Jutta Kruft

Weniger Arbeitslose im März

Arbeitslosigkeit im Landkreis Ahrweiler geht weiter zurück.
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Foto: Agentur für Arbeit

Die Winterpause auf dem regionalen Arbeitsmarkt fiel diesmal weitgehend aus - und der überraschend positive Trend setzte sich im März fort: Im Landkreis Ahrweiler ging die Zahl der Arbeitslosen zum Monatsende um 93 auf nun 2.440 zurück. Vor einem Jahr waren sogar 789 Menschen mehr arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote sinkt um 0,1 Punkte auf 3,5 Prozent. Im März 2021 lag sie bei 4,6 Prozent. Zumindest am regionalen Arbeitsmarkt gingen die extremen Krisen der letzten beiden Jahre damit scheinbar weitgehend vorbei, meint Thomas Becker, der stellvertretende Leiter der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen. "Im Moment beobachten wir sogar eine sehr frühe Frühjahrsbelebung, was wohl vor allem dem ungewöhnlich schönen Wetter der letzten Wochen geschuldet ist. Sonne und milde Temperaturen haben die Menschen nach zwei Corona-Jahren mit schmerzhaften Einschränkungen in Scharen nach draußen getrieben. Davon konnten sowohl Handel als auch Gastronomiebetriebe profitieren." Allerdings spiegelten die Zahlen nicht unbedingt die Realität wider. So seien die verschiedenen Branchen sehr unterschiedlich stark betroffen. Außerdem gebe es neue Herausforderungen, die dem Arbeitsmarkt zusetzen könnten, betont der Experte. "Die Corona-Zahlen steigen in nie gekannte Höhen. Der Krieg in der Ukraine und die mit ihm einhergehenden hohen Energiepreise setzen den Menschen und der Wirtschaft zu. Es bleibt abzuwarten, wie sich dies in den nächsten Monaten auf den Arbeitsmarkt auswirken wird. Der Stresstest ist auf jeden Fall noch nicht zu Ende." In der aktuellen Statistik für den Landkreis lässt sich das freilich noch nicht ablesen. So ist die Fachkräftenachfrage im vom Wiederaufbau geprägten Ahrtal nach wie vor groß. 173 Stellenangebote nahm der Arbeitgeberservice in den letzten vier Wochen auf. Zum Monatsende waren aus dem Ahrkreis damit 865 offene Stellen gemeldet. Das sind 176 weniger als vor einem Jahr, was vor allen ein Hinweis darauf sein könnte, dass besonders Hotellerie und Gastronomie sich noch nicht von der Flutkatastrophe erholt haben. Denn diese beiden Branchen sorgen in den Wochen vor den Osterferien normalerweise für die stärkste Nachfrage am Stellenmarkt. Ein wichtiges Instrument zur Abfederung der Krisenfolgen waren in den letzten beiden Jahren die Regeln zum erleichterten Bezug von Kurzarbeitergeld (KuG). Derzeit werden allerdings kaum noch neue Anträge gestellt. Im Ahrkreis waren es in den letzten vier Wochen lediglich 7 Betriebe, die für 24 Personen KUG-Anzeigen einreichten. In den Hochzeiten von Pandemie und Flutfolgen war das anders. So registrierte die Arbeitsagentur im März vor einem Jahr 18 Anzeigen für 100 Personen und vor zwei Jahren sogar 286 Anzeigen für 3.072 Personen. Insgesamt gab es seit Beginn der Pandemie 2.560 betriebliche Anzeigen für 21.304 Beschäftigte. Da die Folgen des Ukraine-Krieges für den Arbeitsmarkt derzeit nicht abschätzbar sind, hat der Gesetzgeber die Sonderegeln trotz abflauender Nachfrage noch einmal verlängert: Das Ende der Bezugsdauer wurde auf den 30. Juni dieses Jahres festgelegt. Deutlicher als der Arbeits- ist derzeit der Ausbildungsmarkt von den Krisen der letzten beiden Jahre geprägt. 344 junge Menschen aus dem Ahrkreis meldeten sich seit Beginn des aktuellen Ausbildungsjahres im September bei der Berufsberatung, um sich bei der Berufswahl unterstützen zu lassen. Ihnen stehen 479 Ausbildungsangebote von regionalen Betrieben gegenüber. Vor zwei Jahren, also unmittelbar vor Beginn der pandemiebedingten Einschränkungen, waren zu diesem Zeitpunkt 498 Jugendliche und 496 Stellenangebote registriert. "Das zeigt sehr deutlich wie groß die Verunsicherung ist, die zwei Jahre mit eingeschränkten Orientierungsmöglichkeiten und einem Schulbetrieb im Katastrophen-Modus bei den jungen Leuten hinterlassen haben", betont Thomas Becker.

Es gehen wieder mehr weiter zur Schule

Der Trend, erst mal weiter zur Schule zu gehen, statt sich für einen Beruf zu entscheiden, werde dadurch noch verstärkt. "Die Zahlen zeigen aber auch eine demografische Entwicklung auf, in der wir zunehmend Probleme haben, Stellenangebote zu besetzen - auch und besonders bei der Ausbildung." Noch sei es allerdings zu früh, die Lage abschließend zu bewerten. "Wir wissen aus Erfahrung, dass viele Jugendliche sich gern etwas mehr Zeit lassen, bevor sie sich ernsthaft mit der Frage nach ihrer beruflichen Zukunft beschäftigen, während Arbeitgeber ihre Stellenangebote eher früher melden. Es ist deshalb durchaus möglich, dass sich das Bild im Laufe der nächsten fünf Monate noch deutlich verändern wird. Vor allem auch deshalb, weil viele Messen und Orientierungsangebote wie etwa die Azubi- und Studientage oder die Azubispots in Koblenz noch ausstehen." Dennoch appelliert Becker an die jungen Leute, sich lieber früher als später damit auseinanderzusetzen, wie es nach der Schule weitergehen kann. "Die Möglichkeiten sind so vielfältig, dass eigentlich jeder seinen Traumjob finden kann. Um herauszufinden, was das ist, braucht man aber ein bisschen Zeit. Wer auf den letzten Drücker kommt, läuft deshalb viel eher Gefahr, eine falsche Wahl zu treffen." Termine bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur können auch kurzfristig unter der Hotline 02651 - 950 333 vereinbart werden. Die Beratung ist kostenlos.