Jehoff

Energie sparen damit es "hell bleibt"

VG Adenau. Energiekosten und die Sorge vor einer eventuellen Gas- und Strommangellage: Wie sind Kommunen und Behörden hier in der Region vorbereitet?
Bilder
In Adenau wird zwar jetzt auch an der Beleuchtung gespart, aber ganz dunkel soll es nicht werden.

In Adenau wird zwar jetzt auch an der Beleuchtung gespart, aber ganz dunkel soll es nicht werden.

Foto: Jehoff

Um es gleich vorweg zu nehmen: einen längeren Total-Stromausfall hält man wohl bei der Bundesnetzagentur für eher unwahrscheinlich, weil das elektrische Energieversorgungssystem offenbar mehrfach redundant ausgelegt ist und über zahlreiche Sicherungsmechanismen verfügt, die einen völligen Zusammenbruch verhindern sollen. "Lokale Beeinträchtigungen" im Strom- und Gasnetz durch eine erhöhte Leistungsabnahme könnten aber nach Aussagen der Bundesnetzagentur zumindest nicht ganz ausgeschlossen werden. In Deutschland wurden von Januar bis Juni über 600.000 Elektro-Heizlüfter verkauft, die zu einer solchen Überlastung beitragen könnten. Das bedeutet im Umkehrschluss "Energie sparen". Die Landesregierung Rheinland-Pfalz hat zum Thema "Energiesicherheit" mit Kommunen, Unternehmerverbänden, Handels- und Handwerkskammern, Sozialverbänden und Gewerkschaften ein gemeinsames "15 Prozent Einsparziel" vereinbart, welches auch für private Haushalte vorgeschlagen wird. Diese Ziel trifft auch auf die Stadt Adenau sowie die 36 Ortsgemeinden in der Verbandsgemeinde zu. So hat jetzt der Stadtrat von Adenau auf Vorschlag von Bürgermeister Arnold Hoffmann beschlossen, dass dort, wo es technisch möglich ist, jede zweite Leuchte in Adenau zwischen 22 Uhr und 6 Uhr ausgeschaltet wird. Auf das Anstrahlen von Gebäuden, so u.a. die Komturei, die Marienkapelle, die Pfarrkirche und die Fachwerkhäuser am Marktplatz soll gänzlich verzichtet werden. Durch die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik können hier ferner alle Leuchten bei Dunkelheit heruntergedimmt werden, auch das spart Energie: "Wer in seinem eigenen Umfeld alle Möglichkeiten nutzt, energiezehrende Ressourcen einzusparen, schont nicht nur seinen Geldbeutel, sondern leistet auch einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz", appelliert Stadtbürgermeister Arnold Hoffmann an die Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Guido Nisius, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Adenau, berichtete bei der jüngsten Verbandsgemeinderatssitzung, dass man dem "Energie-Einsparziel von 15 Prozent" auch innerhalb der VG Adenau nachkommen wird. Demnach soll die Raumtemperatur im Rathaus sowie die Feuerwehrgerätehäuser und Turnhallen im Eigentum der VG Adenau auf 19 Grad gesenkt werden, davon ausgenommen sind die drei Grundschulen in der Trägerschaft der VG Adenau. Energie soll auch im Eifelstadion eingespart werden sowie bei der zentralen Kläranlage in Dümpelfeld, für die aktuell ein Notstromaggregat angeschafft wird. Auch an das "Nutzungsverhalten" der Belegschaft innerhalb der Verwaltung gibt es Vorgaben: "Alle Bildschirme und Rechner werden auf Energiesparmöglichkeiten gecheckt, alle technischen Geräte sollten bei Nichtnutzung wo möglich immer vom Netz genommen werden, ferner ist es nicht erlaubt eigene Heizgeräte mitzubringen. Verstärkt sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Home-Office arbeiten können und die Schließung des Rathauses zwischen Weihnachten und Neujahr, vom 27. bis 30.Dezember, soll ebenfalls viel Energie einsparen", so Guido Nisius.

Die einzelnen Ortschaften innerhalb der VG Adenau sind aufgerufen, mit Blick auf die "15-Prozent-Vorgabe" eigene Sparmaßnahmen zu entwickeln: "Für ein Worst Case Szenario, zum Beispiel einem totalen Stromausfall, welcher hoffentlich nicht eintritt, haben wir darüber hinaus ein Fachbüro beauftragt, jetzt alle systemrelevanten Bereiche vorsorglich zu überprüfen, insbesondere auch eine Notstromversorgung", so Guido Nisius. Für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass im gesamten Kreisgebiet ein totaler Stromausfall vorliegt, liegt die Zuständigkeit beim Kreis, wie Kreisverwaltung auf Anfrage des WochenSpiegel mitteilt. Dort würde dann auch die Koordination durch den zuständigen Stab erfolgen. Die Kreisverwaltung hat zudem bereits frühzeitig eine Arbeitsgruppe zur Vorbereitung einer etwaigen Lage eingerichtet. Diese hat bereits dreimal getagt.

Wie die Polizeidirektion Mayen mitteilt, hat das Thema Energieeinsparung sowie die Vermeidung von Engpässen auch bei der Polizei einen hohen Stellenwert. So ist die Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung über kurzfristig wirksame Maßnahmen (EnSikuMaV) für die polizeilichen Liegenschaften - so auch die in der VG Adenau - bindend. Neben den Einsparungen genießt die Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit der Dienststellen oberste Priorität. Jede Inspektion innerhalb der Polizeidirektion Mayen ist mit einem Notstromaggregat ausgestattet, um im Bedarfsfall die Handlungsfähigkeit zu gewährleisten. Als Bürgerpolizei gilt es nicht nur die objektiven Fakten einer Kriminalstatistik zu betrachten, sondern auch das subjektive Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung zu stärken. Je nach Lagebeurteilung setzt die Polizei entsprechende Maßnahmen um, dies kann lageabhängig z.B. auch eine Erhöhung der Präsenz sein. Zudem erfolgt ein Austausch mit Kommunen und weiteren Funktionsträgern um im Bedarfsfall abgestimmte Handlungen vorzunehmen.


Meistgelesen