Ein Landrat der keiner ist

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Von Mario ZenderDie unfassbare Naturkatastrophe mit über 140 Toten hat im Ahrtal für ein unvorstellbares Leid gesorgt. Was bleibt sind unzählige menschliche Schicksale, viele finanziell ruinierte Menschen und noch mehr Bewohner, die aktuell nicht wissen, wie es weitergeht. Wer ist schuld, dass im Ahrtal so viele Menschen sterben mussten? Dieser Frage stellen sich nicht nur die Betroffenen, sondern ganz Deutschland. Wurde zu spät oder nicht konsequent genug gewarnt? Hätten Menschenleben bei früherer Alarmierung durch den Krisenstab in sicheren Gefilden überlebt? Schnell wird auch die Frage nach der Schuld gestellt. Dabei ist ein Name ganz oben auf der „Hass-Skala“ der sozialen Netzwerke: Landrat Dr. Jürgen Pföhler. Er habe, so wird kritisiert, viel zu spät den Katastrophenfall ausgerufen und eine Teil-Evakuierung angeordnet. Ob dies so ist, müssen nun die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Koblenz ergeben. Seit Freitag ermittelt sie gegen Pföhler und ein weiteres Mitglied des Krisenstabs. Diese Ermittlungen muss man abwarten. Eine Vorverurteilung wäre nicht in Ordnung. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt auch für Pföhler, wie für jeden Ladendieb auch, die Unschuldsvermutung. Deshalb ist eine Rücktrittsforderung in diesem Punkt nach meiner Meinung zum jetzigen Zeitpunkt bedenklich. Anders sieht es beim Verhalten von Pföhler nach der Flutwelle aus. Ein Landrat muss für seine Bürger da sein. Ihnen Mut machen, sie trösten, ihre Sorgen anhören. Doch was macht Pföhler? Er ist nicht zu sprechen. Anfragen nach einem Interview werden von seiner Pressestelle mit fadenscheinigen Argumenten abgebügelt. Auch sonst tritt Pföhler nicht auf, nicht bei den Einsatzkräften, nicht bei den vielen freiwilligen Helfern. Noch nicht einmal, als Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Ahrtal kam, um sich einen Überblick vom Ausmaß des Schadens zu verschaffen, war Landrat Pföhler dabei. Ein Landrat, der in einer solchen Krise nicht für seine Bürgerinnen und Bürger da ist, den braucht der Kreis Ahrweiler nicht. Das Verhalten von Pföhler nach dem Unwetter ist dem Amt eines Landrates nicht würdig. Die Bevölkerung braucht jetzt einen Macher, der für sie da ist. Das Ahrtal muss einen durchsetzungsstarken Mann oder durchsetzungsstarke Frau an der Spitze haben. Und niemanden, der sich wegduckt, versteckt oder für die Menschen unerreichbar ist. Am Freitag hatte er dann zur Pressekonferenz geladen. Doch wenige Stunden vor Beginn wurde sie kurzfristig wegen „Terminüberschneidungen“ abgesagt. Der Landkreis Ahrweiler braucht keinen Wegducker, Verstecker oder Taktierer. Er braucht eine starken Kreisspitze, die sich jetzt für die Region nun einsetzt, dass schnell und konkret geholfen wird und der Aufbau beginnt. Das ist mit Jürgen Pföhler nicht möglich. Deshalb sollte er umgehend seinen Hut nehmen und Platz machen für einen Landrat oder Landrätin, der oder die für die Menschen da ist, für ihre Interessen kämpft und sich einsetzt. Das brauchen diese mehr denn je. @Mail an den Autor: mzender@weiss-verlag.deVon Mario ZenderDie unfassbare Naturkatastrophe mit über 140 Toten hat im Ahrtal für ein unvorstellbares Leid gesorgt. Was bleibt sind unzählige menschliche Schicksale, viele finanziell ruinierte Menschen und noch mehr Bewohner, die aktuell nicht…

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