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Marienhaus ist gewappnet

Die BI Adenauer Land stellt das Verhalten der Krankenhaus-Träger in der Corona-Krise in Frage. Eine intensivere Nutzung des St. Josef-Krankenhauses ist laut Marienhaus nicht nötig.
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Die Bürgerinitiative Adenauer Land fragt, warum das Adenauer Krankenhaus in Zeiten der Corona-Pandemie nicht stärker genutzt wird. Archivfoto: Mager

Die Bürgerinitiative Adenauer Land fragt, warum das Adenauer Krankenhaus in Zeiten der Corona-Pandemie nicht stärker genutzt wird. Archivfoto: Mager

"Leerstehende Kliniken auf der einen Seite und auf der anderen Seite werden Turnhallen, Gaststätten, Messehallen, etc. zu Corona-Ambulanzen umgebaut. Was läuft denn in unserem Land schief?" Das fragt die Bürgerinitiative (BI) Adenauer Land in einem offenen Brief. Das Dilemma treffe bundesweit "auf einige hundert Kliniken" verschiedener Träger zu. Es bleibe ein fader Beigeschmack, dass die derzeitigen Bemühungen der Krankenhausbetreiber - etwa in puncto Corona-Zentren - "aus einem rein wirtschaftlichen Interesse entstehen", wettert die BI. In dem Brief erhebt die Bürgerinitiative namentlich erneut Vorwürfe gegen die Marienhaus GmbH, Trägerin des St. Josef-Krankenhauses in Adenau. Unter anderem heißt es in dem Brief: "Auch während der Corona-Krise scheint es bei manchem Krankenhausträger nur um ein Thema zu gehen - Geld." Die BI stellte in Frage, wie es anders zu erklären sei, dass im Adenauer Krankenhaus trotz der aktuellen Corona-Situation komplette Stationen nicht genutzt werden. Wie Heribert Frieling, Sprecher der Marienhaus GmbH, auf Nachfrage des WochenSpiegel erklärt, hat das Unternehmen drei seiner Häuser in Rheinland-Pfalz als Corona-Zentren ausgewiesen. Eines davon ist das Krankenhaus St. Elisabeth in Gerolstein. Dort werden auch mit dem Coronavirus infizierte Patienten aus dem Kreis Ahrweiler aufgenommen. Damit folge man der Empfehlung des Robert-Koch-Instituts, Corona-Patienten räumlich und personell möglichst weit zu trennen. Das Personal dort hat also nur Kontakt zu Corona-Patienten. Gewappnet seien allerdings alle Krankenhäuser der Marienhaus GmbH. In welchem der Krankenhäuser ein Corona-Patient letztlich unterkomme, hänge von der benötigten Behandlung im Einzelfall ab. In Gerolstein hält die Marienhaus GmbH laut Frieling 80 Plätze für Corona-Patienten vor. Die Zahl der Beatmungsplätze sei um die Hälfte der üblicherweise dort stationierten Geräte aufgestockt worden. Bedarf muss nicht ausgeweitet werden Vor etwa einer Woche seien in Gerolstein zehn Corona-Patienten gleichzeitig behandelt worden, die Hälfte von ihnen intensivmedizinisch. Um an einem anderen Standort - etwa Adenau - Kapazitäten aufzubauen, würde man sowohl Equipment als auch das Personal benötigen, das die Geräte bedienen könne. Allerdings sei eine Aufstockung von Plätzen woanders nicht nötig. "Die Pandemie hat die Region nicht mit großer Wucht getroffen", so Frieling. Deshalb gehe man nicht davon aus, dass der Bedarf ausgeweitet werden müsse. Hinzu komme, dass die "klassische Krankenhausbelegung" in der Corona-Zeit in Deutschland zurückgegangen sei. Die Patienten, die vor dem Umbau zum Corona-Zentrum in Gerolstein stationär untergebracht waren, seien vor allem ins Bitburger Marienhaus Klinikum Eifel verlegt oder nach Hause entlassen worden. Die BI Adenauer Land fragt nun allerdings, ob die Marienhaus GmbH das Gerolsteiner Krankenhaus nach der Corona-Krise möglicherweise "still und heimlich durch die Hintertür" schließen wolle. Von der Politik wünscht die BI "ein Konzept, welches Krankenhäusern ermöglicht, wirtschaftlich arbeiten zu können, ohne am Personal und somit der Versorgung der Patienten zu sparen" - wenn nicht sogar Überlegungen "in Richtung Verstaatlichung" von Krankenhäusern.