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Kleine Mittel, großes Kino

Bereits mit 14 Jahren stand für Daniel P. Schenk aus Simmern fest: »Ich will Filme machen!« Nach Kurz- und Internetfilmen hat er jetzt seinen erster Spielfilm »Beyond the Bridge« abgeschlossen. Dieser ist am Dienstag, 26. April, um 20 Uhr auf der großen Leinwand im Pro-Winzkino zu sehen, in Anwesenheit des Machers und der Hauptdarstellerin.
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Eigentlich verbindet man mit Filmen ja eher  Hollywood. Und so erscheint die Entscheidung, als Filmproduzent und Regisseur im Hunsrück sein Zelt aufzuschlagen zunächst unkonventionell. Die großen Filmzentren in Deutschland sind schließlich Berlin und München. »Mir gefällt es im Hunsrück«, betont Schenk. »Ich habe meine Kindheit in Kastellaun verbracht und habe hier seit 30 Jahren meinen Freundeskreis.« Daher ist er nach erfolgreichem Studium am Medieninstitut SAE in Köln wieder zurückgezogen. Außerdem bietet ihm die Region eine optimale Umgebung um sich kreativ auf einen Film vorzubereiten. Im Gegensatz zu oftmals hektischen Großstädten finde er im Hunsrück Ruhe und viel Natur, so Schenk. Dies sei ihm wichtig für die kreative Entwicklung neuer Filme. Daniel P. Schenk ist noch Filmemacher im wahrsten Sinne des Wortes: Er führt Regie, schreibt das Drehbuch selbst, ist für den Schnitt verantwortlich und produziert die Film zusammen mit seinem Geschäftspartner Robert Staffl. Auch kleine Nebenrollen übernimmt er. Somit ist Schenk in allen Aspekten der Filmproduktion aktiv - er hat das das Heft selbst in der Hand. Das heißt aber auch, dass er den Film selbst finanzieren und vermarkten muss. Denn als relativer Neuling findet man in der Filmbranche nur schwer Investoren. »Wir haben ‚Beyond the Bridge‘ komplett aus privaten Mitteln finanziert – also von Erspartem«, erklärt Schenk. Für die Produktion standen deshalb »nur« etwa  10 000 Euro zur Verfügung. Ein Minimalbudget in der Filmbrache, aber für eine Privatperson viel Geld. »Mit einem kleinen Budget muss man kreativ sein und das Drehbuch den verfügbaren Drehorten anpassen«, erklärt Schenk. Im Falle von »Beyond the Bridge« hieß das, dass für Daniel P. Schenk das Haus seiner Mutter bei Freiburg im Üechtland in der Schweiz als Hauptschauplatz herhalten musste. Das Haus  passe genau zur Atmosphäre, die er für seinen Film erzeugen wollte, sagt er. Er suchte in der Umgebung nach Schauplätzen, die sich eignen und baute diese in sein Drehbuch  ein. Bei großen Produktionen ist es umgekehrt. Nachdem die Drehorte gefunden waren, übernahm Daniel P. Schwenk mit 15 Crewmitgliedern das Haus in der Schweiz für 21 Tage. »Es war chaotisch und spannend«, erklärt er, »nicht nur für uns, sondern auch für meine Mutter, die ja dort wohnt.« Dabei konnte er weitere Erfahrungen im Filmemachen sammeln. Das knappe Budget war auch ein Grund, bei den Darstellern auf eine Mischung zwischen Laiendarstellern und professionellen Schauspielern zu setzten. Ein Konzept, dass schon Edgar Reitz für seine »Heimat«-Filme angewendet hat. So spielen seine beiden Schwestern Maya und Carolina in dem Film mit. Maya Schenk übernahm sogar die Hauptrolle neben Thomas Koch, einem professionellen Schauspieler. Weitere Darsteller wurden über ein Internet-Casting  gefunden. Die gesamte Crew erklärte sich damit einverstanden, dass sie erst voll bezahlt werden, wenn der Film Geld einspielt. »Die Hoffnung ist, dass wir unsere Kosten einspielen«, betont Schenk. Der Film muss etwa 100 000 Euro einspielen, damit alle Crewmitglieder den vollen Lohn erhalten und die Produktions- sowie Vermarktungskosten (5 000 Euro) gedeckt sind. Die Einnahmen kommen vor allem vom Online-Verkauf. Hier kann  man sich den Film im Stream ansehen oder als Media-Datei runterladen. Aber auch auf Amazon soll der Film in DVD-Form erhältlich sein. Obwohl die Dreharbeiten bereits im August 2010 stattfanden, dauerte die Fertigstellung in der Post-Produktion fünf  Jahre. Für Schenk ist es ein Leidenschaftsprojekt, von dem er (noch) nicht leben kann. So verdient er sein Geld mit seinem Unternehmen »Hunsrück-Video«, das Werbe- und Erklärfilme für Firmenkunden herstellt und Events für Privatkunden filmt, wie etwa Hochzeiten. Seinen Thriller musste er deshalb quasi nach Feierabend fertigstellen. Dafür ist er durch sein Unternehmen aber voll ausgerüstet und konnte den Film quasi vom Arbeitsplatz aus, also »nebenher« abschließen. Der Film lief im letzten Jahr bereits erfolgreich auf verschiedenen internationalen Fantasy-Filmfesten und auf dem Berlin Independent Film Festival. Um ein weltweites Publikum anzusprechen, wurde der Film in Englischer Sprache gedreht. Zu sehen ist er auch in Deutschland nur auf Englisch mit deutschen Untertiteln. Die Kinotour von »Beyond the Bridge« macht am 26. April um 20 Uhr im Pro-Winzkino in Simmern halt. Im Anschluss gibt die Möglichkeit sich mit Regisseur und Hauptdarstellerin über den Film zu diskutieren. Bereits seit Donnerstag ist der Film als DVD (15 Euro) bei Amazon und als Stream (3,99 Euro) oder Download (9,99 Euro) erhältlich: www.BeyondTheBridgeMovie.com