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Abschied vom grauen Lappen

Für Dr. Hasso Pacyna aus Bad Neuenahr-Ahrweiler war die Sache klar: Im Alter von nahezu 88 Jahren suchte er die Polizeiinspektion in Ahrweiler auf, um seinen Führerschein abzugeben. Freiwillig.
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Dr. Hasso Pacyna hat sich nach mehr als 65 unfallfreien Jahren aus freien Stücken dazu entschlossen, seinen Führerschein abzugeben. Eine Entscheidung, die ihm nicht leicht gefallen ist. Foto: privat

Dr. Hasso Pacyna hat sich nach mehr als 65 unfallfreien Jahren aus freien Stücken dazu entschlossen, seinen Führerschein abzugeben. Eine Entscheidung, die ihm nicht leicht gefallen ist. Foto: privat

»Immer wieder hört man davon, dass hochbetagte Menschen mit ihren Fahrzeugen Unfälle im Straßenverkehr mit erheblichen Schäden verursachen – zum Teil mit Schwerstverletzten oder gar Todesfällen«, fasst Pacyna zusammen, was ihn selbst zum Grübeln gebracht hat. »Das Festhalten älterer Personen am Führerschein halte ich für unverantwortlich«, so Pacyna weiter.
Deshalb war für ihn die Sache schnell klar: Bevor doch noch etwas passiert, entschied er sich dazu, seine Fahrerlaubnis freiwillig, »und immer noch im Vollbesitz meiner körperlichen Kräfte und geistigen Fähigkeiten«, wie er betont, bei der Polizei abzugeben.
Etliche 100.000 Kilometer war er mit dem »grauen Lappen« seit 1949 unfallfrei unterwegs. »Für die Flensburger Verkehrssünderkartei war ich sogar eine glatte Null-Nummer«, lacht der Senior verschmitzt. »Vielleicht kann ich mit diesem Schritt dazu beitragen, dass einige andere Vertreter meiner Generation sich auch rechtzeitig zu diesem Schritt entschließen«, sagt Pacyna.

EXTRA: Senioren als Risikogruppe

Neben Kindern, jungen Autofahrern sowie Zweiradfahrern zählt die Polizei auch Senioren als Risikogruppe im Straßenverkehr. Die Zahl der Seniorenunfälle hat sich laut Unfall-Statistik der Polizeiinspektion Bad Neuenahr 2015 erneut um 25 Unfälle auf 381 erhöht. 15 Senioren wurden schwer, 49 leicht verletzt. 40 Prozent der verunglückten Senioren waren mit dem PKW,  26,7 Prozent als Radfahrer und 16,7 Prozent als Fußgänger im Straßenverkehr unterwegs. Als Hauptverursacher der Unfälle werden 259 Senioren in der Statistik geführt.

Obergrenze

Keine Altersgrenzen für das Lenken von Fahrzeugen gibt es z.B. in Belgien, Frankreich und Österreich. In anderen Ländern sind ab einem gewissen Alter regelmäßige Untersuchungen vorgeschrieben: In Rumänien muss man alle fünf Jahre, ab 45 sogar alle drei Jahre zum Arzt. In der Schweiz ist ab 70 alle zwei Jahre eine ärztliche Untersuchung vorgeschrieben, in Schweden muss der Führerschein alle zehn Jahre neu gemacht werden. In Dänemark und Finnland ist nach dem 70. Geburtstag sogar nur noch eine maximal fünfjährige Verlängerung möglich.