Schüler trainieren Bevölkerungsschutz und Sicherheitspolitik

Trainingstage im AKNZ

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Wie steuert man die Rettungskräfte bei einer Überschwemmung? Wie hilft man bei einem Ereignis mit vielen Verletzten? Das lernten die Abiturienten des Rhein-Gymnasiums im AKNZ.

Das schwere Atmen von Dieter Sebastian hört sich beinahe so an wie das berühmte Röcheln von »Star Wars«-Bösewicht Darth Vader. Nur ist Sebastian nicht in schwarz gekleidet, sondern trägt eine quietschgrüne unförmige Montur. Mit Hilfe seines Kollegen Gerd Uelpenich entsteigt er dem Schutzanzug vor den Augen einiger Abiturienten des Sinziger Rhein-Gymnasiums.

Erste Trainingstage mit Schülern

Der Anzug soll Dieter Sebastian im Gefahrgut-Einsatz vor chemischen Stoffen schützen. Jetzt ist er allerdings nicht im Einsatz. Jetzt bringen er und Gerd Uelpenich den Abiturienten die Aufgaben der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) näher, die das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) bei Bad Neuenahr-Ahrweiler betreibt.
Es war das erste Mal, dass die Akademie mit einer Schule die Trainingstage »Bevölkerungsschutz und Sicherheitspolitik« durchgeführt hat. An drei Tagen waren rund 65 Abiturienten des Rhein-Gymnasiums zu Gast.
»Unser Anliegen ist es, die Akademie bekannter zu machen und den Abiturienten zu zeigen, welche beruflichen Möglichkeiten sie in dem Berufsfeld haben«, erläuterte Thomas Mitschke, Leiter der AKNZ. So unterrichteten die Dozenten die Schüler zum Beispiel über den Aufbau und die Aufgaben des BBK und des AKNZ. Es gehe allerdings nicht nur um die Vermittlung von Informationen, betont Mitschke: »Die Trainigstage sind interaktiv.«
So wurden zum Beispiel die Fragen behandelt, welche psychosozialen Aspekte bei der Arbeit eine Rolle spielen, wie die sozialen Medien als Kanäle in bestimmten Situationen genutzt werden können und wie mit Verletzten umgegangen wird. In einem inszenierten »MANV« (Massenanfall von Verletzten), einem Szenario mit sehr vielen Verletzten, schlüpften sie in die Rolle der Ersthelfer.

Entscheidungen treffen

»In unserem Übungsbefehlsstand haben wir die Schüler Stab spielen lassen«, berichtete Mitschke. Dort sollten sie eine Hochwasserlage im Kreis Ahrweiler bewerkstelligen. »Dabei haben sie einen Einblick erhalten, wie komplex die Strukturen in so einem Fall sind«, erläuterte Mitschke. Überschwemmungen, eine fehlende Trinkwasserversorgung und Heizungsausfälle stellte das Szenario als Aufgabe. Die Schüler mussten Entscheidungen treffen, was zu tun ist. »Da stellt sich die Frage: Wen rette ich zuerst bei einem Mangel an Einsatzkräften und Material«, führt Dozent Ulf Krüger aus: »Da haben wir von den Schülern echt gute Argumente für und gegen verschiedene Aspekte bekommen.« Auch interessante Diskussionen habe es gegeben. »Es kam zum Beispiel die Frage auf, ob man Einsatzressourcen in die Rettung von Haustieren steckt oder nicht. Manche Schüler meinten ja, andere meinten nein«, berichtet Krüger.
Dabei war es den Dozenten auch ein Anliegen zu zeigen, wie viel eine Notfallvorsorge jedes Bürgers in solchen Fällen bereits bewirken kann. Auch auf die Frage, wie man die Bevölkerung bei Stromausfall warnen könne, gingen die Abiturienten ein und kamen auf die Lösung, Lautsprecherwagen einzusetzen.
»Wir beschäftigen uns mit vielen Szenarien, die in Richtung Verteidigungsfall gehen«, so Mitschke: »Ich bin überrascht, dass Kriegsszenarien durchaus schon in den Köpfen der jungen Menschen waren.« Solche Szenarien seien für die Abiturienten nicht unrealistisch.

Verantwortliche waren zufrieden

Mit den Trainingstagen waren die Verantwortlichen der AKNZ und des Gymnasiums zufrieden. »Zum Schulprogramm gehört auch die Methoden- und  Kommunikationskompetenz. Im AKNZ konnten die Schüler sehen, was es bringt, Kommunikationskompetenz zu besitzen«, sagte Schulleiter Dr. Jens Braner. Für die Abiturienten waren das Training am AKNZ ein Bestandteil der Tage »auf den Spuren der Bonner Republik«, wie Lehrer Norbert Heidgen es formulierte. Dabei besuchten die Schüler neben dem AKNZ auch das Friedensmuseum in Remagen und die Dokumentationsstätte Regierungsbunker bei Ahrweiler.

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