Sinziger Kirmes abgesagt

Hauptausschuss stimmt gegen Durchführung

Sinzig. Das Hygienekonzept stand, die Schausteller hatten zugesagt, doch die Politik äußerte Bedenken. In einer Sondersitzung kippte der Hauptausschuss am gestrigen Freitag die Kirmes.

Momentan wünschen sich sicher viele Menschen eine Zeitmaschine, um in die Zeit "vor Corona" zurückversetzt zu werden. Auf der Sinziger Kirmes, die vom 15. bis zum 18. August stattfinden sollte, hätten die Besucher sich zumindest auf dem Fahrgeschäft "Time Machine" vergnügen können. Doch Corona hat diesem Vergnügen nun einen Strich durch die Rechnung gemacht. Eine Verkleinerung des Geländes auf den eingezäunten Kirchplatz, ein Hygienekonzept mit eingeschränkten Besucherzahlen, Alkoholverbot und Desinfektionsmöglichkeiten sowie Verzicht auf Fassanstich, Festumzug und Höhenfeuerwerk - es war alles geplant, damit die 15 Schausteller kommen konnten. Das Hygienekonzept habe die Stadtverwaltung mit den zuständigen Behörden des Landes und des Kreises erarbeitet, heißt es seitens der Stadt.

Dennoch hat der Hauptausschuss der Stadt Sinzig die Kirmes am gestrigen Freitag in einer Sondersitzung gestoppt. Bürgermeister Andreas Geron erklärte: "Zuletzt am 29. Juli wurde in einer Sitzung des Ältestenrats formal und offiziell über den Sach- und Planungsstand informiert. Bedenken gegen die Durchführung der Kirmes sind nicht geäußert worden. Nachdem erstmalig am Montag, 3. August, aus den Reihen der Politik gegenüber mir und der Verwaltung solche Bedenken bekundet worden sind, habe ich unverzüglich eine Sitzung des Hauptausschusses einberufen, um hierüber öffentlich zu beraten und zu entscheiden." Letztlich stimmten sechs Mitglieder des Hauptausschusses gegen die Durchführung der Kirmes, drei dafür und sechs enthielten sich. Er bedaure die Entscheidung, respektiere sie aber selbstverständlich und setze sie auch umgehend um, so Geron.

In diesen Tagen reiche schon der Leichtsinn Weniger, um die Coronawelle wieder anschwellen zu lassen, erklärte Martin Eggert, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Sinziger SPD, im Anschluss an die Sitzung in einer Pressemitteilung. Die zunehmende Zahl der Menschen, die die Mund-Nasen-Masken als lästig empfänden und die Abstandsregeln missachteten, spielten ein Pokerspiel mit dem Einsatz nicht nur der eigenen Gesundheit, sondern auch mit der Gesundheit derjenigen, die angesteckt werden könnten. "Dass die Enttäuschung der Kinder und der Imageschaden für die Stadt der Preis für die Absage sind, nahm die Ausschussmehrheit angesichts der letztlich nicht beherrschbaren Gefahren für die Gesundheit in Kauf", so Eggert.

Seitens der Stadt heißt es, dass noch zu klären sei, inwieweit sich die Entscheidung des Hauptausschusses auch auf weitere Veranstaltungen auswirken werde, die in der Innenstadt geplant seien. Entscheidend dafür werde auch sein, welche Bestimmungen das Land Rheinland-Pfalz ab dem 1. September erlasse. Die aktuelle 10. Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes läuft zum 31. August aus.

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