Klaus Desinger

Polizeigebäude frühestens im Herbst 2017 fertig

Der ursprüngliche Auftrag des LBB lautete, das Gebäude – das aus dem 19. Jahrhundert stammt und in dem die Polizeiinspektion sowie die Kriminalinspektion Idar-Oberstein untergebracht sind – instand zu setzen und notwendige technische und energetische Maßnahmen durchzuführen. Die Baumaßnahme, die im Frühjahr 2014 begann, sollte in zwei Abschnitten bis zum Frühjahr 2015 abgeschlossen werden. Die energetische Sanierung mit der Dämmung von Fassade und Dach sowie dem Austausch der Fenster konnte mittlerweile abgeschlossen werden. Knackpunkt sind jedoch insbesondere unvorhersehbare statische Probleme im Inneren des Gebäudes.
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Erst nach dem kompletten Auszug der beiden Polizeiinspektionen und dem Beginn der Bauarbeiten konnten nähere Untersuchungen der Deckenkonstruktion erfolgen. „Dabei stellte sich heraus, dass die vorhandenen Decken nicht nur brandschutztechnisch, wie bereits zu Beginn der Baumaßnahme erkennbar, sondern auch statisch aufgerüstet werden mussten“, so die Projektleiterin Jutta Kaucher. Um diese Bauschäden zu beheben und die Tragfähigkeit der Decken einerseits und den erforderlichen Brandschutz andererseits zu gewährleisten, musste deren Konstruktion unter statischen Gesichtspunkten grundlegend verbessert werden. Hierdurch gab es erste Verzögerungen im Bauablauf mit einer Verschiebung der geplanten Fertigstellung auf Herbst 2016. Innenwände und Holzdecken müssen abgerissen werden Zu der nunmehr erforderlichen Ertüchtigung des Tragwerks gehörte unter anderem die Erneuerung der nicht tragfähigen alten Holzbalkendecken im Göttschieder Flügel. Nachdem die bauüberwachenden Ingenieure hierbei erste Mängel an der Gebäudeaussteifung feststellten, mussten zwangsläufig weitere Untersuchungen zur Gebäudeaussteifung erfolgen. „Die Decken waren unzureichend und die Wände überhaupt nicht in den Außenwänden verankert. Durch die zweischaligen Außenwände mit ihrer Natursteinverblendung waren zum einen keine Maueranker in der Fassade sichtbar und zum anderen der nachträgliche Einbau zusätzlicher Anker ohne Zerstörung der Außenfassade unmöglich“, so Projektleiterin Kaucher. Ergebnis dieser Befunde: Sowohl die Innenwände als auch alle Holzbalkendecken müssen komplett abgerissen und erneuert werden. Weitere Folge: Die Leistungsverzeichnisse für die Rohbauarbeiten mussten auf der Basis der neuen Erkenntnisse vollkommen neu erstellt werden. „Im Prinzip wird das Gebäude derzeit in großen Bereichen entkernt und im Inneren von unten nach oben neu aufgebaut – und bei drei Stockwerken kostet das natürlich Zeit“, so Dr. Thein. Denn die neuen Decken einer einzelnen Etage können nicht, wie in einem offenen Rohbau üblich, in einem Zug, sondern nur abschnittsweise gegossen werden. Kosten sollen nicht weiter steigen Daher rechnet man beim LBB nunmehr mit der Fertigstellung der Baumaßnahme bis September 2017. Danach erfolgen noch die für die Feststellung der Raumhygiene erforderliche Auslüftung und eine Schadstoffmessung. Die Kosten sollen durch die zusätzlichen Arbeiten übrigens nicht weiter steigen, insofern muss diesbezüglich keine weitere Anpassung erfolgen. Äußerungen, dass die aufgetretenen Probleme vor Baubeginn hätten entdeckt werden müssen, entgegnet Dr. Thein: „Das war ohne eingehende Untersuchungen der Bausubstanz nicht festzustellen. Eine solche war während der Nutzungsphase durch die Polizei nicht möglich gewesen. Erst die während der Abbruchmaßnahme im Inneren zum Vorschein gekommenen gravierenden Bauschäden haben eine qualitative Beurteilung ermöglicht.“ Doch als die ersten Mängel ersichtlich wurden, musste gutachterlich geprüft und entsprechend statisch geplant und gerechnet werden. Bei allen Verzögerungen sieht der Leiter der LBB-Niederlassung aber auch etwas Positives: „Nach dem Abschluss der Sanierungsmaßnahme verfügt die Polizei über ein Gebäude, das in vollem Umfang den heutigen Baustandards entspricht.“ Außerdem erfahre diese markante, städtebaulich und für die Stadt Idar-Oberstein historisch sehr bedeutsame Immobilie dadurch eine enorme Aufwertung.