Kai Brückner

Ehefrau vergab Mordauftrag für Nebenbuhlerin

Was hat eine 43 Jahre alte Hausfrau aus Laubenheim dazu gebracht, den Mord an der neuen Lebensgefährtin ihres Noch-Ehemannes in Auftrag zu geben. Dieser Frage ging das Schwurgericht in der vergangenen Woche bei der Fortsetzung des sogenannten Maskenmann-Prozesses nach.

Dass die mehrfache Mutter einen 21-Jahre alten Bekannten ihres Sohnes mit dem Mordversuch betraut hatte, gab sie an einem der vergangenen Prozesstage zu. Doch was hat sie zu dieser Tat gebracht? Dies zu klären, gestaltet sich für die Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richter Dr. Bruno Kremer nicht leicht. Die Befragung der 43-Jährigen ist schwierig, immer wieder bricht sie in Tränen aus und ist minutenlang nicht zu einer Antwort fähig. Mehrfach muss der Prozess unterbrochen werden, bis die Laubenheimerin sich wieder etwas beruhig hat und die Fragen des Gerichtes beantworten kann. Klar wird: Als der dritte Ehemann gegenüber der Angeklagten offenbart, dass er sie wegen einer anderen Frau verlassen wird, ist die 43-Jährige tief getroffen. "Ja, ich wollte mir eigentlich das Leben nehmen", räumt sie zwei Selbstmordversuche mit Tabletten, Alkohol und Rauschmitteln an Weihnachten und Silvester 2013 ein, die jedoch beide misslangen. Drei Ehen der Angeklagten scheiterten Das Leben der Angeklagten, es ist bis zu diesem Zeitpunkt von vielen schmerzlichen Wendungen geprägt. Ihr Vater, ein Holzfäller und Metzger, verlässt die Familie früh. Ihr erstes Kind bekommt sie mit 17. Der Kindsvater macht sich direkt nach der Geburt des Sohnes aus dem Staub, die minderjährige Frau muss ihre Lehre abbrechen. Später lernt sie einen neuen Mann kennen. Sie heiratet, doch das Eheglück hält nicht lange. Immer wieder geht der Ehemann mit anderen Frauen fremd, 1996 wird die Ehe geschieden. Anschließend führt sie eine Kneipe, wo sie Ehemann Nummer zwei kennen lernt, den sie 1999 heiratet. Zunächst verläuft die Ehe in ruhigem Fahrwasser, doch das ändert sich: "Es wurde immer schlimmer mit seinem Trinken", erinnert sich die 43-Jährige. Auch eine Entzugstherapie hilft nicht. Der Mann verfällt wieder dem Alkohol, er wird gewalttätig - und nicht nur das: Wie die heute 25 Jahre alte Tochter der Angeklagten dem schildert, schreckt der Mann auch nicht vor sexuellen Übergriffen gegen die damals 13-Jährige und ihre 11-jährige Schwester zurück, bis die Mutter sich schützend vor sie stellt. Partnertausch-Abend und Unterhöschen-Verkauf In der Ehe geht es weiter bergab: Bei einem Partnertausch-Abend, dem die Frau auf Drängen ihres zweiten Ehemannes zustimmt, lernt die Angeklagte ihren späteren Ehemann Nummer drei kennen und hat mehrfach Sex mit ihm. Beide verstehen sich gut, sie treffen sich mehrfach, tauschen sich über ihre jeweiligen Eheprobleme aus. Als Ehemann Nummer zwei eine Gewalttat mit einer Axt androht, zieht die Frau in einer "Nacht und Nebelaktion" zu ihrem dritten Mann nach Laubenheim. 2010 läuten die Hochzeitsglocken. "Sie haben gut zueinander gepasst. Bei ihm fühlte sie sich geborgen", erinnerte sich die Tochter. Das bleibt aber nicht lange so: Irgendwann fängt Ehemann Nummer drei an, wieder von Partnertausch zu sprechen. Er trifft sich mit anderen Frauen, er drängt die Angeklagte dazu, ihre getragenen Unterhöschen per Anzeige zum Kauf anzubieten. "Das hat mir alles nicht gefallen. Aber ich habe mich nicht getraut, darüber zu sprechen, weil ich Angst hatte, dass wieder alles vorbei ist", so die Angeklagte. Die Ehe rettet das nicht: Ende 2013 reicht der Mann die Scheidung ein, die neue Lebensgefährtin zieht nach Laubenheim ins Haus des in Trennung lebenden Paares. Das sich ihr "Ehe-Trauma" erneut wiederholt, wirft die Frau offenbar komplett aus der Bahn: Sie entwirft Selbstmord- und Mordpläne. "Warum haben sie den Plan, die neue Frau ihres Mannes umbringen zu wollen, so hartnäckig verfolgt?", fragt Richter Dr. Kremer nach. "Aus Verzweiflung", antwortet die 43-Jährige unter Tränen. Mehr zur Prozessfortsetzung im nächsten WochenSpiegel. Text & Foto: Kai Brückner