Weinbaupräsident. »Wer sich für Weinblätter interessiert sollte sich frühzeitig mit örtlichen Winzern in Verbindung setzen und mit diesen die Entnahme von Weinlaub, möglichst unter fachlicher Begleitung, abstimmen«, so Pauly. In diesem Erntejahr sei der geeignete Zeitpunkt dafür allerdings schon vorbei, berichtet der Weinbauverband, denn die Weinlese im Ahrtal beginnt in diesem Jahr früher.

Lese beginnt rund zwei Wochen früher

»Für uns ist es der früheste Lesebeginn seit der Gründung unserer Winzergenossenschaft vor 150 Jahren«, erklärt Matthias Baltes, Geschäftsführer der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr. »Die sehr frühe Blüte und das gute Wetter im Frühjahr sind zwei wichtige Faktoren. Vom Beginn der Blüte an rechnet man etwa hundert Tage. Deshalb weden wir voraussichtlich Mitte August mit der Lese der Solaris-Trauben beginnen. Vielleicht sogar früher«, sagt Baltes. Auch Thomas Monreal, Vorstandsvorsitzender der Dagernova Winzergenossenschaft, rechnet mit einer frühen Lese. »Alle Rebsorten sind zwei Wochen früher reif als in den letzten Jahrzehnten. Daher müssen wir in diesem Jahr früh mit der Lese beginnen, damit in den Trauben noch eine gewisse Säurestruktur vorhanden ist, die dem Wein eine längere Lagerfähigkeit verleiht. Das Wetter in diesem Jahr ist vergleichbar mit dem Jahr 2003. Der Jahrgang hat hervorragende Weine hervorgebracht. Durch den Mangel an Säure waren diese leider nicht sehr lange lagerfähig«, so der Dagernova-Vorstandschef.

Ortega und Solaris machen den Anfang

Florian Schreier, Kellermeister des Ahrweiler Winzervereins, hofft ebenfalls darauf, dass  sich das Wetter noch einige Wochen hält. »Wenn es so bleibt, werden wir wohl in der dritten Augustwoche mit der Lese der Rebsorte Ortega beginnen, aus der auch Federweißer hergestellt wird. Ende August wird dann der Frühburgunder gelesen. Dann folgen Dornfelder und Müller-Thurgau«, erklärt der Kellermeister. Hubert Pauly hofft ebefalls auf gleichbleibende Witterung. »Hin und wieder etwas Regen kann nicht schaden. Wenn es allerdings in den nächsten Wochen zuviel regnet, könnten die Trauben anfällig für Fäulnis werden«, verrät der Winzer und Weinbaupräsident.

Weinlaub-Klau

Der Weinbauverband Ahr weist in einer Pressemitteilung auf die Folgen des Diebstahls von Weinlaub hin. Zu finden ist die ausführliche Mitteilung online in deutscher und arabischer Sprache unter:
www.awbauern.de

 

 

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