Ruht der Ball bald für immer?

Verein bangt um Existenz

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Tischtennisspieler des TuS-PSV Bad Neuenahr-Ahrweiler können weder trainieren noch spielen – im Gegensatz zu den Vereinen im Umfeld. Denn der Kreis hält seine Sporthallen geschlossen.

Steht die Spielgemeinschaft TuS-PSV Bad Neuenahr-Ahrweiler bald vor dem Aus? Der Vereinsvorsitzende Wolfgang Poppelreuter sieht zumindest skeptisch in die Zukunft. Zwar seien die fünf Herren- und zwei Jugendmannschaften des Vereins noch komplett. Doch viele Spieler überlegten bereits, zu benachbarten Vereinen zu wechseln. Denn dort können sie im Gegensatz zum TuS-SPV trainieren und spielen. »Die gerade in 2019 neu gewonnenen Kinder und Jugendlichen weichen auf andere Sportarten aus«, befürchtet Poppelreuter.

Anfang September hat für die Vereine im Tischtennisverband Rheinland/Rheinhessen die Saison begonnen. Doch beim TuS-PSV bleiben die Schläger in ihren Hüllen. »Nach rund sechs Monaten ohne Training ist das zu gefährlich. Bei ruckartigen Bewegungen hat man sich schnell verletzt – vor allem, wenn man etwas älter ist, wie die meisten Tischtennisspieler«, sagt Poppelreuter.

Eigentlich trainiert und spielt der Verein in der Sporthalle der Philipp-von-Boeselager-Realschule, die in Trägerschaft des Kreises Ahrweiler steht. Seit dem Lockdown ist jedoch Schicht im Schacht für den TuS-PSV. Ganz im Gegensatz zu den anderen Tischtennis-Vereinen und -Abteilungen im Kreis Ahrweiler. Denn diese spielen in Sporthallen anderer – meist kommunaler – Träger. Und im Gegensatz zum Kreis haben die Städte und Gemeinden ihre Sporthallen für den Vereinssport wieder freigegeben. Nur der Tuwi Adenau ist ebenso betroffen.

Den Vereinsmitgliedern fehlt inzwischen jegliches Verständnis für ihre »Sonderstellung«. Mit Blick auf die Corona-Maßnahmen kritisiert Poppelreuter: »Bei der Formel 1 am Nürburgring dürfen 20.000 Fans rumturnen. Bei uns dagegen halten sich doch nur zehn Mann in einer riesengroßen Halle auf.« Dabei sei es Fakt, dass »Tischtennis eine kontaktlose Sportart ist, bei der die Spieler mindestens 2,74 Meter Abstand einhalten«. Das entspricht der Länge eines Tisches.

Und es seien Hygienekonzepte gemäß den Vorgaben des Deutschen Tischtennisbundes erarbeitet worden. Zum Beispiel müssten pausierende Spieler einen Mund-Nasen-Schutz tragen und Abstand halten und die Tische würden regelmäßig desinfiziert. Gesprächsersuche habe die Kreisverwaltung abgelehnt, so Poppelreuter.

Diesen Vorwurf weist die Kreisverwaltung zurück. Man stehe »in engem Austausch mit dem TuS-PSV Ahrweiler, aber auch vielen anderen betroffenen Vereinen«. Zwar habe die Landesregierung den Sportbetrieb im Innenbereich unter verschiedenen Auflagen wieder ermöglicht. Die Entscheidung über die Hallenöffnung treffe aber der Betreiber – in diesem Fall also die Kreisverwaltung.
Gemäß Leitfaden des Landesbildungsministeriums und Empfehlung des Gesundheitsamtes sei der Sportunterricht draußen dem Sportunterricht drinnen vorzuziehen. Somit finde in den kreiseigenen Schulen der Sportunterricht nur im Ausnahmefall in Hallen statt. Wenn aber die Schulen die Sporthallen grundsätzlich nicht nutzten, könne der Kreis »aus Infektionsschutzgründen natürlich nicht dem Vereinssport und damit Dritten die Hallennutzung gestatten«. Dies gelte umso mehr, da der Kreis auch Infektionsschutzbehörde sei und somit bei einem signifikanten Anstieg der Corona-Fallzahlen lokale Lockdown-Maßnahmen anordnen müsse.

Zwar seien die Sporthallen während der Ferien üblicherweise geschlossen, doch die Kreisverwaltung arbeite an einem Konzept, um den Vereinssport während der Herbstferien zuzulassen. »Wir werden diesbezüglich in Kürze auf die Vereine zugehen«, heißt es aus dem Kreishaus. Und man gehen davon aus, dass Schul- und Vereinssport nach den Ferien in den kreiseigenen Hallen wieder stattfinde – sofern die Infektionszahlen im Kreis Ahrweiler stabil bleiben.

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.