Robert Syska

Nach Terrier-Angriff: PETA fordert Hundeführerschein

Windesheim. Nach dem Angriff eines entlaufenen Terriers auf eine 83-Jährige und ihre Katze fordert die Tierrechtsorganisation PETA Konsequenzen.

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Foto: Pixabay

Die 83-Jährige war am Sonntag von einem Jagdterrier angegriffen worden, der unbeaufsichtigt über eine offene Terrassentür in die Wohnung der Seniorin gelaufen war (der WochenSpiegel berichtete). Die Rentnerin konnte ihre Katze befreien, wurde dabei jedoch selbst in beide Arme und in die Hände gebissen. Über eine Telefonnummer am Halsband des Hundes konnten hinzugezogene Beamte den Halter ausfindig machen. Der 64-jährige Halter hatte den Hund bereits gesucht, der ihm kurz zuvor weggelaufen war. Der Mann muss nun mit einem Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung rechnen.

Angesichts dieses Vorfalls fordert die Tierrechtsorganisation PETA die Landesregierung auf, den sogenannten Hundeführerschein in Rheinland-Pfalz einzuführen. "Meist liegt das Problem nicht beim Hund, sondern am anderen Ende der Leine. Viele Halterinnen und Halter können das Verhalten, die Signale und die Körpersprache ihres Vierbeiners nicht richtig deuten und einschätzen. Somit ist die wahre Ursache für Beißattacken bei ihnen zu suchen - nicht beim Tier", so PETA-Fachreferentin Monic Moll.

Der Hundeführerschein sieht vor, dass künftige Halter und Halterinnen bereits vor Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren, in dem sie das notwendige Fachwissen über eine tiergerechte Haltung und Aspekte wie Kommunikation und Bedürfnisse von Hunden erwerben. Anschließend folgt für Halter und Hund ein gemeinsames obligatorisches Praxisseminar in einer Hundeschule. "Ein solcher Nachweis könne sicherstellen, dass Menschen, die Hunde halten, fachkundig mit dem Tier umgehen und die Signale des Vierbeiners richtig deuten. Eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund und Halter sei unerlässlich, um Beißvorfälle zu verhindern", so Moll weiter.

Als erstes deutsches Bundesland hat Niedersachsen einen Sachkundenachweis für Hundehalter beschlossen - seit Juli 2013 ist der allgemeine Hundeführerschein verpflichtend. Dort ereignen sich nach PETA-Angaben seither nachweislich weniger Vorfälle. Wer in Berlin seit dem 1. Januar 2017 einen Hund neu aufgenommen hat, ist ebenfalls dazu aufgefordert, sich die notwendige Sachkunde anzueignen. Einige Städte belohnen verantwortungsbewusste Halter: Wer in München nach dem 1. Mai 2014 einen Hundeführerschein absolviert hat, kann sich ein Jahr lang von der Hundesteuer befreien lassen. In Mannheim gilt eine zweijährige Steuerbefreiung für alle Hunde, deren Halter den Hundeführerschein nach dem 1. Januar 2016 erworben haben.

"Ein verpflichtender Hundeführerschein hat einen weiteren Vorteil", so die PETA-Fachreferentin. "Er kann Menschen, die sich noch nicht ausführlich mit der Hundehaltung auseinandergesetzt haben, von einem eventuellen Impulskauf abhalten." Jedes Jahr landen laut PETA 80.000 Hunde in deutschen Tierheimen, darunter sehr viele Tiere, die unüberlegt angeschafft wurden.