Sascha Bach

Capricorn kauft den Nürburgring

Das Rennen um den Nürburgring ist entschieden: Die neu gegründete capricorn Nürburgring GmbH mit den Geschäftsführern Dr. Robertino Wild und Adam Osieka hat den Zuschlag für alle Vermögenswerte erhalten. Während sich der Gläubigerausschuss in einer langen Sitzung für das Angebot des in Düsseldorf, aber auch in Meuspath beheimateten Unternehmens entschieden hatte, war der zweite Bieter, die Investmentgesellschaft H.I.G., leer ausgegangen.

Mit dreistündiger Verzögerung traten Nürburgring-Sanierungsgeschäftsführer Prof. Dr. Dr. Thomas B. Schmidt und Sachwalter Jens Lieser vor die Presse, um capricorn als neuen Erwerber des Nürburgrings vorzustellen. Das Transaktionsvolumen liegt bei über 100 Millionen Euro, wovon bis zu 25 Millionen Euro in den Ausbau des Nürburgrings uns seiner Peripherie sowie in die Entstehung eines neuen Automobil Technologie Clusters fließen sollen. Dass teilten die Beteiligten auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz in Koblenz mit. "Der Kaufpreis ist voll durchfinanziert", sagte Wild und versicherte, das operative Geschäft des Rings mit Rennsport, Musikevents, Touristen- und Testfahrten fortführen zu wollen. "Es wird alles im Grunde so weitergehen, wie es bislang war." Und: "Der Nürburgring wird öffentlich zugänglich bleiben." Der Erwerber wird die Vermögenswerte der Nürburgring GmbH zum 1. Januar 2015 übernehmen. Die Ring-Beschäftigten werden dann von der capricorn Nürburgring GmbH übernommen, sodass sie ihren Arbeitsplatz erhalten sollen. Bis dahin führt die Nürburgring Betriebsgesellschaft mbH das operative Geschäft weiter. Allerdings sitze der Investor mit dem 12. März mit im Boot, denn "die Saison muss geplant werden", erklärte Schmidt. Der Vertrag mit dem Erwerber war am Dienstag unterschrieben worden. Dieser besitzt jedoch ein Rücktrittsrecht für den Fall, dass die Europäische Kommission mögliche Beihilferückforderungen geltend machen sollte. Während die EU noch entscheiden muss, gab Wild bereits einen Ausblick auf sein Konzept. "Technologie ist ein Thema, das an den Ring gehört", verwies er auf Kontakte zu verschiedenen Instituten und Hochschulen. Zusammen mit Osieka hoffe er, das "eine oder andere Institut an den Nürburgring locken zu können." Zeitnah werde man versuchen, das Geschäft zu verbessern, sagte Wild und betonte: "Operativ ist der Nürburgring kein Sanierungsfall." Zu den strukturellen Veränderungen gehört die geplante Stilllegung des Ring-Racers. Ende diesen oder Anfang des nächsten Jahres werde er innerhalb von Rheinland-Pfalz umziehen. Zudem soll das Eifeldorf "Grüne Hölle" seinen Betrieb einstellen und zurück gebaut werden, während die Rennstrecken bald wieder dem weltweiten Standard entsprechen sollen. Hier besteht Investitionsbedarf. Die Formel 1 nannte Wild die Königsdisziplin, die zur Königsstrecke gehöre. Sie sei der große Imageträger, müsse allerdings bezahlbar bleiben. Der neue Ring-Inhaber, der das Unternehmen capricorn vor etwa 30 Jahren gegründet hatte und dem mittlerweile rund 350 Mitarbeiter in vier Ländern angehören, darunter etwa 100 in der Meuspather Niederlassung, ist begeisterter Motorsport- und Nürburgringfan. "Ich warte schon das ganze Leben auf den Nürburgring", spielte er vor der wartenden Presseschar mit einem Augenzwinkern auf die verzögerte Verkündung des neuen Erwerbers an. Um die Verantwortung wissend, die man für die direkt und indirekt vom Ring abhängigen Beschäftigten habe, will man einen Beirat installieren. Diesem sollen Experten und Unternehmer aus der Kommune in beratender Funktion angehören. Für diesen Plan erhielt Wild Beifall von den Vertretern der Initiativen "Ja zum Nürburgring" und "Wir sind Nürburgring". Diese hatten am Nachmittag noch im stillen Protest vor dem Koblenzer Hotel verharrt, um sich für den öffentlichen Zugang der Rennstrecke einzusetzen. Lieser bescheinigte capricorn das bessere Konzept im Vergleich zum Mitbewerber. Die Entscheidung im Gläubigerausschuss habe länger als erwartet gedauert. Jedoch habe es ein eindeutiges Votum gegeben. Schmidt sprach von einem schwierigen und langen Tag. Äußerste sich aber letztlich "sehr, sehr glücklich" über die gefallene Entscheidung. Die Capricorn Group legt ihren Fokus auf innovative Tätigkeitsfelder in den Bereichen Automotive, Technologie- und Immobilienentwicklung. Das Unternehmen beliefert die deutsche Automobilindustrie und beschäftigt unter anderem die etwa 100 Mitarbeiter in Meuspath ganzjährig. Capricorn-Eigentümer Wild bildet mit Adam Osieka das Geschäftsführerduo der neu gegründeten capricorn Nürburgring GmbH. Letzgenannter ist geschäftsführender Gesellschafter von GetSpeed, einem am Ring ansässigen Motorsportunternehmen, und begeisterter Rennfahrer auf der Nordschleife. Die beiden wollen den Nürburgring nun in eine vielversprechende Zukunft führen. In einer ersten Stellungnahmen erklärten Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Wirtschaftsministerin Eveline Lemke und Infrastrukturminister Roger Lewentz, dass mit der Eigentümer-Entscheidung ein wichtiger Schritt in Richtung einer neuen Zukunft des Nürburgrings gegangen wurde. "Für uns als Landesregierung war es wichtig, dass der Zuschlag an einen Partner geht, mit dem der Nürburgring wieder eine Perspektive bekommt und wieder als positive Marke für sportliche Aktivitäten und Veranstaltungen wahrgenommen wird. Uns ist es wichtig, dass mit dem Zuschlag beihilferechtliche Unklarheiten beseitigt werden und der Nürburgring und mit ihm die ganze Region einen Neuanfang starten können. Die Europäische Kommission ist jetzt zu einer Entscheidung aufgerufen. Wir als Landesregierung haben großes Interesse daran, dass der Mythos Nürburgring wieder neuen Glanz bekommt." Wenn demnächst noch Klarheit über die beihilferechtlichen Fragestellungen bestehe, "sind wir zuversichtlich, dass der Nürburgring eine gute Perspektive hat und die Menschen in der Region positiv in die Zukunft blicken können. Das ist uns wichtig", heißt es aus Mainz. Auf dem Bild von links: Prof. Dr. Dr. Thomas B. Schmidt, Adam Osieka, Dr. Robertino Wild und Jens Lieser. Fotos: Bach