cw

Wege aus der Isolation

Es ist ein Problem, das nicht erst durch das Coronavirus entstanden ist, aber durch die Pandemie noch verstärkt wird: Viele ältere Menschen sind einsam. Doch Ehrenamtliche, Pflegekräfte und Mitarbeiter der Seniorenheime versuchen Wege aus der Corona-Isolation zu finden.
Bilder
Die Kontaktsperre birgt vor allem für viele ältere Menschen das Risiko, zu vereinsamen. Im Seniorenheim St. Maria-Josef in Bad Neuenahr-Ahrweiler versucht man den Kontakt zur "Außenwelt" über digitale Medien zu halten. Foto: Seniorenheim St. Maria-Josef

Die Kontaktsperre birgt vor allem für viele ältere Menschen das Risiko, zu vereinsamen. Im Seniorenheim St. Maria-Josef in Bad Neuenahr-Ahrweiler versucht man den Kontakt zur "Außenwelt" über digitale Medien zu halten. Foto: Seniorenheim St. Maria-Josef

Um sich als Risikogruppe vor dem Coronavirus zu schützen, sollen ältere Menschen derzeit den Kontakt zur Außenwelt auf das Nötigste reduzieren, nicht einkaufen gehen, die Enkel nicht sehen, keinen Besuch empfangen. In Seniorenheimen gelten Besuchsverbote. Für viele bedeutet das soziale Isolation, Einsamkeit und eine psychische Belastung. Besonders das hinter uns liegende Osterfest hat das deutlich gemacht. Ehrenamtliche, Pflegekräfte und Mitarbeiter in Seniorenheimen wollen und müssen deshalb gerade jetzt kreativ werden, um neben dem körperlichen Wohl auch das seelische zu pflegen. "Jetzt ist Einfallsreichtum gefragt" Um auch weiterhin den Kontakt zu Freunden und Familie aufrechtzuerhalten, setzt das Seniorenheim St. Maria-Josef in Bad Neuenahr-Ahrweiler auf digitale Technik. "Wir haben - Dank der Unterstützung unseres Fördervereins - ein Tablet angeschafft, damit unsere Bewohnerinnen und Bewohner die Möglichkeit haben, per Videochat in Verbindung zu bleiben", sagt Heimleiter Alfons Busch. Unterstützung bei der Bedienung erhalten die Senioren dabei vom Sozialen Dienst. "Das Angebot kommt wirklich super an und es ist schön zu sehen, wenn den Angehörigen und Bewohnern vor Freude sich zu sehen teilweise die Tränen kommen", so Busch. Dank seiner engagierten Mitarbeiter schaffe man es, auch im Haus Lichtblicke in der Krise zu schaffen: "Jetzt ist Einfallsreichtum gefragt und den haben meine Mitarbeiter zum Glück. Eine Kollegin besucht zum Beispiel mit ihrem 'wandernden Klavier' alle Bereiche des Hauses und das kommt an.Neben der körperlichen Pflege setze man zudem verstärkt auch auf die seelische. "Für Bewohnerinnen und Bewohner, die jetzt noch mehr Fürsorge benötigen, nehmen wir uns gerade jetzt besonders viel Zeit", betont Busch. Außerdem seien Brieffreundschaften mit Schülern des Calvarienberg Gymnasiums entstanden. "Jung und Alt" könnten sich so über den neuen Alltag austauschen, was beiden Seiten viel geben würde. Einen großen Dank richtet der Heimleiter aber auch an die Nachbarschaft: "Wir werden immer wieder gefragt, was man für uns und unsere Bewohner tun kann und viele haben Masken genäht. Dafür sind wir sehr dankbar." Kleine Zeichen, große Wirkung Über Unterstützung "von außen" freut sich auch das Seniorenheim "Villa am Buttermarkt" in Adenau, eine Einrichtung der Projekt 3 gGmbH. "Die Jugendfeuerwehr Schuld hat unseren Seniorinnen und Senioren Gedichte und Bilder geschickt. Und kürzlich erreichte uns ein rührender Brief von der 11-jährigen Jolina aus Wimbach in dem sie von ihren Haustieren berichtetet und schrieb, dass auch sie sich langweile. Sie wolle die Senioren damit einfach etwas aufmuntern", erzählt Einrichtungsleiterin Diana Wagner. In dieser Zeit setze man im Adenauer Seniorenheim neben der täglichen Pflege und Betreuung aber vor allem verstärkt auf eines: Zuneigung durch das Pflegepersonal. "Wir versuchen alles, damit sich unsere Senioren bei uns wohlfühlen und wir haben viel Zuspruch erhalten, dass sie sich behütet fühlen", so die Einrichtungsleiterin. Dafür, dass ältere, alleinlebende Menschen nicht vereinsamen, setzen sich auch Mechthild Haase, unter anderem Koordinatorin des Projekts "Leben und Älterwerden in Remagen mitgestalten", und "ihre" Ehrenamtlichen ein. "Natürlich können wir nicht alles und jeden auffangen, besonders nicht, da all unsere Veranstaltungen abgesagt werden mussten. Aber wir rufen die Menschen an, versuchen so gut es geht zu helfen, bieten Gelegenheit, sich auszutauschen, machen ein telefonisches Gedächtnistraining und vieles mehr." Besonders wichtig sei ihr zu betonen, dass sich ältere Menschen jetzt nicht dagegen wehren sollten, Hilfe anzunehmen. "Sonst gefährden sie sich, aber auch alle anderen", so Mechthild Haase.