Robert Syska

Bad Kreuznach: Razzia gegen verbotenen "Kalifatstaat"

Bad Kreuznach. Im ganzen Land ging die Polizei heute Morgen gegen den islamistischen Kalifatstaat vor. Zehn Hauptbeschuldigte kommen aus dem Raum Bad Kreuznach.

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Zwei Hauptverdächtige aus Bad Kreuznach und ein 44-Jähriger aus NRW wurde im Zuge der Polizeiaktion verhaftet. Bei dem 44-Jährigen soll es sich um den Sohn des sogenannten "Kalifen von Köln", Metin Kaplan, handeln.

Zwei Hauptverdächtige aus Bad Kreuznach und ein 44-Jähriger aus NRW wurde im Zuge der Polizeiaktion verhaftet. Bei dem 44-Jährigen soll es sich um den Sohn des sogenannten "Kalifen von Köln", Metin Kaplan, handeln.

Foto: Pixabay / Symbolbild

Seit heute Morgen um sechs Uhr laufen die Durchsuchungen in sechs Bundesländern. Ziel sind Mitglieder, Unterstützer und Sympathisanten der verbotenen Vereinigung "Kalifatsstaat." Anlass für die großangelegte Polizeiaktion war laut Landeskriminalamt und der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz der dringende Verdacht, dass Personen innerhalb eines Moscheevereins in Bad Kreuznach die seit 2001 verbotene Organisation des sogenannten "Kalifen von Köln", Metin Kaplan, unterstützen. Die zehn Verdächtigen aus dem Raum Bad Kreuznach sollen in Predigten und durch den Verkauf von Schriften und sonstigen Propagandamitteln die Ideologie des "Kalifatsstaats" verbreitetet und als Mitglieder des Moscheevereins die Organisationsstrukturen der verbotenen, islamistischen Vereinigung aufrechterhalten haben.

So sollen sie unter anderem durch den Verkauf der Schriften des in Istanbul lebenden Anführers der Vereinigung Metin Kaplan sowie durch die Sammlung von Spenden und den Verkauf von Lebensmitteln in einem eigenen Ladenlokal erhebliche Einnahmen erzielt haben, die der Aufrechterhaltung des "Kalifatstaats" und dem Lebensunterhalt des selbsternannten "Kalifen" Kaplan dienten. Wie das LKA mitteilte, seien die zehn Verdächtigen mit Hilfe verdeckter Maßnahmen identifiziert worden. Die Verdächtigen aus Bad Kreuznach sollen intensive Kontakte zu einem 44-jährigen Mann in Nordrhein-Westfalen gepflegt haben, der offensichtlich dem "Kalifatsstaat" in leitender Position angehört - dabei soll es sich um den Sohn von Metin Kaplan handeln. Auch gegen ihn wird ermittelt. Er selbst und zwei Hauptverdächtige aus Bad Kreuznach, ein 49- und ein 62-Jähriger, wurden im Zuge der Polizeiaktion verhaftet.  

Die Ermittlungen ergaben zudem den dringenden Verdacht, dass die verbotene Vereinigung über Bad Kreuznach hinaus Kontakte zu Verantwortlichen von Moscheen und Vereinen in weiteren Bundesländern unterhält, die ebenfalls der Ideologie des "Kalifatsstaats" folgen. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse haben auch die Generalstaatsanwaltschaften Celle und München sowie die Staatsanwaltschaften Düsseldorf, Frankfurt am Main, Karlsruhe und Köln eigene Ermittlungsverfahren eingeleitet. Um eine nachhaltige Zerschlagung der Strukturen des "Kalifatsstaats" zu erreichen und Beweismittelverluste zu vermeiden, haben die beteiligten Ermittlungsbehörden vereinbart, Durchsuchungsbeschlüsse und Haftbefehle zeitgleich zu vollstrecken. Die heutigen Maßnahmen werden vom Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz koordiniert. Insgesamt wurden heute in den betroffenen Bundesländern 50 Objekte durchsucht.