Was wünscht sich die CDU-Basis?

Reaktionen nach dem Rücktritt Annegret Kramp-Karrenbauers

Bad Neuenahr. Der angekündigte Rücktritt Annegret Kramp-Karrenbauers als CDU-Parteivorsitzende und potentielle Kanzlerkandidatin nach dem Wahl-Debakel in Thüringen schlug auch bei den Christdemokraten in der Region hohe Wellen.

Voraussichtlich in der kommenden Woche wird Annegret Kramp-Karrenbauer Gespräche mit potentiellen Nachfolgern führen. Im Gespräch sind derzeit der Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens, Armin Laschet, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz. Das sagen CDU-Mitglieder der Region:

Guido Orthen, Bürgermeister der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler: "Nachdem Frau Kramp-Karrenbauer als Vorsitzende der Bundes-CDU bei der thüringischen CDU-Landtagsfraktion nicht durchgedrungen ist, war klar, dass ihre Autorität nicht hinreicht, die Reihen der CDU zu schließen. Insoweit war der Schritt konsequent." Einen Kandidaten für die Nachfolge möchte Orthen zu diesem Zeitpunkt nicht nennen: "Als Parteivorsitzenden der CDU wünsche ich mir jemanden, der gleichermaßen das christlich-soziale wie das wertkonservative Profil der CDU schärfen kann. Der Kanzlerkandidat sollte ebendiese Profilschärfe und gleichzeitig die Koalitionsfähigkeit mit Bündnis90/Die Grünen mitbringen. Denn das Thema Klima und Umwelt muss auch bei der CDU ganz oben auf der Agenda stehen."

Horst Gies, MdL und Kreisbeigeordneter, bedauert den Schritt Kramp-Karrenbauers. Sie habe die CDU und CSU wieder näher zusammengebracht. Aufgabe der Basis und der Bundes-CDU sei es nun, "sobald alle Karten offen auf dem Tisch liegen", über den Parteivorsitz sowie die Kanzlerkandidatur zu diskutieren. Eine Trennung der beiden Ämter sei aus seiner Sicht nicht sinnvoll.

Reaktion verdiene Respekt

Auch Achim Juchem, Bürgermeister der Gemeinde Grafschaft, zollt Kramp-Karrenbauer Respekt: "Politik steht für den Dienst an der Gemeinschaft, der durch persönliche Haltung, Verlässlichkeit und Antworten auf sich ändernde Lebensumstände geprägt ist. Der Rücktritt von Frau Kramp-Karrenbauer zeigt, dass sie die Verlässlichkeit innerhalb der eigenen Partei nicht mehr sieht. Frau Kramp-Karrenbauer bewahrt, wie im Juni letzten Jahres Andrea Nahles, ihre persönliche Haltung, indem sie Platz für eine(n) neue(n) Parteivorsitzende(n) macht. Dies verlangt zunächst einmal Respekt." Jetzt gelte es, Inhalte zu diskutieren: "Bevor man über eine(n) Nachfolger(in) spricht, sollte man sich zunächst über sachliche Inhalte der Politik der nächsten Jahre angesichts der vor uns liegenden Probleme und Herausforderungen klarwerden. Ich bin guter Dinge, dass dies gelingen wird und sich damit auch ein(e) Nachfolger(in) finden wird. Die jetzt aufkeimende Personaldiskussion erachte ich persönlich als verfrüht", so Juchem.

Reaktion aus Adenau

Ähnlich sieht es Michael Korden, Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes Adenau: "Zunächst muss man anerkennen, dass Frau Kramp-Karrenbauer die Aufgabe als Parteivorsitzende hoch engagiert angegangen ist und für ihre Mission gekämpft hat. Leider hat sie zwischenzeitlich nach gutem Start das Fortune verlassen und zunehmend an öffentlicher Zustimmung verloren. Dies selbstkritisch zu erkennen und aus freien Stücken selbst einen geordneten Rückzug zu organisieren, verdient Respekt."

Auf die Frage nach einem Nachfolger hat Korden konkrete Vorstellungen: "Als Nachfolger denke ich an drei Herren aus NRW, die unterschiedliche Stärken mitbringen aber jeder für sich das Format zum CDU-Vorsitzenden und auch Bundeskanzler hätte. Dies ist Friedrich Merz, der frühere CDU-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, hochkompetent insbesondere in Wirtschafts- und Finanzfragen, erfahren und durchsetzungsstark und zugleich ein guter Redner ist. Zu nennen ist Armin Laschet, der als Ministerpräsident des größten Bundeslandes bewiesen hat, auch unterschiedliche Gruppen und Interessen zusammenzubringen und eine erfolgreiche Regierungspolitik vorzeigen kann. Und dann gibt es noch den Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der fleißig und beherzt große "Baustellen" im Gesundheitswesen anpackt und jeden Monat zwei Gesetze durch den Bundestag bringt - und deutlich jünger als die beiden anderen Genannten für einen modernen Politikstil und Zukunftsthemen steht. Vielleicht gelingt es ja, dass sich die Drei aus NRW untereinander einigen, wer in einem gemeinsamen Führungsteam, welche Aufgabe übernimmt. Dies wäre sicherlich ein Gewinn für die Politik in Deutschland."

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