Fünfmal hoppeln für 10 km/h

Birresdorf. Es ächzt, es kracht, es ruckelt: Schwellen auf der Behelfsbrücke zwischen Leimersdorf und Birresdorf (L 79) sorgen bei Autofahrern für Ärger. Der Landesbetrieb Mobilität begründet die Maßnahme.

Wer die Behelfsbrücke zwischen Leimersdorf und Birresdorf (L 79) überquert, der muss - je nach Tageszeit und Verkehrsaufkommen - nicht nur Geduld haben, sondern vor allem gute Stoßdämpfer. Der Grund: fünf sogenannte Schwellen, die die Verkehrsteilnehmer seit dem 4. Juli 2019 dazu "zwingen", die vorgeschriebenen 10 km/h einzuhalten. Doch dabei schwingt oft ein ungutes Gefühl mit...

Wie es seitens des Landesbetrieb Mobilität (LBM) Cochem-Koblenz heißt, seien alle zuvor unternommenen Versuche, die Autofahrer zum langsamen und vorsichtigen Fahren über die Brücke zu bewegen, gescheitert. Weder das aufgestellte 10 km/h-Verkehrsschild noch eine zeitweise aufgestellte Ampelanlage, hätten das zu schnelle Fahren verhindert.

Doch das sei dringend notwendig. Denn die einspurig befahrbare Behelfsbrücke, die seit dem schweren Unwetter im Juni 2016 die weggespülte Straße ersetzt, bestehe aus einzelnen Betonplatten. Werde mit zu hoher Geschwindigkeit über die Brücke gefahren, würden die Platten zu "schwingen" beginnen und die Befestigungspunkte der Betonplatten könnten sich lösen, so der LBM. Für Fahrzeuge über 28 Tonnen ist die Brücke ohnehin gesperrt.

Die Angst vor Schäden

Dennoch ist der Unmut über die schwarz-gelben "Hubbel" bei den Autofahrern groß. "Ich sehe ein, dass man etwas machen musste, weil fast jeder zu schnell gefahren ist. Aber ich habe Angst um mein Auto und versuche daher die Strecke zu meiden, wenn es irgendwie möglich ist. Jedes Mal denkt man, das Auto fällt auseinander", sagt Anna Kayser aus Oeverich, die die Brücke bei ihrem Weg zur Arbeit überqueren muss.

Eine Angst, die auch Achim Juchem, Bürgermeister der Gemeinde Grafschaft, nachvollziehen kann. "Die Verärgerung der Bürger ist sehr groß und ich werde häufig auf die Maßnahme angesprochen. Die fünf Schwellen kosten nicht nur Zeit, das Überfahren verursacht vor allem ein ungutes Gefühl. Und mit dem Rad darüber zu fahren macht erst recht keinen Spaß", sagt Juchem.

Auch Klaus Huse, Ortsvorsteher von Birresdorf, ist alles andere als glücklich über die neuen Schwellen: "Mein Telefon hat nach der Installation nicht mehr still gestanden. Die Leute sind einfach genervt von diesen Dingern. Ich habe dem LBM einen Brief geschrieben, aber bisher noch keine Antwort erhalten. Hätte es nicht auch eine Schwelle von jeder Seite getan?"

Wie der LBM auf Nachfrage des WochenSpiegel mitteilt, sei es dringend notwendig gewesen, die "Schwingungen auf der Brücke deutlich zu reduzieren." Aus diesem Grund seien die Schwellen "ganz bewusst vor und hinter der Brücke auf den dort anstehenden Asphalt aufgedübelt" worden. Warum hierzu fünf Schwellen verlegt werden mussten - zwei aus Fahrtrichtung Leimersdorf kommend, drei aus Fahrtrichtung Birresdorf kommend - teilte der LBM nicht mit. Feststehe aber, dass sich die Verkehrsteilnehmer keine Sorgen beim Überfahren machen müssten. "Bei angepasster Geschwindigkeit wird es nicht zu Schäden an Fahrzeugen kommen", so der LBM schriftlich.

Zeit, sich mit den "Geschwindigkeitshemmer" anzufreunden, bleibt allemal. "Die Dauer dieser Lösung hängt von dem zeitlichen Verlauf der Planung und Herstellung des Hochwasserschutzes ab, der federführend von der VG Grafschaft betrieben wird. In diese Hochwasserschutz-Maßnahme wird dann die Neutrassierung der L 79 und die neue Brücke integriert", heißt es vom LBM. Erst vergangenen Dienstag, 30. Juli, wurde die Brücke auf der Unterseite zusätzlich durch Stahlstreben verstärkt, damit auch schwerere Lkw die Brücke befahren können. Insgesamt haben die Schwellen und die zur Verlegung benötigten Vollsperrungen Kosten in Höhe von rund 8.000 Euro verursacht. Weitere 32.000 Euro hätten die Verstärkungsmaßnahmen gekostet.

Achim Juchem glaubt, dass sich die Autofahrer aber an die installierten Schwellen gewöhnen werden. "In der Tat wird auf der Brücke jetzt langsamer gefahren. Und auch die Verständigung über die Vorfahrt klappt sehr gut."

www.lbm.rlp.de

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