Die große Frage nach dem Heizen

Ahrtal-Bewohner müssen sich auf den Herbst einstellen

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Energieversorgung Mittelrhein (evm) arbeitet an einer neuen Gashochdruckleitung für Bad Neuenahr-Ahrweiler. Nicht alle Häuser werden bis zum Winter wieder versorgt sein. Hausbesitzer müssen sich nun um Heizalternativen kümmern.

In den vergangenen Tagen hat sich der Herbst bereits angekündigt. »Die dringendste Frage ist nun: Wie kommen wir über den Winter?«, fragte Guido Orthen, Bürgermeister von Bad Neuenahr-Ahrweiler, bei einem Pressegespräch der Energieversorgung Mittelrhein (evm). Unzählige Öl- und Gastanks wurden weggeschwemmt, die 133 Kilometer Erdgasleitung der evm in großen Teilen zerstört. »Wo es keine Infrastruktur gibt, werden wir über Notunterkünfte reden müssen«, so Orthen. Die evm und die Energienetze Mittelrhein (enm) arbeiten mit allen verfügbaren Kräften an Lösungen.

»Die Reparatur sowie der Neubau zerstörter Leitungen erfolgt hier im Rekordtempo. So entsteht derzeit innerhalb weniger Wochen eine komplett neue Hochdruckleitung, für die sonst zwei Jahre Planungs- und Bauzeit nötig wären«, sagt der evm-Vorstandsvorsitzende Josef Rönz. Einige Orte in der Grafschaft wurden über eine Transportleitung von Unkelbach aus schon nach drei Tagen wieder mit Erdgas versorgt. In den Wintermonaten könne es zu Engpässen kommen, da dort nur eine begrenzte Menge durchgeleitet werden kann. Schnell wurden auch Leitungen in Sinzig und Bad Bodendorf instandgesetzt.

Die Hochdruckleitung verläuft von Kripp aus über Sinzig und Bad Bodendorf nach Bad Neuenahr-Ahrweiler und folgt im Wesentlichen der Ahr. Um die Orte südlich der Ahr wieder zu versorgen, werden in Höhe Lohrsdorf und bei Heppingen derzeit unterirdische Ahrquerungen neu geschaffen. Wenn diese mit dem Netz auf der anderen Ahrseite verbunden wurden, kann die Wiederaufnahme der Gasversorgung südlich der Ahr vorbereitet werden. »Wir rechnen damit, dass wir die Haushalte dort im Lauf des Monats Oktober wieder anschließen können«, erklärt Dr. Andreas Hoffknecht, Technischer Geschäftsführer der enm: »Allerdings erleben wir bei der Beseitigung der Flutschäden jeden Tag neue Überraschungen.«

Zwischen Heppingen und Walporzheim, wo das Gasnetz endet, ist die Hochdruckleitung so beschädigt, dass das Netz dort nicht mehr nutzbar ist. Deshalb wird zwischen Lohrsdorf und dem Kreisverkehr Ringener Straße eine Hochdruckleitung auf neuer Trasse, teils unterhalb der Weinberge, gebaut. Vom Kreisverkehr aus kann die Leitung mit dem bestehenden Netz verbunden werden. Daneben müssen für den Betrieb 14 Gasdruckregelanlagen repariert oder teils gar neugebaut werden. Zudem müssen mit Unterstützung anderer Energieversorgungsunternehmen mehrere Tausend Hausanschlüsse zeitaufwendig kontrolliert und gereinigt werden. Die enm schätzt, dass die Erdgasversorgung zwischen Bad Neuenahr nördlich der Ahr und Walporzheim nicht vor Jahresende in Betrieb geht.

Daher empfiehlt sie, sich zeitnah um eine Übergangsversorgung in Form von Flüssiggas zu kümmern. Hierzu stehe Propan Rheingas als Partnerunternehmen der evm zur Verfügung. Die Verträge mit den Haushalten werden ohne Kündigungsfristen sein, sodass sie enden, sobald der Gasanschluss wieder funktioniert. Eine provisorische Umstellung auf Flüssiggas sei in der Regel ohne großen Aufwand möglich, so die evm. Dienstags von 9 bis 13 Uhr und freitags von 12 bis 16 Uhr steht ein Fachberater im evm-Kundenzentrum an der Ringener Str. 25 in Bad Neuenahr-Ahrweiler zur Verfügung. Alternativen sind strombetriebene Heizungen.

»Wir dürfen Land und Bund nicht aus der Pflicht nehmen«, betonte Bürgermeister Orthen: »Es werden Provisorien aufgebaut und deren Finanzierung darf nicht aus erhöhten Netzentgelten wieder eingeholt werden.«

Stets aktuelle Informationen zum Versorgungsstatus gibt es auf der Hochwasserseite der Energienetze Mittelrhein und der Internetseite der Energieversorgung Mittelrhein.


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