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"Heimatkunde war mein Lieblingsfach"

Geschichte fasziniert Heinz Schönewald schon seit Schulzeiten. Der Autor ist im Ahrtal verwurzelt und hat gerade sein viertes Buch über die Historie der Region veröffentlicht. Dabei interessieren ihn besonders die unbekannten Schicksale und Anekdoten.
Bilder

»Die Geschichte der Ahrtalbahn«, so heißt Schönewalds aktuellstes Werk, dass vor wenigen Tagen im Eifel-Verlag erschienen ist. Die Ahrtalbahn war ein Thema, dass er schon bei seinen Recherchen zu anderen Werken gestreift hat. Als der Chef des Eifel-Verlages, Achim Gaasterland, ihn fragte, ob er jemanden wisse, der die Geschichte der Bahnstrecke aufarbeiten könne, zögerte Schönewald nicht lange.
»Ich habe gesagt, er muss nicht weiter suchen«, erzählt Schönewald. Dann habe er angeboten, das Thema  zu bearbeiten. Angefangen hat er mit der Arbeit vor gut zwei Jahren – rechnet man die Pausen heraus, dann hat die Arbeit an dem Buch ein gutes Dreivierteljahr in Anspruch genommen. Viel Wissen rund um die Bahn hatte Schönewald schon in seinem Fundus und musste es nur noch vertiefen. Auch Bildmaterial konnte der Autor massig beitragen. Rund 70 Prozent der größtenteils historischen Fotografien stammen aus seiner Sammlung. Früher, so erzählt Schönewald, habe er Sammlerbörsen abgeklappert auf der Suche nach historischen Fotos und Postkarten. Mittlerweile lohnt sich das für ihn kaum noch.
»Jetzt noch etwas zu finden, dass ich nicht habe, ist wie die Nadel im Heuhaufen zu suchen«, sagt er. Über 1000 Bilder umfasst sein Archiv.
Angefangen hat seine Leidenschaft für Geschichte zu Schulzeiten. »Heimatkunde war mein Liebslingsfach«, erinnert sich der Autor.
Schönewalds Schwerpunkt liegt auch bei der Recherche zur Bahngeschichte nicht bei der Technik. Dazu gebe es schon Werke.
Ihm sind bei seinem chronologischen Abriss die Anekdoten und Schicksale, die mit der Bahnstrecke verknüft sind, wichtig.
Darauf angesprochen, hat Schönewald eine Geschichte aus der Zeit des Streckenbaus auf Lager:  
Die Betrieb auf der Strecke
Remagen-Ahrweiler wurde am 18. September 1880
aufgenommen. Urünglich war hierfür der 1. August vorgesehen. Diese Meldung nahmen einige Beamte der
Reichsbahn im Bahnhof Remagen allzu wörtlich: gegen 6.00 Uhr Morgens wurde ein Güterzug am 1. August 1880 versehentlich über eine bereits gelegte Weiche ins Ahrtal geführt. Nachdem sich die Lokomotive in einem Erdwall festgefahren  hatte, konnte der Lokführer die Rückfahrt zum Bahnhof Remagen ohne größere Sachschäden antreten. Leider ist nicht jede Geschichte so kurios und mit gutem Ausgang. So kam es während dem Bau der Strecke im Jahre 1910 zu einem heftigen Hochwasser. Am 12. Juni begannen in Adenau und im Gebiet Hohe Acht heftige Regenfälle. Bis in die Nacht regnete es in der Region und das Wasser von Trier- und Ahrbach trat über die Ufer. Die provisorischen Brücken wurden zerstört und die nahe der Ahr aufgeschlagenen Lager der Arbeiter wurden von den Fluten zerstört. 54  Arbeiter, viele davon Italiener, ertranken bei dem Hochwasser. Besonders erschütternd ist dabei das Schicksal der Familie Schober, die die Kantine für die Arbeiter betrieben. Der Ehemann konnte seine Frau retten, doch er selbst und ihre vier Kinder kamen in den Fluten zu Tode. Nur die Ehefrau und der Hund blieben zurück. »Mich interessiert, welche Schicksale dahinter stecken«, erklärt Schönewald.  Diese arbeitet er in seinem Werk gut lesbar und spannend auch für die weniger Eisenbahn-affinen Leser auf. »Die Geschichte der Ahrtalbahn« ist im Eifelverlag erschienen, umfasst 76 Seiten und kostet acht Euro.
www.eifel-verlag.de
Heinz Schönewald lebt in Ahrweiler und hat auch seine Wurzeln dort. Den ersten Kontakt mit der Geschichte der Region hatte er im Heimatkunde-Unterricht in der Schule. Der 55-jährige hat vier Bücher zur Historie des Ahrtals veröffentlicht und hat als Co-Autor in zahlreichen weiteren Werken zu Ahrtaler Themen mitgearbeitet. Er ist im Tourismus tätig und zudem Ausbilder und Referent in der Erwachsenenbildung.


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