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136 vernachlässigte Hunde befreit

Tierschutzverstöße: Amtstierärzte des Kreises Ahrweiler retten Vierbeiner aus Drahtkäfigen, Holzverschlägen und Transportboxen.
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Es ist ein Fall, der betroffen macht. In einem Dorf in der Verbandsgemeinde Adenau hatten ein Hundezüchter und seine Frau 136 Hunde - darunter 53 Welpen - in ihrem Privathaus und in angrenzenden Ställen unter unwürdigen Bedingungen gehalten. Eine Genehmigung hatte das Paar nicht. Den Tierärzten des Kreisveterinäramtes gelang es, die Tiere am vergangenen Dienstag nach einem Hinweis auf die eklatanten Tierschutzverstöße zu befreien. Mit der Unterstützung von neun Tierschutzvereinen wurden die Hunde in Tierheimen in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Hessen untergebracht. Dem Ehepaar wurde ein generelles Tierhalteverbot erteilt. Außerdem wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. "Wie die Hunde von diesem Paar gehalten wurden, übersteigt die eigene Vorstellungskraft. 136 Hunde auf dieser Fläche - das ist Tierquälerei", schildert Claus-Peter Krah, Vorsitzender des Tierschutzvereins Kreis Ahrweiler e.V., die Situation, die er und die übrigen Retter vorfanden. Wie die Kreisverwaltung Ahrweiler mitteilt, waren die Tiere in "erheblich zu kleinen Drahtkäfigen, Holzverschlägen und Transportboxen in abgedunkelten Wohnräumen vom Keller bis unter das Dach des Wohnhauses und in Ställen mit wenig Tageslichteinfall eingesperrt". Sogar in Hasenkäfigen seien einige der Hunde gehalten worden. Auch Madeleine von Falkenburg, Leiterin des Remagener Tierheims, das 22 der Hunde aufgenommen hat, ist bestürzt. "Wir haben eine Mutter-Hündin mit ihren sechs Welpen, die rund acht Wochen alt sind, sowie 15 zusätzliche Welpen, die im Schnitt 12 Wochen alt sind, aufgenommen. Sie werden mindestens die nächsten zehn Tage in Quarantäne verbringen müssen. Das Paar hatte keine Papiere, was für uns bedeutet, dass die Hunde erst einmal alle ärztlich versorgt, geimpft, entwurmt und gechipt werden müssen", so Falkenburg. Auch der Zustand der Hunde sei teils besorgniserregend. "Die Hunde waren stark vernachlässigt und viele von ihnen sind unterernährt. Bei dieser Haltung ist es nicht verwunderlich, dass sie außerdem schlecht sozialisiert sind", so Falkenburg. Vor allem die Mutter-Hündin zeige aggressives Verhalten, sei verstört und habe Angst vor Menschen. "Mit einer solchen Hündin hätte kein verantwortungsvoller Züchter mehr gezüchtet. Natürlich überträgt sich die Angst der Mutter auch auf die Welpen", erklärt die Leiterin. Dennoch zeigt sie sich optimistisch, die Hunde vermitteln zu können. "Es wird zwar noch einige Zeit dauern, aber es gibt viele Menschen, die solchen Tieren helfen möchten und es mit Geduld und Liebe auch schaffen." Für das Remagener Tierheim bedeutet die Aufnahme der Hunde jedoch erst einmal viel Arbeit. "Wir wissen ja nicht, was noch alles auf uns zukommt und welche gesundheitlichen Überraschungen noch auf uns warten. Das wird auf jeden Fall eine Heidenarbeit und ich bin froh, so engagierte Mädels im Tierheim zu haben", sagt Claus-Peter Krah. Aber auch finanziell stellt die Aufnahme der 22 Hunde das Tierheim vor eine Herausforderung. "Ein Hund kostet uns rund 20 Euro pro Tag. Dazu kommen noch die Tierarztkosten. Rechnet man das mal 22, kommt eine ordentliche Summe zusammen. Wir werden am Ende - trotz einer Vermittlungsgebühr - auf einem Kostenberg sitzen bleiben", beleuchtet Krah eine weitere Seite der Medaille. Nicht nur wegen der Kosten habe man aber zunächst überlegen müssen, die Hunde aufzunehmen. "Eigentlich sind wir ausgelastet und wir haben derzeit selbst einige Hunde, die schwierig sind und allein gehalten werden müssen. Wir haben dann angeboten vor allem Welpen aufzunehmen, da man diese gut in einem Gehege halten kann", erklärt der Tierschützer weiter.  Einen Vorwurf machen die beiden Tierschützer aber auch den Kunden des Paares. "Ich kann nicht nachvollziehen, dass Leute dort Hunde gekauft haben. Und dass niemand etwas gemerkt haben möchte, ist aus meiner Sicht eine Schutzbehauptung und unmöglich. Wenn man die Hunde gesehen hat, hätte man Lunte riechen müssen. Aber es ist wohl wie nach dem Zweiten Weltkrieg: Niemand will etwas gewusst und gesehen haben", zieht Krah einen radikalen Vergleich. Und auch die Leiterin des Tierheims kann die Kunden nicht verstehen: "Das Paar hat potentielle Käufer nie in das Haus gelassen. Das wäre mir schon suspekt vorgekommen." Verwundert ist Falkenburg auch über die Preise, die angeblich für die Hunde genommen wurden. "Eine Kundin, die anonym bleiben möchte, hat bei uns angerufen, nachdem der Fall bekannt wurde. Sie erzählte mir, sie habe 1.200 Euro für einen Mischlingswelpen gezahlt. Da dachte ich wirklich, ich höre nicht richtig, denn der gängige Durchschnittspreis für einen gesunden, geimpften und gechipten Welpen liegt weit darunter." Sie möchten das Remagener Tierheim unterstützen? Tel.: 02642/21600www.tierheim-remagen.deSpendenkonten: Tierheim u. Tierschutzverein Kreis Ahrweiler e.V., KSK Ahrweiler IBAN DE14 5775 1310 0000 4107 87 + VoBa IBAN DE74 5776 1591 0201 8159 00